Karneval der eher leisen Töne kommt an

Von: Sandra Kinkel
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Trompeter Bruce Kapusta sorgte für musikalische Unterhaltung bei der 12. „Närrischen Akademie“. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Wissen Sie, was der Kölner meint, wenn er sagt „Der kann mich ens de Brill bütze“ oder warum der Clown gleichermaßen das Symbol für Freude und Leid ist? Dass die Mundart im Allgemeinen und Kölsch im Besonderen viel mehr sind als nur eine Form von Sprache, hat Elfi Steickmann als „Lehrerin Welsch“ bei der 12. „Närrischen Akademie“ am Sonntag im Haus der Stadt unter Beweis gestellt.

„‚Der kann mich ens de Brill bütze‘ sagt der Kölner, wenn er auf sein Gegenüber nicht gerade gut zu sprechen ist. Aber es hört sich trotzdem nicht so hart an wie Beschimpfungen auf Hochdeutsch. Hochdeutsch ist überhaupt immer so endgültig, die Mundart lässt immer noch ein Hintertürchen offen,“ erklärt die 68-Jährige.

Schauspielerin Elfie Steickmann hat sieben Bücher auf Kölsch geschrieben, sie ist überzeugte Kölnerin und weiß ganz genau, wovon sie spricht. Bei ihren beiden Vorlesungen im Haus der Stadt – die Karnevalisten erlebten immerhin schon die närrischen Semester 23 und 24 – stand die Sprache im Mittelpunkt.

Gleichzeitig war der Vormittag, bei dem unter anderem auch Trompeter Bruce Kapusta und die „3 Colonias“ auf der Bühne standen, aber auch eine echte Liebeserklärung an Köln und die Kölner. Steickmann: „Köln ist ein Mantel, der warmhält. Auch Punker und Gruftis haben hier eine Chance.“ Fast alle Kölner hätten den Clown in sich.

„Und deswegen wird in Zeiten der Trauer ab und zu eben auch herzlich gelacht. Oder warum glauben Sie, dass eine kölsche Beerdigung meistens lustiger ist als eine Karnevalssitzung im Münsterland?“

Nahezu ausverkauft

Es müsse gelingen, sagte Elfi Steickmann, „dass die kölsche Sprache nicht in Vergessenheit gerät. „Vermutlich wird es in einigen Jahren keine kölschen Bücher mehr geben. Dabei ist das eine eigene Sprache mit eigener Grammatik, die man nicht auf Texte von Karnevalsliedern reduzieren darf.“

Wie fast immer war die „Närrische Akademie“ mit rund 400 Plätzen nahezu ausverkauft. „Die Karten für diese Veranstaltung“, sagt Professor Herbert Schmidt von der ausrichtenden KG „Närrische Nord-Dürener, „verkaufen sich schneller als die Tickets für unsere Kostümsitzung. Und noch schneller verkaufen sich die Karten für unser Karnevalskonzert am 11. November.“

Beide Veranstaltungen, versucht Schmidt dieses Phänomen zu erklären, hätten in Düren und der Region ein Alleinstellungsmerkmal. Schmidt: „Außerdem haben wir beobachtet, dass manche Leute eben auch an Karneval nicht unbedingt nur Party feiern, sondern auch ab und zu gerne die leisen Töne hören wollen.“ Ähnliches hat auch Elfi Steickmann beobachtet.

„In Köln gibt es seit einigen Jahren sogenannte ‚Milieu-Sitzungen‘, wo ganz ursprünglich Karneval gefeiert wird. Das lieben die Menschen, auch weil die Atmosphäre viel intimer ist. Viele wollen einfach keine riesigen Massenveranstaltungen mehr.“ Ähnlich sieht das auch Manfred Schall von der Kreuzauer KG „Ahle Schlupp“, der schon etliche Semester bei der „Närrischen Akademie“ studiert hat.

„Der Karneval muss wieder persönlicher werden.“ Für ihn sei es zudem beeindruckend, auf welch amüsante und kurzweilige Art und Weise bei der „Närrischen Akademie“ viel Wissen vermittelt würde. „Der Ausflug in die kölsche Mundart, aber auch die vielen historischen Themen der vergangenen Jahre machen einfach sehr viel Spaß.“

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