Keine Angst vor dem Einbürgerungstest

Von: Martina Rippholz
Letzte Aktualisierung:
einbürgerung3_xxx
Auf dem Weg zur deutschen Staatsangehörigkeit haben diese Einwanderer einen großen Schritt gemacht: Sie haben bei der VHS den Einbürgerungstest gemeistert. Foto: Rippholz

Düren. Wie heißt die deutsche Verfassung? Was war die „Stasi”? Ab wann ist man in Deutschland volljährig? Solche Fragen müssen seit Herbst 2008 alle beantworten, die deutsche Staatsbürger werden wollen. Vor den ersten Einbürgerungstests wurde viel diskutiert.

Ist diese zusätzliche Hürde wirklich notwendig? Erfüllt die Art der Fragen ihren Zweck, herauszufiltern, wer die Grundlagen des deutschen Staats akzeptiert und wer nicht?

Mittlerweile ist die erste Testrunde in den Volkshochschulen gelaufen. Die Ergebnisse liegen vor. Auch für die Teilnehmer in Düren, die sich den 33 Fragen aus einem Katalog von über 300 gestellt haben. War der Test für sie schwierig? Halten sie ihn für sinnvoll? Fünf erfolgreiche Prüflinge schildern ihre Erfahrungen und Meinungen.

Altan Ergün, vor über sieben Jahren aus der Türkei gekommen, hat sich im Internet vorbereitet. „Da es ein Multiple-Choice-Test war, fand ich die meisten Fragen einfach. Ich konnte sie mit meiner Allgemeinbildung beantworten”, sagt Ergün. „Nur über das politische System musste ich mich genauer informieren. Denn im Gegensatz zu Deutschland ist die Türkei ein zentral organisierter Staat.” Schwieriger war es da für Rita Geich. Sie kommt ursprünglich aus Nigeria: „Mir ist die europäische Geschichte nicht so geläufig. Aber ich habe zu Hause mit meinem Mann gelernt. Er ist Deutscher. Das hat gut geklappt”.

Einen Vorbereitungskurs für den Test hat Geich nicht gemacht, weil sie es erst einmal alleine probieren wollte. Ebenso wie Baskim Delija. Der 53-jährige Mazedonier lebt und arbeitet schon seit 20 Jahren in Deutschland, hat hier seine Familie. Dass er sich erst jetzt für die deutsche Staatsbürgerschaft entschied, liegt an einem Schlüsselerlebnis. „Ich besuchte zum ersten Mal mit meinen Kindern meine Heimat. Dort fragten mich die Grenzleute: Was wollen Sie eigentlich hier? Daraufhin habe ich beschlossen, Deutscher zu werden, um endlich eine richtige Heimat zu haben.”

Ähnlich sieht es Sebary Shachawan. Der 24-Jährige ist vor fünf Jahren ganz ohne Familie aus dem Irak migriert. Er sieht seine Zukunft in Deutschland: „Ich habe mir ein eigenes Leben aufgebaut, bin verlobt, habe einen Job. Ich gehe nicht mehr zurück.” Für die 32-jährige Polin Jolanta Michalska hat die Pass-Anwartschaft andere Gründe. „Ich möchte frei entscheiden können, wo ich leben will. Und mit dem deutschen Pass bin ich flexibler.”

Inwiefern der Einbürgerungstest sinnvoll ist, da sind sich die Teilnehmer unschlüssig. „Dafür spricht, dass man einiges über Deutschland lernen kann, womit man sich vielleicht sonst nicht beschäftigt hätte”, sagt Ergün. „Aber der dauerhafte Lernerfolg ist dabei fraglich. Und auch, ob jemand dadurch die deutsche Mentalität übernimmt.” Auch Delija ist grundsätzlich mit Bedingungen für die Staatsbürgerschaft einverstanden: „Ich finde es gut, dass Ausländer Deutsch lernen müssen. Aber mit dem Test gibt es noch eine Vorschrift mehr, die nicht so viel bringt.”

So unterschiedlich Gründe und Meinungen der Fünf auch sind, sie haben mit dem bestandenen Einbürgerungstest einen wichtigen Schritt auf ihrem Weg geschafft. Nun muss noch die Bürokratie arbeiten, bis sie den Pass endlich in den Händen halten und von allen deutschen Rechten Gebrauch machen können. Angst vor dem Test muss ihrer Ansicht nach jedenfalls niemand haben. Das beweisen auch die regionalen Ergebnisse: Alle Anwärter im Kreis Düren haben die Prüfung im vergangenen Jahr bestanden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert