Kinder erleben in Nideggen spannende Ferientage

Von: Bruno Elberfeld
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Andreas Krüger und Stefan Wester (v.l.) demonstrierten, wie im Mittelalter Pfeilspitzen mit Birkenpech geklebt wurden. Foto: Bruno Elberfeld

Nideggen. Schon eine halbe Stunde hat die fünfjährige Paula still und gerade auf ihrem Hocker im Burgenmuseum Nideggen gesessen und zugehört. Dann meldet sie sich zu Wort: „Wann machen wir das mit den Steinschleudern?“ Die Blicke der älteren Jungen und Mädchen gehen zwischen Paula und den beiden Referenten im Burgenmuseum Nideggen hin und her. Einige hätten diese Frage ja auch gern gestellt, doch man muss ja diszipliniert abwarten.

„Mit den Steinschleudern, das machen wir ganz zum Schluss“, antwortet Stefan Wester, vielleicht in der Hoffnung, dass nach dem Mittagessen das Wetter nicht mehr so grausig ist. Andreas Krüger, der zweite Referent neben Wester, zeigte den Jungen und Mädchen sowie den Erwachsenen, wie man im Mittelalter Feuer machte. Zwei junge Frauen aus Paraguay, Ingrid Schneider und Ailin Österlein, schauen gebannt zu. Schneider absolviert ein soziales Jahr in Nörvenich, Österlein besucht eine Dürener Schule, um zunächst ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Zurück zum Feuer und den Ferientagen. Es gab noch keine Gas- oder Elektroherde, keine Mikrowelle und keinen Kühlschrank, Dinge, die heute so selbstverständlich sind. Also was tun? Man nehme einen Feuerstahl und einen Feuerstein. Den Feuerstein schlage man, so das Rezept, an der Kante des Stahls vorbei. „Die Kante muss scharf sein!“, erläuterte Stefan Wester, „sonst funktioniert das nicht.“

Lunte gerochen

Springt der Funke auf eine bereitgehaltene Lunte, ist starkes Pusten angesagt. „Ihr kennt doch den Ausdruck: Der hat Lunte gerochen“, erinnerte Andreas Krüger an die Militärtechnik vergangener Jahrhunderte, als Soldaten ihre einschüssigen Musketen schulterten und vom Gegner, eben wegen dieser Lunte, gerochen bevor sie gesehen wurden. In einer anderen Technik ließ man den Funken auf den Zunderschwamm überspringen, einen Pilz, der auch heute noch an Baumstämmen zu finden ist. Er sei auch gern als Antibiotikum benutzt worden, verriet Andreas Krüger.

Das Licht kam in mittelalterlichen Behausungen nicht aus der Leitung, nicht von der Neonröhre, nicht von der Birne, sondern meist von Kerzen. Der Stängel zweijähriger Königskerzen wurde in Bienen getaucht, fertig war die Kerze.

Zahnpflege mit Birkenpech

Ein interessanter Werkstoff war das Birkenpech, an jeder Birke als schwarze Masse festzustellen. Archäologische Funde aus dem heimischen Braunkohlerevier beweisen, dass dieses Birkenpech schon vor 120.000 Jahren verwendet wurde. Übrigens auch zur Pflege der Zähne, denn Zahnpasta gab es ebenfalls noch nicht.

Krüger und Wester machten in dreieinhalb Stunden mit ihren Gästen eine informative und anregende Reise durch das Mittelalter. Gegenstände wie Spindeln und Eimer aus dem Alltag konnten in die Hand genommen werden. Die Kinder erfuhren, mit welch einfachen Spielzeugen ihre Altersgenossen zufrieden sein mussten.

Kreisel- und Fangspiele waren üblich, Geschicklichkeitsspiele, die auch heute noch ihre Nachfolger haben. „Astragale“ wurden aus Knöchelchen aus dem Fußbereich hergestellt und als Würfelspiele benutzt. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgte mit Suppe, Kräuterbutter und Brot, natürlich nach mittelalterlichen Rezepten, Hilde Amrein. Und über die Steinschleuder wurden die Besucher natürlich auch noch unterrichtet.

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