Kinder leben die Demokratie eifrig vor

Von: Anneliese Lauscher
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In der Lederwerkstatt entstehen aus bunten Lederresten kleine Taschen, Geldbörsen und Beutelchen. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Mitten in Schmidt liegt jetzt Mini-Schmidt, die Stadt für Kinder. Was der Jugendausschuss der Pfarre St. Hubertus unter Leitung von Matthias Schieffer den Kindern auf dem Gelände der Grundschule in dieser Woche bietet, ist ein großartiges Ferienprogramm – und für die Erwachsenen unbedingt sehenswert.

170 Kinder aus Schmidt und umliegenden Orten machen mit, die Jüngsten sind sieben, die Ältesten 14 Jahre alt. Bereits vor drei Jahren war Mini-Schmidt ein äußerst erfolgreiches Projekt, viele Kinder, die damals mitgemacht hatten, wollten wieder dabei sein.

Von 9 bis 17 Uhr verbringen sie in ihrer Stadt abwechslungsreiche Stunden. Sie arbeiten und werden dafür mit der extra eingeführten Währung, den Schmidtis, bezahlt. Die Stadt erhebt Steuern, es gibt Polizei und Müllabfuhr, eine Bank und einen Tante-Emma-Laden.

Man kann in fast 40 Berufen arbeiten, zum Beispiel in der Bäckerei, in der Schreinerei, in der Drogerie, in der Druckerei oder in der Lederwerkstatt. Und in der Freizeit geht’s zum Sport oder man leistet sich einen Kinobesuch, das „Wohlfühlamt“ ist für Chillen und Entspannung zuständig.

Dies alles verwalten die Kinder selbst, das Arbeitsamt vermittelt Jobs, die Lohnstelle zahlt den verdienten Lohn. Mittags wird ein warmes Essen eingenommen; jeden Tag erscheint eine Zeitung in Mini-Schmidt, es gibt sogar ein Fernsehstudio, das Filme über das Leben in der Stadt zeigt. Und das „Reisebüro“ veranstaltet begehrte Touren, beispielsweise an die Kall, in ein Wellness-Hotel oder zum Wildpark.

Freundlicher Empfang

Besucher werden freundlich in Mini-Stadt empfangen, sie können an einer Stadtführung teilnehmen oder sich im „Elterngarten“ leckere Sachen schmecken lassen.

Der Stadtrat wurde gewählt – mit überwältigender Wahlbeteiligung. Paula Deuster ist Bürgermeisterin in Mini-Schmidt. Sie empfing den Besuch der „großen“ Bürgermeisterin, Margit Göckemeyer, die ihr zur Wahl gratulierte.

Am öffentlichen Teil der Ratssitzung durfte natürlich die Presse teilnehmen, hier konnte man echte Demokratie erleben: Was die zehn- bis zwölfjährigen Mädchen und Jungen für Vorschläge machten und wie ernst sie ihre Aufgabe nahmen, das war erstaunlich. Ein „Kummerkasten“ wird in der Schreinerei in Auftrag gegeben, damit jeder seine Anregungen äußern kann, er wird täglich geleert.

Drei Schmidtis

„Ich finde die Sachen im Tante-Emma-Laden ein bisschen teuer“, meinte ein Junge. Es wurde beschlossen, dass der Laden nicht mehr als drei Schmidtis an jedem Artikel verdienen darf. „Und die Hüpfburg ist auch zu teuer. Da wird die Stadt zwei Schmidtis pro Nutzung übernehmen“, hielt die Bürgermeisterin fest.

Matthias Schieffer ist stolz auf sein Helferteam. Rund 30 Freiwillige übernehmen die Betreuung. Er ist auch stolz auf die Kinder: „Die Kinder wachsen über sich hinaus, immer wieder entdecken wir staunend Fähigkeiten, die wir ihnen nicht zugetraut hätten.“

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