Sucre/Düren - Kinderheim Poconas: Ein Geschenk von treuen Wegbegleitern

Kinderheim Poconas: Ein Geschenk von treuen Wegbegleitern

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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„Vielen Dank, Freunde“: 35 Mädchen aus dem Internat der Josefsschwestern gingen mit Hilfe aus der Pfarre St. Anna erstmals auf eine Ferienreise.

Sucre/Düren. Erfolgserlebnisse? Armin Lersch rollt mit den Augen. Als ob das die Grundlage sei, sich für Menschen einzusetzen, würde er wohl gerne antworten. Doch er sagt etwas anderes, er nennt einen Namen: „Marlene.“ Die 26-Jährige hat gerade ihre Zulassung als Ärztin erhalten. 1995 hat der Dürener Armin Lersch sie das erste Mal getroffen, im Kinderheim Poconas der Josefsschwestern nahe der bolivianischen Stadt Sucre.

Damals war Marlene ein Kind, das ihre Eltern verloren hatte. Heute verlässt sie das Heim, in dem sie bis zum Abschluss des Studiums gewohnt hat, als selbstbewusste, junge Frau. Und alle Mitglieder des Freundeskreises Poconas dürften stolz darauf sein, diesen Weg ein Stück mitgegangen zu sein, ihn vielleicht an manchen Stellen etwas geebnet zu haben. „Darum geht es uns“, sagt Lersch, der mit Rudolf Meurer jüngst aus Bolivien zurückkam.

Seit 35 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Gemeinde St. Anna und den Josefsschwestern im Kinderheim Poconas. Seit 35 Jahren unterstützt der Freundeskreis die Arbeit der Schwestern, etwa 50.000 Euro Spenden wurden pro Jahr gesammelt. Aus Anlass dieses Geburtstages hatten die Dürener ein besonderes Geschenk dabei: Sie nahmen 35 Mädchen aus dem Kinderheim mit auf eine mehrtägige Studienreise, damit sie ihre eigene indigene Kultur kennenlernen konnten.

„Wir riefen eine Spendenaktion ins Leben, um diesen Mädchen, die überwiegend Vollwaisen sind, erstmals eine Ferienfahrt zu ermöglichen“, berichtet Rudolf Meurer. Über La Paz ging es zum Titicacasee. „Es war schön zu sehen, mit welcher Freude, Dankbarkeit und Begeisterung die Kinder und Jugendlichen diese Reise aufgenommen haben“, bedankt sich Rudolf Meurer bei allen Unterstützern. Zugleich machten sich die Dürener vor Ort ein Bild über die Arbeit in Poconas.

Das Kinderheim geht auf einen Wunsch von Kardinal José Clemente Maurer zurück. Er bat 1964 die Trierer Josefsschwestern, ein Exerzitien-Haus zu gründen. Der Orden schickten vier Schwestern nach Sucre, um den Auftrag zu erfüllen. Doch nur kleine kirchliche Gruppen nahm die Einrichtung in Anspruch. „Die Schwestern spürten schnell, dass die Realität vor Ort ganz andere Aufgaben von ihnen abverlangte“, berichtet Armin Lersch. Es galt, sich um die Ärmsten und Benachteiligten zu kümmern. Die Schwestern errichteten eine Krankenstation am Rand der Stadt.

Im Jahr 1968 eröffneten sie eine Entbindungsstation mit einer Praxis für Vorsorgeuntersuchungen und Allgemeinmedizin. Als die zu versorgende Zahl der Kleinkinder immer größer wurde, richteten die Schwestern die Kinderkrippe „Casa Cuna“ ein, um auch Waisen und unterernährte Kinder in ihre Obhut zu nehmen. Ab einem Alter von vier Jahren werden die Mädchen von den Jungen getrennt. Die Mädchen werden ins Internat der Schwestern übernommen und weiter betreut und versorgt. Die Jungen werden ab diesem Alter in ein nur für männliche Kinder und Jugendliche geführtes Waisenhaus übergeben.

„Heute wohnen durchschnittlich 35 Jungen und Mädchen in der ‚Casa Cuna‘, im Mädcheninternat leben 60 Mädchen. Bis zum Abschluss ihrer Ausbildung haben sie die Möglichkeit, dort zu wohnen“, sagt Rudof Meurer.

Die Partnerschaft zwischen dem Kinderheim Poconas und der Gemeinde entstand im Jahr 1977, als bei einer Hauseinsegnung das Gespräch auf die Arbeit der Josefsschwestern und deren Probleme bei der Versorgung der Kinder kam. Schwester Agnes Eiserloh trat mit der Bitte an den damaligen Pastor, Bernhard Gombert, ob er nicht in seiner Gemeinde gebrauchte Kinderkleidung sammeln könne. Die Bitte wurde sofort in die Tat umgesetzt. Es war der Anfang einer Partnerschaft.

Mit der Zeit bildete sich ein fester Kreis aus Gemeindemitgliedern, die sich dem Projekt verbunden fühlten. Da im Laufe der Jahre die Frachtkosten anstiegen und sich andererseits sich die Versorgungslage in Bolivien verbesserte, wurde die Kleiderspendenaktion im Jahr 2003 eingestellt. Seitdem wird an besonderen Terminen nur noch um Geldspenden gebeten.

„Der Freundeskreis und der Missionsausschuss organisieren Veranstaltungen und informieren über die Arbeit der Schwestern, um das Solidaritätsbewusstsein mit dem Partnerschaftsprojekt zu erhalten“, unterstreicht Armin Lersch. Mehr als 20 Familien haben Patenschaften für Waisen übernommen und sichern so deren Ausbildung und Versorgung. Die Ordensschwestern berichten bei ihren Besuchen in Düren über die Projekte und junge Dürener haben die Möglichkeit, sich im Rahmen eines sozialen Dienstes im Kinderheim zu engagieren.

Die Gemeinde unterstützt zudem weitere Projekte der bolivianischen Josefsschwestern wie die Kindertagesstätte „Comedor Infantil Popular“ im Hochland der Anden. Dort erhalten täglich 120 Kinder warme Mahlzeiten, 60 Jungen und Mädchen wohnen während der Schulzeit bei den Schwestern, damit sie nicht täglich einen mehrstündigen Schulweg auf sich nehmen müssen. „Ein Stück Düren ist immer vor Ort“, sagt Armin Lersch nicht ohne Stolz.

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