Kein Mord: 79-Jährige bei Einbruch „versehentlich“ getötet

Von: wos
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Düren/Aachen. Der Einbruch bei einer „nicht unvermögenden“ älteren Dame im Mai 2012 in ihrer Dürener Wohnung sei völlig schief gelaufen, so das Aachener Schwurgericht in der Urteilsverkündung gegen den Täter Anton P. (49). Was dazu führte, dass der einschlägig vorbestrafte Dieb am Ende den Tod der 79-jährigen, durchaus resoluten Wohnungsinhaberin herbeigeführt habe.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl, der in dieser Sitzung zum letzten Mal ein Urteil fällte, weil er im kommenden Monat pensioniert wird, wertete anders als die Aachener Staatsanwaltschaft das Geschehen am 10. Mai letzten Jahres nicht als heimtückischen Mord zur Verdeckung einer Straftat.

Das Gericht folgte im Wesentlichen dem erst nach 17 Verhandlungstagen abgelegten Geständnis des Angeklagten P. und verurteilte ihn wegen Körperverletzung mit Todesfolge dazu wegen versuchten Diebstahls und schwerer Brandstiftung zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe. Der Angeklagte hatte angegeben, die wehrhafte alte Dame sei überraschend zurück in ihre Wohnung gekommen, aus der er Schmuck und Geld habe stehlen wollen. Seine Schwester, die 49-jährige Lydia G., hatte das Opfer eigentlich ablenken sollen. Aus Angst vor Entdeckung und weil die alte Frau ihn gebissen habe, sei er auf sie losgegangen. Dabei stürzte sie zu Boden, blutete und sei ohnmächtig geworden.

Bei den folgenden Wiederbelebungsversuchen, so wertete das Schwurgericht die Tat, habe der Angeklagte dann den Brustkorb der alten Dame so stark komprimiert, dass sie erstickte. „Man hätte bei einem Mord eher eine Kompression des Halses erwartet“, kommentierte die Kammer die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchung. Nachdem er die Frau nicht wiederbeleben konnte, sei der Angeklagte gefühl- und skrupellos im Wortsinne über Leichen gegangen, habe den Tresor ausgeräumt und schließlich Feuer gelegt.

Die Schwester des Angeklagten, die die alte Dame in den Keller locken sollte, hatte zur Tat geschwiegen. Sie wurde wegen Mittäterschaft bei einem versuchten Diebstahl zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Das Tatgeschehen in der Wohnung - der Angeklagte zündete dort auch noch Kleiderstücke zur Spurenvernichtung an - wurde der Schwester nicht zur Last gelegt.

Sie war ebenfalls ursprünglich als Mittäterin bei dem vermuteten Mordgeschehen angeklagt worden. Die Beute waren einige in einem Tresor aufbewahrte Schmuckstücke sowie Bargeld. Später wurden etwa 11.000 Euro gefunden. Die Kammer ging allerdings von einer Beute von etwa 20.000 Euro aus, die die alte Dame nach Zeugenaussagen bei sich aufbewahrt hatte.

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