Kinder immer stärker von der Armut bedroht

Von: Martina Rippholz
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Begrenzung und Aussichtslosigkeit: Wenn Kinder in Armut aufwachsen, leidet darunter auch ihr Selbtbewusstsein. Kostenlose Freizeitangebote können helfen, das zu kompensieren. Foto: ddp

Düren. Die weltweite Finanzkrise hat im ersten Quartal des Jahres 2009 die deutsche Wirtschaft erreicht. Kurzarbeit, drohende Insolvenzen, Einstellungsstopps in großen Konzernen oder regionalen Betrieben, überall ist sie zu spüren.

Das eine solche Rezession auch gesellschaftliche Folgen hat, liegt auf der Hand. So befürchtet der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, einen „massiven Anstieg der Kinderarmut” in Deutschland.

Diese Befürchtung kann Markus Granrath, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes in Düren, gut nachvollziehen. Auch er sorgt sich: „Wenn die Krise sich auf den Arbeitsmarkt im Kreis Düren auswirkt, rutschen mehr Familien in den Bezug von Arbeitslosengeld II. Und damit besteht für mehr Kinder ein Armutsrisiko.” Doch wann ist ein Kind in Deutschland überhaupt arm? „Eine klare Definition gibt es nicht”, so der Sozialpädagoge. „Für unseren Verband zählen erst einmal alle Hartz-IV-Kinder dazu.

Die berechnete Summe für Nahrung, Kleidung und Gesundheit pro Monat und Kind ist viel zu niedrig. Ausgaben für Schulmaterialien werden bisher noch gar nicht berücksichtigt.” In der Stadt Düren leben rund 3400 Kinder in Familien mit Hartz IV. Daneben seien - so Granrath - besonders Migration und Familien mit alleinerziehenden Eltern Risikofaktoren für Armut.

Erhebliche Einschränkungen

„Arm sind Kinder dann, wenn sie sich im Vergleich zur Restgesellschaft in allen Lebensbereichen erheblich einschränken müssen.” Das Problem laut Granrath: Armut hat Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. So wie bei dem 16-jährigen Stefan K. (Name geändert). Als er acht war, wurde sein Vater arbeitslos. Für den Jungen ein einschneidendes Erlebnis. Durch das fehlende Einkommen musste die Familie umziehen in eine günstigere und kleinere Wohnung.

Das Auto wurde verkauft, Stefans Mitgliedschaft im Tennisverein gekündigt. Das Leben spielte sich für Stefan und seine Geschwister nun hauptsächlich in den eigenen, engen vier Wänden ab. Sein Vater fand keine neue Anstellung. Auf die Frustration folgte Resignation. Und die übertrug sich auf Stefan. Bald war er überzeugt: „Ich komme hier sowieso niemals raus”. In der Schule wurde er immer schlechter, weil Motivation fehlte.

„Diese Jugendlichen erfahren über lange Zeit nur Begrenzung und Aussichtslosigkeit”, sagt Granrath. „Sie sehen sich selbst nicht mehr als Akteure des eigenen Lebens. Das führt zu Passivität und wieder zu Arbeitslosigkeit.” Der Sozialpädagoge fordert deshalb einerseits von der Politik, stärker in Bildung zu investieren.

Andererseits handeln er und seine Mitarbeiter selbst: „Wir versuchen in der Über-Mittag-Betreuung in 15 Schulen das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken. Wir können die finanzielle Situation zwar nicht ändern, aber zumindest die Erfahrung der Resignation etwas kompensieren.” Das Angebot aus Sport, Theater und Sprachen nehmen schon jetzt immer mehr Kinder in Anspruch. Wenn die Nachfrage im Zuge der Krise weiter steigt, braucht Granrath mehr Plätze: „Ob das Land das bezuschusst, weiß ich aber nicht.”

Familien und Kinder, die wegen ihrer finanzieller Situation Problemen haben, können sich an den Kinderschutzbund in Düren wenden. Er befindet sich in der Kölnstraße 100, 52351 Düren. Kontakt unter 02421/5569270.
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