Düren/Magdeburg - Kaum Zeit zum Durchatmen: Dürener Helfer im Hochwassergebiet

Kaum Zeit zum Durchatmen: Dürener Helfer im Hochwassergebiet

Von: Sarah Maria Berners
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Die Dürener THW-Ortsgruppe sorgt auf der Magdeburger Elbinsel am Tag für Strom für die Pumpen, in der Nacht für ausreichend Licht. Vor Ort sind: Gruppenführer Andreas Herrmann, Benedikt Klinkenberg, Frederik Salentin, Herbert Merkens, Jan Richarz und Jonas Hensel. Foto: THW
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Für die DLRG sind aus Düren im Einsatz an der Elbe: Gerd Roos (Truppführer und Beauftragter Katastrophenschutz der DLRG im Kreis Düren), Dr. Günter Wrobel (Truppführer), Klaus Milcher, Andreas Kauert, Richard Wegner, Jürgen Feller, Michael Kerwer, Anja Pauken, Jochen Nelles, Andreas Görtges und Ralf Reisgen. Foto: DLRG

Düren/Magdeburg. Zeit zum Durchatmen gibt es kaum. Im Hochwassergebiet rund um Magdeburg sind die Helfer im Dauereinsatz. Um Kraft für den nächsten Einsatz zu tanken, muss manchmal auch ein Nickerchen im Auto reichen. „Die Belastung in einem solchen Einsatz ist enorm“, weiß Guido Heinen, der Ortsbeauftragte der Dürener Ortsgruppe des Technischen Hilfswerkes.

Sechs seiner Kameraden sind am Wochenende nach Magdeburg gefahren, um dort Hilfe zu leisten. Guido Heinen steht in ständigem Kontakt mit den THWlern, die auf der Elbinsel Werder im Einsatz sind. Bilder der Insel waren in den vergangenen Tagen häufig in den Medien zu sehen, die Lage dort war äußerst kritisch.

Einsatz zehrt an den Kräften

Guido Heinen weiß, dass der Einsatz an den Kräften seiner Kameraden zehrt. Er weiß aber auch um ihre große Motivation. „Die Dankbarkeit der Menschen und der gute Zusammenhalt haben die Jungs beeindruckt“, beschreibt Heinen. Das Gemeinschaftsgefühl sei eine gute Motivation. Immer wieder kämen Anwohner mit Kuchen, belegten Brötchen, Grillhähnchen oder Tiramisu vorbei. „Und in der Nacht hat jemand den Jungs zehn Liter Kaffee vorbeigebracht.“ Zudem ist das THW mit einer Versorgungseinheit vor Ort.

Die Dürener arbeiten in einem Schichtsystem. „Nachts sorgen sie für Licht, am Tag dafür, dass auch dort die Pumpen laufen, wo man keinen Strom mehr aus der Steckdose bekommt“, beschreibt Heinen. Mit ihrer technischen Ausrüstung sind sie in der Lage, große Flächen auszuleuchten. Aber wann immer Zeit dazu ist, packen die Männer auch an anderen Stellen mit an, reihen sich ein in die Ketten und transportieren Sandsäcke an gefährdete Stellen. Geschlafen wird, wenn ein bisschen Zeit dafür ist. Wenn es akut wird, heißt es: aufstehen. In einer Turnhalle können die Einsatzkräfte richtig zur Ruhe kommen, Energie tanken, sich duschen und umziehen.

Diese erste Gruppe, die sich aus Düren auf den Weg gemacht hat, besteht zum Teil aus Studenten und Schülern. „Die waren ganz spontan einsatzbereit“, erklärt Heinen. Es sei aber auch jemand mit dabei, der ganz kurzfristig von seinem Arbeitgeber freigestellt wurde. „Dazu sind die Arbeitgeber verpflichtet“, erklärt Heinen. Allerdings sei man stets bemüht, Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten gut tragbar seien. Aus diesem Grund und wegen der starken Belastung seien die Einsätze auch auf fünf bis sieben Tage begrenzt.

Weitere sechs THWler aus Düren machen sich Donnerstag auf den Weg, um die Kräfte abzulösen. „So hatten die Arbeitgeber etwas mehr Zeit, um sich auf die Situation einzustellen“, erklärt Heinen.

Angespanntes Warten

Im Magdeburger Stadtteil Sudenburg sind die beiden Wasserrettungstrupps des Katastrophenschutzes der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus dem Bezirk Kreis Düren im Einsatz. Am Montag war die Lage bei ihnen besonders angespannt. Ein Deich drohte zu brechen. Dann hätten 14 000 Menschen evakuiert werden müssen. Doch der Deich hielt.

Schon am Wochenende waren die Dürener bei der Sicherung des Umspannwerks im Einsatz. „Jetzt hat sich die Lage ein wenig entspannt“, beschreibt Ingo Göntgen von der DLRG, der in ständigem Kontakt mit den Einsatzkräften steht. Die Pegel würden sinken, gleichwohl drücke das Wasser noch immer auf die Deiche, die immer stärker aufgeweicht werden. An diesen sind die Dürener im Einsatz. Mir ihrem Boot fahren sie Pa­t­rouil­le, um undichte Stellen frühzeitig zu entdecken und dann sichern zu können. Von der Wasserseite aus werden Folien angebracht, auf der Landseite wird mit Säcken stabilisiert. Ingo Göntgen war 2002 beim Elbhochwasser im Einsatz und kann sich gut in die Situation seiner Kollegen einfühlen. „Vor allem die persönlichen Schicksale der Menschen sind für die Helfer sehr belastend“, schildert er. Die Truppführer vor Ort seien aber geschult, den Einsatzkräften im Umgang mit den vielen Emotionen zu helfen. „Außerdem stehen wir in Kontakt mit Notfallseelsorgern, die wir jederzeit kontaktieren können“, erklärt Göntgen.

Untergebracht sind die DLRGler sind in einem Tennisheim. „Aber der Schlaf kommt natürlich häufig zu kurz“, resümiert der DLRG-Kontaktmann. Auch wegen der permanenten Anspannung. In der Nacht auf Dienstag hatten die Dürener Bereitschaftsdienst als Schnell- eingreifgruppe. Als solche hätten sie zum Beispiel einen Notarzt mit dem Boot zum Einsatzort gebracht. „Aber die Nacht war ruhig“, weiß Ingo Göntgen. Auch seine Kameraden sind angetan vom Zusammenhalt vor Ort, freuen sich, wenn die Anwohner Körbe voll Brötchen vorbeibringen. „Mittwoch oder Donnerstag werden die Trupps zurück nach Düren kommen“, erklärt Göntgen. Die Einsätze müssten zeitlich begrenzt sein, weil sie Körper und Seele belasten. Ob die Trupps ausgetauscht werden und andere Dürener in Magdeburg oder weiter flussabwärts eingesetzt werden, werde noch beraten.

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