Kein Freibrief für zweiten Kunstrasenplatz

Von: Burkhard Giesen
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Vettweiß. Es gibt politische Gepflogenheiten, auf die man sich in Vettweiß verlassen kann. Da, wo sich die Ratsvertreter zur Sitzung noch per Handschlag begrüßen, ist es guter Brauch, dass Anträge, die im Rat gestellt werden, zunächst in den Fachausschuss zur Beratung verwiesen werden.

Das musste in der Ratssitzung am Donnerstag auch SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Ruskowski schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Ruskowski hatte sich dafür stark gemacht, dass der Verein „Frauen helfen Frauen“ entsprechend der aktuellen Fallzahlen von der Gemeinde Vettweiß mit einem Zuschuss unterstützt werden sollte. Der übliche Vorschlag der Verwaltung: Die Beratung hat im Fachausschuss zu erfolgen. Und das, obwohl es sich um einen Zuschuss von 100 Euro (!) handelt. Man achtet halt in Vettweiß auf politische Gepflogenheit.

Antrag aus Kelz

Gleiche Ratssitzung, gleiche Verwaltung, gleiche Politiker nur wenige Minuten später: Auf der Tagesordnung steht der Punkt „Kunstrasenplatz, -plätze“ zur Diskussion an und die Politik reibt sich verwundert die Augen. 440 000 Euro hatte die Politik zur Errichtung eines Kunstrasenplatzes neben dem Vettweißer Schulzentrum bereitgestellt. Aufgrund der finanziell klammen Situation der Gemeinde finanziert aus Sport- und Schulpauschale und mit Eigenleistung von Vereinen. Der Kunstrasenplatz soll allen Vereinen der Gemeinde zur Verfügung stehen. Weil in der Zwischenzeit aber der SV Kelz einen Antrag gestellt hat, ebenfalls einen Kunstrasenplatz errichten zu wollen, sah sich der Rat nun mit einem Beschlussvorschlag konfrontiert, der genau diesen Kunstrasenplatz befürwortete – ohne vorherige Diskussion im Fachausschuss.

Bürgermeister Josef Kranz hatte sich vorsorglich für befangen erklärt – er ist Vorsitzender des SV Kelz. Der Beschlussvorschlag war jedenfalls eindeutig: Der Rat sollte den 2. Kunstrasenplatz beschließen und überplanmäßige Mittel bereitstellen. Genau das geschah allerdings nicht.

Kein ad hoc-Entscheidung

SPD-Mann Jürgen Ruskowski: „Ich bin überrascht, dass hier zu Sitzung plötzlich diese Vorlage kommt. So etwas kann man nicht ad hoc entscheiden“, argumentierte er. Zuvor hatte schon CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Franzen eine Beschlussfassung abgelehnt und eine Beratung im zuständigen Fachausschuss gefordert, weil es noch viel zu viele offene Fragen gebe. Das sah auch Henning Dehmke von der BI Vettweiß in seltener Einmütigkeit nicht anders: „In diese Entscheidung müssen wir die Bürger mit einbinden.“

Die Verwaltung gab sich damit allerdings noch nicht geschlagen. Beide Plätze seien für 650 000 Euro zu realisieren, 440.000 Euro seien ja bereits schon zur Verfügung gestellt worden und man benötige nun lediglich einen Auftrag der Politik, entsprechende Gespräche zu führen, argumentierte Peter Hüvelmann von der Verwaltung. „Jetzt einen Freibrief zu erteilen, kommt nicht in Frage“, ärgerte sich etwa SPD-Mann Jürgen Ruskowski.

Damit blieb es dabei: Der Fachausschuss soll nach der Wahl klären, ob überhaupt Bedarf für einen 2. Kunstrasenplatz in der Gemeinde besteht.

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