Düren - Kantinenbetreiber begegnen vegetarischem Tag mit Skepsis

Kantinenbetreiber begegnen vegetarischem Tag mit Skepsis

Von: Sarah Maria Berners
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Salat und Gemüse statt Schnitzel und Wurst: Die Grünen fordern in ihrem Wahlprogramm einen vegetarischen Tag in Kantinen. Damit haben sie heftige Diskussionen ausgelöst. Foto: stock/CTK/CandyBox

Düren. Einmal pro Woche sollen Fleischgerichte aus den Essensausgaben der Kantinen verschwinden. Das zumindest fordern die Grünen in ihrem Wahlprogramm – und sorgen damit für Diskussionen. Statt Schnitzel und Wurst sollen vegetarische und vegane Gerichte – also auch solche, die ohne tierische Produkte wie Milch und Eier auskommen – auf dem Teller landen.

„Das würde nicht funktionieren“, sagt Kersten Meinel, die die Kantine im Kreishaus leitet. Schon jetzt hat ihre Kantine jeden Tag ein vegetarisches Essen im Angebot – und an manchen Tagen sind sogar 50 Prozent der verkauften Gerichte vegetarisch. „Aber auf die Woche gerechnet, machen diese Gerichte nur etwa zehn Prozent aus.“ Wenn asiatische Gemüsepfannen oder türkisches Börek im Angebot sei, würden auch viele, die ansonsten Fleischgerichte verspeisen, zum vegetarischen Angebot greifen. „Aber die Leute wollen Fleisch essen“, sagt Kersten Meinel. „Und ich finde, dass erwachsene Menschen jeden Tag selbst entscheiden sollen, was sie essen möchten.“ Von der Idee einen festen „Veggietag“ einzuführen, hält die Betreiberin der Kantine daher nichts.

Auch Kim Bagger, Geschäftsführer der Firma Bagger und Dickes, die verschiedene Kantinen beliefert, hält nicht viel davon, dass den Menschen vorgeschrieben werden soll, was sie essen. Täglich stehen drei Menüs auf der Speisekarte, zweimal pro Woche auch ein vegetarisches. An den anderen Tagen stehen für die vegetarischen Kunden Salate, Beilagen und Gemüsesorten bereit. Die vegetarischen Gerichte würden gut angenommen, sagt der Kantinenbetreiber. Die fleischlose Kost mache an diesen besonderen Tagen 15 bis 25 Prozent der verkauften Gerichte aus. „Aber ich glaube nicht, dass wir diese Zahlen halten könnten, wenn es täglich ein fleischloses Gericht geben würde“, sagt Kim Bagger. Allerdings hat der Kantinenbetreiber festgestellt, dass die Nachfrage nach vegetarischen Gerichten zugenommen hat. „Vor sieben, acht Jahren war die Nachfrage auf einem Tiefstand“, erklärt er. Das Bewusstsein der Menschen habe sich auch aufgrund von Lebensmittelskandalen verändert. Allerdings mache das die Menschen nicht zu Vegetariern. „Wichtig ist den Kunden, dass die Gerichte ausgewogen sind“, beschreibt Kim Bagger. In einigen Kindergärten und Schulen gebe es allerdings bereits einen vegetarischen Tag und einen, an dem Fisch gegessen werde.

Karl-Heinz Breuer ist Küchenleiter im St.-Marien-Hospital und kocht für Patienten, Mitarbeiter, Besucher und Senioren. Jeden Tag stehen dort auch vegetarische Gerichte zur Auswahl, seit vielen Jahren. Aber auch in Birkesdorf machen sie nur etwa zehn Prozent der Gerichte aus. Der Küchenleiter weiß, dass viele Menschen heute täglich Fleisch auf dem Teller sehen wollen. „Das ist in meiner Kindheit noch ganz anders gewesen“, erinnert er sich. Er plädiert vor allem für einen bewussteren Fleischkonsum, dafür, mehr von den Tieren zu nutzen. „Aber wer kann sich heute noch für saure Nierchen begeistern?“, fragt er. Manchen Menschen sei kaum mehr bewusst, dass das Fleisch von Tieren stammt, weiß der Koch, der unter anderem Kritik an weiten Tiertransporten übt und Respekt im Umgang mit Tieren fordert. Einen „Vegetarischen Tag“ hält er ökologisch für sinnvoll. „Aber es dürfte sehr schwer sein, so etwas zu etablieren.“

Der Küchenleiter verwendet regelmäßig das Logo der Initiative „Donnerstag ist Veggietag“ (siehe Infokasten). Unterstützt wird sie vom Förderverein für den Tierschutz. Dessen Vorsitzender Jürgen Plinz und die Initiatorin des „Veggietages“ stehen für Forderung, dass die Menschen an einem Tag in der Woche auf Fleisch verzichten sollen. Plinz versteht den Vorstoß der Initiative als Anreiz, sich intensiver mit der Ernährung zu befassen, sich Gedanken über Tierhaltung und Umweltschutz zu machen. „Vor allem aber sollte man etwas für sich selbst tun und weniger Fleisch essen“, sagt Plinz. Schließlich seien viele Schlaganfälle auf falsche Ernährung mit zu vielen tierischen Fetten und zu wenig Bewegung zurückzuführen.

Jürgen Plinz geht auch davon aus, dass der Fleischkonsum deutlich zurückgehen würde, wenn Tiere endlich artgerecht gehalten und verbrauchernah geschlachtet würden und der Preis entsprechend stiege. Der Tierschützer könnte sich vorstellen, dass im Falle eines geregelten „Veggietages“ der Aufschrei zunächst groß wäre. Aber er vergleicht das mit dem Nichtraucherschutz: In Ländern, in denen dieser schon länger gelte, spreche schon kein Mensch mehr davon.

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