Düren - Kinderarmut: Kein Projekt, sondern eine Daueraufgabe

Kinderarmut: Kein Projekt, sondern eine Daueraufgabe

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Der Schultag beginnt am Frühstückstisch: Beim Projekt der Nikolausschule und des SkF können sich Grundschüler an jedem Schultag im Betreuungsraum der OGS für den Unterricht stärken. Starthilfe gab es aus dem Kinderfonds.

Düren. Die Pilotphase ist beendet. Doch die Arbeit hat für Ina Ruick, Jugendhilfeplanerin der Stadt Düren, und ihre Mitstreiter aus der sogenannten Steuerungsgruppe gerade erst begonnen.

Das war eine der zentralen Botschaften des dritten Dürener Gipfels gegen Kinderarmut in der Fabrik für Kultur und Stadtteil am Mittwoch.

Vor drei Jahren wurde das Projekt „Gegen Kinderarmut in Düren“ gestartet, im Boot waren neben der Stadt auch viele freie Träger der Jugendhilfe (siehe Infokasten). Finanzielle Unterstützung gab es während der Startphase vom Landesjugendamt und der gemeinnützigen Auridis GmbH.

Angesichts der schockierenden Tatsache, dass etwa ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in der Stadt von Armut bedroht ist, also aus Familien kommt, die Sozialleistungen beziehen, sollte das Thema Kinderarmut in die öffentliche Diskussion und damit ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden.

„Das ist uns gelungen“, sagt Koordinatorin Ina Ruick. Doch der Kampf gegen Kinderarmut sei kein Projekt, sondern vielmehr eine Dauerraufgabe. „Uns war von Anfang an klar, dass es nach den drei Jahren weitergehen muss“, sagt Uli Lennartz, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen, der ebenfalls Mitglied der Steuerungsgruppe ist. Es sei ein mutiger Schritt gewesen, die Ursachen und Folgen von Kinderarmut zum Gesprächsthema in der ganzen Stadt zu machen.

Doch habe es auch keine echte Alternative zu diesem Schritt gegeben, findet Lennartz. Denn angesichts der hohen Ausgaben in der Jugendhilfe sei es enorm wichtig, „in die Prophylaxe zu investieren“. Finanzpolitisch, aber vor allem gesellschaftspolitisch sei es eine Notwendigkeit, nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen im Blick zu haben. Die Arbeit als Netzwerk habe es erleichtert, „das Thema zu platzieren“, Mitstreiter zu gewinnen.

Rund 48.000 Euro standen als Anschubfinanzierung zur Verfügung, damit wurden auch Sachkosten und Honorare gezahlt. Thomas Floßdorf, Vorsitzender des Dürener Jugendhilfeausschusses, rechnet mit 20.000 Euro pro Jahr, die die Stadt für Personalkosten zur Verfügung stellen müsste, damit das Projekt fortgeführt werden kann. „Wie bei allen Projekten, die sich bewährt haben, werden wir in der Politik nach einer Möglichkeit der Finanzierung suchen“, versicherte der Jugendhilfepolitiker. Er ist zuversichtlich, dass es eine Fortführung gibt, die aufgebauten Strukturen sollten weitergenutzt werden.

„Wir verfolgen alle das gleiche Ziel, ziehen alle an einem Strang“, spricht Uli Lennartz von einer „guten Zusammenarbeit“ der freien Träger und aller Projektpartner. Ein erfolgreiches Mittel, um „Dinge anzustoßen“, sei der Kinderfonds, aus dem Projekte mit bis zu 3000 Euro gefördert werden können. So hat beispielsweise die Rölsdorfer Nikolausschule ein Frühstücksangebot eingerichtet und der FC Niederau startete eine Kleiderbörse, bei der auch junge Fußballer mit kleinerem Budget an gute, aber gebrauchte Sportkleidung kommen können. Auch Theater- und Musikprojekte wurden unterstützt.

„Oft sind es kleine Dinge, die etwas bewegen, die Unterschiede verkleinern und Barrieren abbauen“, sagt Ina Ruick. Über 70.000 Euro seien bislang als Spenden in den Fonds geflossen. Neben Industrieunternehmen und Firmen hätten auch viele Privatleute gespendet. 30.000 Euro sind noch in der Kasse, Spenden und Projektanfragen sind willkommen.

„Armut ist nicht nur ein materieller Mangel“, betont Uli Lennartz. Chancengleichheit, der Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe soll daher in Zukunft einen noch größeren Stellenwert bei der Arbeit aller Akteure einnehmen. „Wir machen weiter.“

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