Kammermusikfestival: Kreativität gefördert werden

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Heimbach. Was ist „Zeitgenössische Musik“? Schon die Werke der alten Meister waren zeitgenössische, neue Musik, als sie erstmals erklangen. Nicht allen gefielen sie auf Anhieb. Aber der Ehrgeiz guter Komponisten war es schon immer, nicht nur Bewährtes zu wiederholen, sondern neue Klänge und Harmonien zu kreieren.

Heute kann das Publikum Werke aus allen Epochen jederzeit hören – von der Klassik zum Jazz bis zur Popmusik. Ganz neue Werke haben es oft schwerer. Das möchten die Musiker vom Kammermusikfestival „Spannungen“ in Heimbach ändern.

„Meine Musik wurzelt in der Gegenwart und will etwas ganz anderes als Wohlklang und angenehme Unterhaltung.“ Das sagte der berühmte Komponist Robert Schumann vor 167 Jahren. Noch radikaler wurde die Musik des Überganges ins 20te Jahrhundert. Ein Aufbruch in ganz neue Klangwelten: Gustav Mahlers vielschichtige Sinfonien oder Maurice Ravels „Bolero“, der sich mit wenigen Harmonien bis zur Erschöpfung steigert – ein klassischer Hit. Auch die Werke der französischen Klangmaler Claude Debussy und Olivier Messiaen gelten heute als klassische Moderne der Musik. Nur Arnold Schönbergs Zwölftonmusik hat es noch heute schwer. Alle diese Komponisten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts sind immer wieder im Programm von „Spannungen“, weil sie noch heute hineinwirken in die Musik der Gegenwart.

Der Aufreger vor 100 Jahren

Der russische Komponist Igor Stravinsky sorgte 1913 mit seiner Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ bei der Uraufführung in Paris für einen Skandal, der bis nach New York tönte. Wegen der unerhörten, teils brutalen Rhythmik des Stückes und seiner schwülen Erotik war „Le Sacre“ der Aufreger vor 100 Jahren. „Ich glaube, das Stück hat immer noch großen Einfluss “, sagt Sharon Kam, „ nämlich wie zeitgenössische Komponisten den Rhythmus einsetzen.“ Die berühmte Klarinettistin, die seit vielen Jahren bei „Spannungen“ dabei ist, setzt sich in ihren Konzerten auf der ganzen Welt besonders für neue Musik ein und spielt sie auch.

Angst vor ganz neuen Tönen hat niemand der über dreißig Musiker, die ab Montag wieder im Wasserkraftwerk von Heimbach auftreten.

Es gehört zum Selbstverständnis dieses einzigartigen Kammermusikfestivals, jedes Jahr eine neue Komposition in Auftrag zu gegeben, in diesem Jahr an die Komponistin Helen Grime. Die 35-jährige Schottin ist damit Composer in Residence. Höhepunkt wird ihre Sonate für Oboe und Klavier sein, die am Freitag erstmals erklingen wird. Am Klavier spielt dann ihr Ehemann, Huw Watkins. Er war bereits vor fünf Jahren Composer in Residence mit einem Trio für Klarinette, Viola und Klavier. Die Vorfreude der großen „Spannungen-Community“ und auch der neuen Zuhörer wächst.

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