Kann sich Drove mit dem FC Köln messen?

Von: Tobias Röber
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Tritt die Bundesliga (im Bild Kölns Novakovic) den Amateurfußball mit Füßen? Wenn am Sonntagnachmittag in der höchsten deutschen Klasse gespielt wird, müssen die kleinen Vereine mit Zuschauerverlusten rechnen. Foto: imago

Düren. Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Es ist Sonntagnachmittag, 15 Uhr. Der SC Kreuzau 05 trifft auf Columbia Drove. Ein brisantes Lokalduell in der Kreisliga B, beide Orte und Sportplätze liegen nur wenige Kilometer auseinander.

Der Schiedsrichter pfeift an, doch statt der sonst üblichen rund 100 Zuschauer hat sich nur eine Handvoll Interessierte auf den Sportplatz verirrt. Die übrigen Fans sitzen in den eigenen vier Wänden, in einer Gaststätte oder sogar im Stadion, weil sie lieber live mitfiebern wollen, wie Prinz Poldi im FC-Trikot auf seinen alten Verein Bayern München trifft.

Geht doch gar nicht, denken Sie vielleicht jetzt. Geht aber doch! Der neue Bundesligaspielplan, der ab der kommenden Saison gilt, macht es möglich. Bleiben im Amateurfußball nun Zuschauer aus? Oder laufen sogar Spieler davon? Die Reaktionen in Düren sind unterschiedlich.

Einer, bei dem normalerweise alle Fäden zusammenlaufen, ist Manfred Schultze, der Vorsitzende des Fußballkreises Düren. Zusammengelaufen ist bei ihm in den vergangenen Monaten jedoch gar nichts, sehr zu zu seinem Unmut. „Von 110 Vereinen hat sich keiner gemeldet”, ärgert sich Schultze. Ärger hin oder her, der Vorsitzende glaubt nicht daran, dass sich noch etwas ändert.

Mehr noch: „Wir hätten viel früher reagieren müssen. Die 2. Liga spielt schon seit einigen Jahren am Sonntag, und zeitweise waren Borussia Mönchengladbach, der 1. FC Köln und Alemannia Aachen zusammen in dieser Liga”, sagt er. Am kommenden Wochenende hat DFB-Boss Theo Zwanziger die Vertreter der Fußballkreise zu einem Gespräch nach Frankfurt eingeladen. Schultze: „Ich glaube nicht, dass dabei etwas herauskommt. Wir werden mit der Situation leben müssen.”

Aber womit müssen die Amateurvereine leben? „Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn noch mehr Amateurvereine über die Wupper gehen, aber das scheint den Entscheidungsträgern egal zu sein”, ärgert sich Kalle Kiesant, Trainer des SC Kreuzau 05. „Meines Erachtens ist das falsch, weil die Zuschauer ausbleiben. Außerdem gibt es sicher auch einige Spieler, die lieber Bundesliga schauen wollen”, befürchtet der Trainer. Manfred Schultze ergänzt: „Ich habe schon gehört, dass sich Spieler dann lieber die Bundesliga ansehen wollen, statt selbst die Schuhe zu schnüren.”

Mit diesem Problem muss sich Torsten Schmitz nicht herumschlagen. „Bei uns werden sicher keine Spieler wegen der neuen Anstoßzeiten aufhören, aber in den unteren Ligen kann ich mir das schon vorstellen”, sagt der Trainer des Mittelrheinligisten GFC Düren. Und genau aus diesem Grund befürwortet Schmitz Proteste wie sie jetzt in Westfalen stattgefunden haben: „Proteste sind gut, aber alle müssen mitmachen. Ich wäre dabei!”

Rainer Bartz, Vorsitzender von Jugendsport Wenau, sieht das anders: „Protestaktionen würden wir uns nicht anschließen, wir nehmen die Neuregelung hin.” Bartz befürchtet nicht, dass Spieler die Schuhe an den Nagel hängen. Den Zuschauern kommt der Verein entgegen: 2000 Euro lässt sich der Verein das Bezahlfernsehen kosten, um die Bundesligaspiele zu zeigen.

Einen anderen Aspekt bringt Thomas Klein, Geschäftsführer von B-Ligist BC Oberzier, ins Spiel: „Geld regiert die Welt. Die Bundesliga will so den Anschluss an die großen Ligen Spanien, England und Italien schaffen, da können wir nicht immer klagen. Das Topspiel soll ohnehin am Samstag sein. Und für Bielefeld gegen Cottbus lässt am Sonntag doch keiner den Amateurfußball sausen. Einen großen Zuschauerschwund werden wir in den unteren Klassen daher nicht erleben.”

Kalle Kiesant würde indes gerne etwas unternehmen: „Irgendwas müsste man machen. Ich denke, wir sollten Akzente setzen. Das Ganze ist nur Geldmacherei für die großen Vereine. Die Amateure bleiben dabei auf der Strecke”, sagt er und denkt dabei mit Schrecken an ein brisantes Derby zwischen „seinem” SC Kreuzau und Columbia Drove - vor fast leeren Rängen.

Das neue Wochenende der Bundesliga

Freitags stehen wie gewohnt um 18 Uhr drei Zweitligapartien auf dem Programm, das Erstligaspiel wird um 20.30 Uhr angepfiffen. Allerdings kann dieses bis zu sechsmal pro Saison - immer nach Fifa-Abstellungsperioden - auf Samstag, 15.30 Uhr, verschoben werden. Entfällt das Freitagsspiel der Bundesliga, wird eine Partie der 2. Liga von 18 Uhr auf 20.30 Uhr verschoben.

Um 15.30 Uhr am Samstag beginnen auch künftig fünf Bundesligapartien, eine wird in der Regel um 18.30 Uhr angepfiffen. Diese wiederum kann jedoch bis zu fünfmal pro Spielzeit - jeweils nach Uefa-Cup-Partien - auf Sonntag, 17.30 Uhr, verschoben werden. Zusätzlich finden um 13 Uhr zwei Zweitligaspiele statt. Der Sonntag wird neu gestaltet. Die 2. Liga beginnt um 13.30 Uhr. Um 15.30 Uhr und 17.30 Uhr wird in der Regel jeweils ein Erstligaspiel angepfiffen. Das Montagsspiel der 2. Liga bleibt auch künftig erhalten.
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