Heimbach - Kammermusikfest „Spannungen“: Musiker haben sich intensiv vorbereitet

Kammermusikfest „Spannungen“: Musiker haben sich intensiv vorbereitet

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
10228164.jpg
Proben für das Konzert im Kraftwerk: Die Violinistin Yura Lee und der finnische Komponist und Pianist Olli Mustonen besprechen eine Sonate, die heute Abend aufgeführt wird. Nur zweimal treffen sich die Musiker zum Proben. Foto: Sarah Maria Berners

Heimbach. Der Montagmorgen in Heimbach ist noch frisch. Trotzdem hat sich die koreanische Violinistin Yura Lee die Schuhe ausgezogen. Mit nackten Füßen steht sie auf dem Teppich, um sich vor Beginn der öffentlichen Probe für das Kammermusikfest „Spannungen“ warm zu spielen.

Den Pianisten und Komponisten Olli Mustonen, mit dem sie am Dienstagabend auf der Bühne des Jugendstilkraftwerks stehen wird, hat sie noch nie gesehen, noch nie mit ihm musiziert. Wenig später trudelt dieser gut gelaunt im Haus Schönblick in Hasenfeld ein, die Noten seiner selbstkomponierten Sonate für Klavier und Violine in der Hand.

Die beiden sprechen kurz miteinander: „Wie geht‘s? Wo kommst Du her? Schön, Dich kennenzulernen.“ Dann wird Musik gemacht. Nach gut einer Stunde sitzt das Werk. Kaum zu glauben, dass die beiden zum ersten Mal miteinander Musik machen. Sie harmonieren. Menschlich und musikalisch. Das ist gut für sie, Zeit ist bei „Spannungen“ ein knappes Gut. 34 Künstler müssen in einer Woche 53 Stücke einstudieren.

Schade ist es für die Zuhörer, die sich den letzten Teil der Probe anhören wollten: „So schnell geht das sonst nie“, sagt eine Frau aus Münster, die seit Jahren zu „Spannungen“ und den öffentlichen Proben kommt. „Gerade bei modernen Stücken ist es oft besser, sie nicht nur einmal zu hören“, sagt ihr Ehemann. „Wenn man den Musikern beim Erarbeiten des Stückes zuhört, versteht man es besser.“ Damit die Münsteraner nicht vergebens gekommen, sind, spielen Lee und Mustonen spontan ein kleines „Privatkonzert“.

„Wer Talent hat, muss nicht so viel üben“, kommentiert Mustonen lachend. Aber „Scherz beiseite“: So leicht, wie es aussieht, ist es nicht. „Wenn es nur wenig Zeit für die Proben gibt, ist es wichtig, dass die Musiker sich gut vorbereitet haben“, sagt Mustonen.

So hat Yura Lee hat das Stück immer wieder geprobt, die Noten hatte sie in den vergangenen Wochen auf dem Tablett stets dabei, am Sonntag hat ganz intensiv trainiert. Nur ein paarmal setzen sie und der Komponist neu an, variieren Tempo und Lautstärke. Nach dem ersten Durchgang besprechen sie das Stück, machen ein paar Notizen auf die Notenblätter. „Es ist ein Privileg, mit dem Komponisten zu spielen“, sagt Lee. In der Zusammenarbeit und im Gespräch könne sie die Musik besser verstehen, sie spielen, wie sie gemeint ist. „Kompositionen sind wie Kinder“, sagt Mustonen. Man bringe sie in die Welt und präge sie. Aber man besitze sie nicht. „Sie entwickeln ein eigenes Leben, das andere Künstler ihnen geben. Das kann auch weh tun.“

Für manche Stücke sind nur zwei Proben angesetzt, für andere mehr. Immer wieder geben die Musiker den Koordinatoren Rückmeldung, ob sie mehr Zeit brauchen. Dann müssen die Pläne überarbeitet werden, bei „Spannungen“ ist alles ständig im Fluss.

Die Reihen in den Probenräumen sind häufig gut gefüllt. Kenner und Laien verfolgen, wie die Künstler ein Stück interpretieren, es entwickeln, wie sie konzentriert arbeiten und scherzen. Eigentlich sind die Proben kleine Gratiskonzerte, aber die meisten Zuschauer sind treue Konzertbesucher, die kaum genug von der Klassik bekommen können.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert