Kreuzau - Kästner ist nicht nur Kinderkram

Kästner ist nicht nur Kinderkram

Von: heb
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Teils gelungen bizarr: Hans Georgi setzte stilistisch auch auf Kostüm und Requisite. Foto: Buch

Kreuzau. Leicht zu folgen fiel es den Gästen des Musikkabaretts „Die Welt ist rund“ nicht immer. Mit einem zweistündigen Programm präsentierte Hans Georgi im Gymnasium Kreuzau die politisch-gesellschaftliche Lyrik des meist nur als Kinderbuchautor bekannten Erich Kästner.

Gerade im ersten Teil behandelte Georgi dabei ein ganzes Feuerwerk an Themen – wie es sich eben in einem Lebenswerk ansammelt.

So trug er Gedichte Kästners über Jugendarbeitslosigkeit, Geburtenschwund, die Bankenwelt und Hungersnöte vor. Zitate wie „Jawohl wir sollen Kinder produzieren, um Löhne zu senken und Kriege zu verlieren“ oder „Wer nicht zur Welt kommt, wird auch nicht arbeitslos“ zeigten die ernste, fast dunkle Seite des Dichters. Stilistisch setzte Georgi die Lyrik in Musik um, die er daraufhin in satirischer Rede in Kästners und die heutige Zeit einordnete. Dabei gelang es dem Kabarettisten, einen Punkt klar zu machen: „Erich Kästner ist heute so aktuell wie damals.“

Ob es die Unverständlichkeit der Finanzwelt oder die Mechanisierung – heute Digitalisierung – des Arbeitsmarktes ist: Kästners Jugendzeit in den 1920ern und die Gegenwart weisen unverkennbare Parallelen auf. Schwierig war es hingegen teilweise, Georgis Gedankenspielen zu Kästner zu folgen. Vor allem in der ersten Hälfte fehlte angesichts der Flut an Themen oft die Zeit, das Vorgetragene zu verarbeiten, zumal es Georgi zu lieben scheint, schwerwiegende Gedanken nur anzuschneiden.

Ein Umstand, der sich im zweiten Teil deutlich besserte. Die nun behandelten Themen wie Kästners Frauenbild, aber auch seine Verarbeitung der NS-Zeit waren griffiger und lebendiger. So war es abschließend ein bereichernder Abend, der den Besuchern eine eindrucksvolle Seite der historischen Figur Kästner Nahe brachte. Wer jedoch lockeres, lyrisches Kabarett erwartet hatte, kam nicht auf seine Kosten.

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