Kann Düren als Einkaufsstadt weiterbestehen?

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Drei, die Düren nach vorne bringen wollen (v.l.): Baudezernent Paul Zündorf, Stadtplaner Dr. Harald Heinz und Citymanager Michael Linn. Foto: kin

Düren. Ist Düren als Einkaufsstadt noch attraktiv? Und woran liegt es, dass sogar an der Wirtelstraße, also Dürens 1-A-Lage Ladenlokale mehr als ein Jahr leer stehen. Fragen, die unsere Mitarbeiterin Sandra Kinkel Baudezernent Paul Zündorf (64), Stadtplaner Harald Heinz (70) und Citymanager Michael Linn (61) gestellt hat.

Herr Zündorf, wann haben Sie zuletzt in Düren eingekauft?

Paul Zündorf: Das ist noch gar nicht so lange her. Ich habe erst vor wenigen Tagen Reiseführer und Zigarren in Düren gekauft.

Herr Dr. Heinz, gibt es etwas, das man aus Ihrer Sicht besonders gut in Düren einkaufen kann?

Dr. Harald Heinz: Es gibt ein sehr besonderes Olivenöl, das ich in einem Fachgeschäft in Düren bekomme. Das habe ich erst kürzlich wieder gekauft.

Herr Linn, was macht aus Ihrer Sicht die Einkaufsstadt Düren heute aus?

Michael Linn: Es gibt in Düren ein breites Warenangebot für jüngere und ältere Kunden gleichermaßen. Außerdem ist es eine Einkaufsstadt mit kurzen Wegen, die schnell zu erreichen ist. Nicht vergessen möchte ich den Wochenmarkt, der wirklich herausragend ist und sehr viele Menschen anlockt.

Reicht das, um als Einkaufsstadt zwischen Aachen und Köln zu bestehen?

Linn: Ich habe erst vergangene Woche einen Mitarbeiter einer Agentur aus Lippstadt, die sich bundesweit um Leerstände kümmert, durch die Stadt geführt. Der Herr hat sich Düren sehr genau angeschaut und am Ende zu mir gesagt: „Wirklich große Probleme haben Sie hier in Düren aber doch nicht, oder?“

Darüber kann man trefflich streiten. Ihr Vorgänger im Amt des Citymanagers hat immer gesagt, dass es kein Problem sei, leer stehende Ladenlokale an der Wirtelstraße, schnellstens zu vermieten. Die Räume der ehemaligen Douglas-Filiale aber stehen seit über einem Jahr leer.

Linn: Das stimmt, das ist aber kein ureigenes Dürener Problem. Der Prozess, Nachmieter für leerstehende Ladenlokale zu finden, hat sich bundesweit deutlich verlangsamt. Mein Eindruck ist, dass Immobilieneigentümer deutlich sensibler geworden sind und gründlich nach dem Nachmieter suchen, der wirklich zu ihrem Ladenlokal und der entsprechenden Lage passt.

Oder eher nach dem Nachmieter, der die volle Miete zahlen kann?

Linn: Das würde ich nicht sagen. Ich führe derzeit viele Gespräche mit Immobilieneigentümern. Viele sind durchaus bereit, über Mietpreise zu sprechen und sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Zündorf: Dazu möchte ich auch noch etwas sagen. Grundsätzlich, das hat auch die jüngste Umfrage des Einzelhandelsverbandes ergeben, bringt Düren gute Voraussetzungen in Bezug auf das Warenangebot und die kurzen Wege mit. Das honorieren die Kunden auch.

Woran wir aber etwas tun müssen, ist die Aufenthaltsqualität, die Gestaltung der Straßen und Plätze. Tatsache ist aber auch, dass der Internethandel dem stationären Handel Umsätze wegnimmt. Deswegen müssen wir die zurückgehende Aktivität des Handels mit anderen wichtigen Funktionen, zum Beispiel mit einer Revitalisierung des Wohnens, ersetzen. Und die Stadt Düren hat seit Jahren ihre Möglichkeiten genutzt, großflächigen Handel auf der grünen Wiese zu begrenzen. Denn eins ist auch klar: Jedes leer stehende Ladenlokal wirkt wie ein fauler Apfel. Und das gilt im Übrigen auch für Ein-Euro-Shops in der 1-A-Lage einer Stadt. Weil mit diesen Läden genau wie mit dem Leerstand das unmittelbare Milieu der benachbarten Geschäfte belastet wird. Dieses Problem müssen die Eigentümer erkennen.

Warum ist die Einkaufsstadt Düren also offensichtlich für hochwertige(re)n Handel uninteressant, nicht aber für Friseure, Handyläden und Nagelstudios?

