Düren - Kein neuer „Gütershop” in Düren

Kein neuer „Gütershop” in Düren

Von: Christoph Lammertz und Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
nazisbu
Gastwirt Hans-Peter Vitzer beteuert, dass er seinen Saal nicht bewusst Neonazis zur Verfügung gestellt hat.

Düren. Gibt es in Düren einen zweiten Fall „Gütershop”? Seit die Gaststätte an der Arnoldsweiler Straße nicht mehr existiert, ist die Neonazi-Szene im Raum Düren auf der Suche nach einer Alternative für ihre Treffen.

Jetzt, so mutmaßen die Dürener Antifaschisten, sind die Rechtsextremisten fündig geworden. Denn vor einigen Tagen hat ein Merkener Gastwirt seinen Saal für ein Treffen von rund 100 Neonazis aus der weiteren Region zur Verfügung gestellt . „Zum ersten und zum letzten Mal”, betonte Hans-Peter Vitzer, Inhaber der Gaststätte „Zum Sportplatz” am Dienstag gegenüber der DZ. Die Sorge der Antifaschisten, es gebe eine neue „Nazi-Kneipe” in Düren, sei absolut unberechtigt. Er habe nicht gewusst, wen er sich da ins Haus holt, versichert der Gastwirt.

„Da kamen zwei junge, ganz normal aussehende Männer und haben mich gefragt, ob sie für etwa 100 Leute meinen Saal mieten können”, erzählt der Gastwirt. Auf seine Frage, ob es um ein Familienfest geht, sei das Wort „Kameraden” gefallen. Er sei davon ausgegangen, dass es sich um eine Reservistenvereinigung handelt. Erst als es zu spät war, bemerkte Vitzer seinen Irrtum: „Ich stand kreideweiß hinter dem Tresen, als ich sah, dass die alle Stiefel trugen und viele von denen kahl geschorene Köpfe hatten.”

„Wir wissen, dass die Rechtsextremisten seit dem Aus des âGütershopsÔ auf der Suche nach Gaststätten sind, in denen sie ihre Treffen abhalten können”, sagt Rolf Thiel, Kreisvorsitzender der Dehoga. Er habe deshalb zuletzt ein Rundschreiben an die Mitglieder des Verbandes geschickt, in dem auch auf die rechtlichen Möglichkeiten hingewiesen wird, Rechtsextremisten der Gaststätte zu verweisen.

Das Treffen in Merken nehmen die Antifaschisten auch zum Anlass, Kritik an der Dürener Polizei und deren obersten Dienstherrn, Landrat Wolfgang Spelthahn, zu üben. Die Antifa geht davon aus, dass die Polizei Kenntnis von dem Neonazi-Treffen hatte, und wirft Spelthahn vor, Protest gegen das Treffen verhindert zu haben, indem er die Öffentlichkeit nicht informiert hat. „Wir wussten nichts von diesem Treffen”, versicherte der Landrat dagegen am Dienstag der DZ. Erst Nachbarn der Merkener Gaststätte hätten die Polizei informiert, als sie eine größere Ansammlung Neonazis rauchend vor der Kneipe „Zum Sportplatz” gesehen haben. Sofort seien Beamte dorthin entsandt worden. Strafrechtlich relevante Vorgänge habe man nicht beobachten können, sagte Polizeisprecher Ralf Meurer.

Die Befürchtung der Antifaschisten, es könne einen neuen Fall „Gütershop” in Düren geben, teilt Landrat Spelthahn nicht: „Es hat Gespräche mit dem Gastronomen gegeben. Er wird sicher künftig keine rechtsextremistischen Gruppierungen mehr bewirten.” Hans-Peter Vitzer, der nach eigener Auskunft im Dorf eine Menge Kritik einstecken musste und inzwischen von vielen gemieden wird, bestätigt das mit Nachdruck: „Ich möchte mich bei meinen Nachbarn und allen Merkenern dafür entschuldigen, dass ich diesen Fehler gemacht habe. Wenn ich gewusst hätte, um wen es sich handelt, hätte ich diesen Leuten natürlich niemals meinen Saal zur Verfügung gestellt.”
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