Keine Besucher: Tristesse im „Winterland“

Von: Jörg Abels
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Mittags im Dürener „Winterland“: Anders als beim Weihnachtsmarkt herrscht gähnende Leere auf dem Rathausvorplatz. Foto: Abels

Düren. Schausteller Dieter Adam steht sich in seinem Süßwarenstand die Beine in den Bauch. Selbst seine ansonsten im Winter auf dem Wochenmarkt gefragten Kräuterbonbons finden kaum Abnehmer. Gegenüber bei Anja Cremers gebrannten Nuss- und Mandelvariationen sieht es nicht besser aus.

Das „Dürener Winterland“, wie die verlängerte, aber deutlich abgespeckte Version des Weihnachtsmarktes heißt, erweist sich bei der ersten Auflage als Flop. Das Karussell dreht nur noch sporadisch seine Runden, nur vereinzelt verliert sich noch ein Kind oder Jugendlicher auf der Schlittschuhbahn – kein Vergleich zu den Tagen vor dem Fest. Die Budenbetreiber auf der Rathausempore haben längst die Segel gestrichen, nur am Glühweinstand und an der Imbissbude finden sich noch regelmäßig Kunden ein.

Nur noch bis Silvester?

Als „blamabel“ und mit Blick auf die auf dem halben Rathausvorplatz parkenden Fahrzeuge der Beschicker als „Markt mit Hinterhofatmosphäre“ stuft CDU-Stadtrat Rolf Delhougne das „Winterland“ ein. „Es fehlt einfach ein durchdachtes Konzept.“ Der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung spricht Klartext und vielen der letzten verbliebenen Beschicker aus dem Herzen.

Die Stimmung ist so schlecht wie der Umsatz: „Nach fünf Wochen Weihnachtsmarkt ist der Dürener einfach übersättigt“, ist Dieter Adam überzeugt. „Das war jetzt ein Versuch, mehr nicht.“ Dass er im kommenden Jahr noch einmal in die Verlängerung geht, ist fraglich. „Wenn sich am Konzept nichts ändert, sicher nicht“, sagt ein sichtlich frustrierter Dieter Adam.

Anja Cremer sieht das genauso. „Der Dürener ist aber auch nicht offen für Neues“, sagt die Schaustellerin. Und sie kritisiert die fehlende Werbung für das „Winterland“. Dass die Werbetrommel im Vorfeld mehr gerührt hätte werden müssen, steht auch für Alexander Lieven fest, den Inhaber der Metzgerei Rey, der Erbsensuppe und Grünkohl anbietet. „Es kommen immer noch Kunden, die überrascht sind, dass wir noch geöffnet haben.“ Aber Lieven sagt auch: „Man muss mit einer neuen Veranstaltung Geduld haben.“

Ob es aber unbedingt zwei Wochen Verlängerung sein müssen, stellt auch Lieven infrage. Mit einer Woche könnte sich auch Dieter Adam noch anfreunden. „Es reicht sicherlich, wenn das ‚Winterland‘ wie die Weihnachtskirmes bis zum 30. Dezember gehen würde.“

Ähnlich sieht es Karussellbetreiber Bert Cremer, denn „die Woche zwischen Weihnachten und Silvester hat noch funktioniert“. Dann, betont Cremer, wäre es aber vielleicht gut, wenn wie in anderen Städten der komplette Weihnachtsmarkt verlängert würde. Aktuell wird der Weihnachtsmarkt von der Stadt, das „Winterland“ von den Schlittschuhbahnbetreibern privat veranstaltet.

Und was sagen die Organisatoren? Gerd Suhr, der mit seinen Kollegen Alexander Krawczuk und Gilbert Breuer die Schlittschuhbahn auch in den kommenden vier Jahren beim Weihnachtsmarkt aufbauen darf, ist ratlos. Vor allem von der Öffnung am 2. Weihnachtsfeiertag und an Neujahr hatte sich Suhr viel mehr versprochen, viel mehr Dürener, die einen Spaziergang mit einem Besuch des „Winterlandes“ und einem Glühwein verbunden hätten. Beide Tage aber blieben, wie die gesamte Veranstaltung seit dem 23. Dezember, weit hinter den Erwartungen zurück.

Mit dem eigenen Umsatz sind Suhr (Glühwein) und Breuer (Imbiss) zwar selbst in diesen tristen Tagen noch zufrieden, sie verschließen aber auch die Augen vor den Problemen ihrer Kollegen nicht. Trotzdem wollen beide bei der nächsten Ausgabe „Winterland“, sprich der Verlängerung des Weihnachtsmarktes, festhalten. „Wir werden uns zusammensetzen und uns Gedanken machen, wie es weitergehen wird“, kündigt er an.

Eine Idee: Discoabende rund um die Schlittschuhbahn ab 18 Uhr mit entsprechenden Lichteffekten, die Jugendliche anlocken. „Wir werden auf keinen Fall die Flinte ins Korn werfen.“

Das „Winterland“ vor dem Rathaus ist noch bis Sonntag, 8. Januar, täglich ab 11 Uhr bis in die Abendstunden geöffnet.

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