Heinz: Weil die die geforderten Mieten zahlen können. So paradox das klingen mag: Hochwertige Geschäfte können häufig weniger Miete zahlen als Handyläden oder Friseure. Natürlich ist es für die Eigentümer kurzfristig von Vorteil, wenn sie ihre Immobilien an solche Unternehmen vermieten können. Langfristig sorgt es aber dafür, dass das Niveau der kompletten Einkaufsstraße abnimmt. Deswegen muss es das Ziel sein, dass die Eigentümer einer solchen Straße sich als Gemeinschaft verstehen und ihre Straße gemeinsam entwickeln. Ein gutes Beispiel, dass das funktionieren kann, ist das Baustellenmarketing, das es jetzt am Markt und vorher an der Kölnstraße gegeben hat.

Was tun Sie, um das Bewusstsein der Eigentümer zu verändern?

Zündorf: Hier möchte ich den Masterplan ins Spiel bringen. Der Masterplan ist sehr breit angelegt. Es gibt eine kostenlose Immobilienberatung für Hausbesitzer und eine Fülle von Maßnahmen wie beispielsweise die Umgestaltung von Markt und Kaiserplatz. Ganz wichtig im Masterplan-Prozess ist aber auch Kommunikation. Wir bringen die Menschen miteinander ins Gespräch, zum Beispiel mit den Beratungsangeboten im City-Büro. Linn: Und wir müssen die Stadt zu einem Erlebnisraum machen.

Wie kann das denn gelingen, wenn Köln und Aachen nur wenige Kilometer entfernt sind?

Heinz: Natürlich wird Düren nie Aachen oder Köln sein. Tatsache ist aber auch, dass es Dinge in Düren gibt, die Aachen und Köln nicht haben.

Können Sie dafür bitte ein Beispiel nennen?

Heinz: Zum Beispiel die Ruraue, ein wunderbares Erholungsgebiet. Oder die Kompaktheit der Innenstadt. Und genau die müssen wir erhalten.

Was meinen Sie damit konkret? Haben wir in 15 oder 20 Jahren vielleicht weniger Einkaufsstraßen in Düren als heute und dafür vielleicht mehr Wohnraum in der Innenstadt?

Heinz: Ja, das kann durchaus so sein. Es ist schlecht, wenn in einer Einkaufsstraße nur noch in jedem dritten Haus ein Geschäft ist. Das muss auf jeden Fall vermieden werden. Das kann dazu führen, dass es nicht mehr die gleiche Menge an Einkaufsstraßen gibt. Zündorf: Wir müssen alles, dafür tun, Leerstände so rasch wie möglich zu beseitigen. Dazu gehört auch, dass wir hochwertigen Wohnraum in Düren schaffen, um entsprechendes Klientel anzulocken, das hier einkauft. Wenn der Handel allerdings zurückgeht, müssen wir die Bereiche Wohnen, Kultur und Freizeitangebote in der Innenstadt stärken.

In den vergangenen Jahren sind in Düren schon etliche neue Wohngebiete entstanden.

Zündorf: Das stimmt, aber der Bedarf insbesondere nach hochwertigen Wohnungen in zentralen Lagen hat noch zugenommen. Ich habe gestern erfahren, dass die Wohnungen im Bismarckquartier schon fast alle verkauft sind. Menschen, die in der Eifel gewohnt haben, kommen zurück nach Düren. Die wollen auch hier einkaufen. Ich bin davon überzeugt, dass das unsere Stadt enorm aufwerten wird. Stadtplanung ist aber ein Marathonlauf und braucht Zeit. Heinz: Neue Wohngebiete haben auch andere Vorteile. Nehmen Sie das Beispiel Cranach-Park an der Arnoldsweilerstraße. Das Umfeld dort möchte ich als verbesserungswürdig bezeichnen. Das kann sich aber schnell ändern, wenn die Leute nicht mehr auf eine Gewerbebrache, sondern auf ansprechende Wohnungen gucken.

Herr Zündorf, Sie haben eben selbst das Thema Internethandel angesprochen. Dieses Rad lässt sich nicht zurückdrehen.

Zündorf: Das ist richtig. Es gibt aber Städte, in denen Händler sich zusammenschließen und eine gemeinsame Internetplattform mit Lieferservice und allem, was dazu gehört, gründen. Der Handel muss sich in Zukunft vermehrt auch als Internetstandort profilieren. Linn: Daran arbeiten wir auch in Düren. Es gibt das Portal „Düren City“, wo schon mehr als 40 Unternehmen online sind. Aber auch in dem Bereich müssen wir viele Gespräche führen und dicke Bretter bohren.

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