Kein Rasenschach: Die Blindenfußball-Bundesliga

Von: Stephan Johnen
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Blindenfußball ist eine Paralympische Sportart mit hohem Tempo für blinde und stark sehbehinderte Menschen. Während die Torhüter „sehend“ sind, bekommen die Feldspieler unter anderem Anweisungen von Guides (hinter dem Tor). Foto: stock/Christian Ditsch
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Christian Schäfer, Omokaro Young und Christoph Granrath (v.l.) wollen viele Menschen für Blindenfußball interessieren. Foto: Johnen

Düren. Berührungsängste darf ein Fußballspieler nicht haben. Erst recht nicht während der ersten Trainingsstunden beim Blindenfußball. „Ich bin anfangs so oft gegen die Bande gelaufen, dass ich blaue Flecken hatte“, sagt Omokaro Young und muss lachen. Das gehöre einfach dazu. „Es macht aber sehr schnell viel Spaß“, berichtet der 36-Jährige, der im Berufsförderungswerk (BfW) trainiert.

Seit acht Monaten ist der Bremerhavener Rehabilitand im BfW. Er leidet an einer erblichen Netzhaut-Erkrankung, die sein Sehvermögen kontinuierlich schwächte. Aktuell hat er noch ein Restsehvermögen von zwei Prozent, seine Arbeit als Hotelfachangestellter konnte er nicht mehr ausüben.

In Düren lernt er, mit seinem Handicap im Alltag klar zu kommen; bis zum Jahr 2018 wird er zum Verwaltungsfachangestellten umgeschult. An der Rur wurde der einstige Fußballzuschauer auch zum Fußballspieler. Umso mehr freut er sich, dass an diesem Wochenende ein Doppelspieltag der Blindenfußball-Bundesliga auf dem Kunstrasenplatz des BfW ausgetragen wird. Auch die Nationalspieler werden alle dabei sein.

Veranstalter ist der Rheinische Blinden- und Sehbehinderten Sportverein, der vor einigen Jahren in Kooperation mit dem Berufsförderungswerk, der Louis-Braille-Schule und dem Rheinischen Blindenfürsorgeverein ein regelmäßiges Fußballtraining samt eigener Mannschaft ins Leben gerufen hat. „Derzeit gibt es einen Dürener Bundesligaspieler“, berichtet Trainer Christian Schäfer. Dieser spielt allerdings beim „PSV Köln“, Düren selbst hat keine Bundesliga-Mannschaft.

„Viele Menschen kommen während der Reha mit dem Blindenfußball in Berührung, verlassen aber nach erfolgreichem Abschluss der Schule und Ausbildung Düren wieder in Richtung Heimatstädte“, erklärt Christoph Granrath, der neben seiner Aufgabe als Abteilungsleiter im BfW auch stellvertretender Vorsitzender des Rheinischen Blinden- und Sehbehinderten Sportvereins ist. Gerade in den größeren Städten gebe es mittlerweile viele Sportvereine und Fußballclubs, die auch Angebot für blinde und sehbehinderte Menschen im Programm haben.

Gespielt wird beim Blindenfußball auf einem Handballfeld. „Die Torhüter sind Sehende“, erklärt Trainer Christian Schäfer. Allen anderen Spielern werden die Augen verbunden. Die zwei Stürmer werden von einem sogenannten Guide, einer Art Lotse, oder vom Trainer von der Mittellinie aus geführt. Ein weiterer Guide steht hinter dem gegnerischen Tor – und gibt jeweils Entfernung und die beste Torschussposition durch. Der Ball macht selbst auf sich aufmerksam: Er rasselt, sobald er in Bewegung gerät. Banden grenzen das Geschehen räumlich ein.

Während bei den Zuschauern mit Ausnahme des Torjubels Stille zu herrschen hat, dominiert eine rege Geräuschkulisse das Spielfeld: Der Ball rasselt, die Spieler geben ihre Position durch den Ruf „Voy!“ („Ich komme!“) bekannt, die Torwarte weisen die Verteidiger auf ihre Positionen. Das Spiel erfordert eine hohe Konzentration und Koordinierungsgabe.

Omokaro Young hat nach den ersten Gehversuchen mittlerweile das Spielfeld für sich erobert. Er schätzt es, als Team zu agieren, gemeinsam für den Sieg zu arbeiten. „Ich würde es auch mal in der Bundesliga probieren“, sagt der Abwehrspieler schmunzelnd. „Aber erst Mal nur im Training.“ Denn das Spieltempo in der Liga ist durchaus beachtlich. „Bei den Torschüssen wird auch durchgezogen“, sagt Christian Schäfer, der sich spannende Begegnungen auf dem Kunstrasenplatz verspricht.

Gespielt wird Samstag ab 9 Uhr, die letzte Partie des Tages wird um 17 Uhr angepfiffen. Am Sonntag geht es um 9 Uhr los, das letzte Spiel ist für 15 Uhr angesetzt. Das BfW feiert zudem am Samstag ab 10 Uhr sein Sommerfest. Besucher haben unter anderem die Möglichkeit, die Blindenführhund-Schule kennenzulernen. Nicht nur für Kinder werden Spiele vorgestellt. Von 19 bis 22 Uhr präsentieren Elmar Valter und Peter Bernards Beatles-Songs. Nachgefragt

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