Düren - Kabarettistenduo auf Suche nach einem sicheren Asyl

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Kabarettistenduo auf Suche nach einem sicheren Asyl

Von: Burkhard Giesen
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Treten erstmals mit einem gemeinsamen Programm auf: Achim Konejung (li.) und Hubert vom Venn. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Kabarettist Achim Konejung sorgt vor. In Zeiten, in denen dank Klimawandel die Weltmeere ansteigen, ihm im Rheinland tagebautechnisch rundherum die Abbaggerung droht und er eh‘ schon als Müddersheimer von der Hähnchenmast genervt ist, muss man gerüstet sein und ein Ziel vor Augen haben. „Ich werde Asyl in der Eifel beantragen“, sagt Konejung, der das Glück hat, mit Hubert vom Venn befreundet zu sein.

Der Asylantrag des gebürtigen Niederrheiners Konejung fällt just in eine Zeit, in der der Eifeler endlich zu sich selbst gefunden hat. „Der Eifeler hat lange seine Heimat verleugnet“, klärt Hubert vom Venn auf. „Wir haben dann immer gesagt ‚wir sind aus so bei Köln‘“ – inzwischen ist man Stolz auf die Herkunft, wenn auch der Eifeler ab und an schon mal zu hören bekommt: Ach, Sie sind aus der Eifel, wo es die vielen Morde gibt...

Ganz so einfach will Hubert vom Venn es dem Immi Konejung natürlich nicht machen. „Wir werden ja schon von den Holländern, Kölnern und Düsseldorfern überflutet“, erklärt er. Und so muss Konejung einen Kurs belegen, um zum Beispiel erst mal die Sprache des Eifelers zu lernen. Das fängt bei so simplen Begriffen wie dem Ortsnamen Roetgen an. Lernen konnte Konejung da auch schon von den Jungs der Band „Jupiter Jones“, die 2012 bei der Echo-Preisverleihuung erklärten: „Wir machen keine Musik. Wir sind aus der Eifel, wir machen Musikk.“

Weit aus komplizierter sind andere Fragen, wie sich im Gespräch schnell herausstellt. Hubert vom Venn: Wie sieht‘s denn mit der Religion aus? Konejung: Ich bin aus der Kirche ausgetreten. Hubert vom Venn: Das geht nicht! Konejung: Aber nur aus der Evangelischen Kirche. Hubert vom Venn: Das ist dann egal. – Allerdings, der zusätzliche Messdienerkurs bleibt dem Asylbewerber möglicherweise nicht erspart. Ernsthaft denken die beiden Kabarettisten übrigens auch über separatistische Bestrebungen nach. Zwar haben sie die Eifel vorerst als Region zwischen der Streit-Linie (nach dem Landrat von Bitburg-Prüm) und dem Buch-Rücken (nach Hürtgenwalds Bürgermeister) definiert, aber sie rechnen schon jetzt fest damit, dass sich die Ost-Belgier gerne einer neuen Eifel-Republik anschließen würden. Für Luxemburg hätte man da natürlich auch noch Platz.

„Schon jetzt ist die Eifel nicht mehr nur eine Region, sondern eine Idee“, sagt Hubert vom Venn und versucht dabei sehr ernsthaft dreinzuschauen. „Außerdem haben wir in Paris schon den Eiffelturm, schließlich kam Eiffels Opa aus Marmagen.“ Mit der eigenständigen Eifel-Republik könnte sich Hubert vom Venn noch einen kleinen Traum erfüllen, mit dem er vor vielen Jahren schon einmal gescheitert ist. Kollege Konejung hatte vor 35 Jahren den Song „Hühnchen explodieren am Horizont“ geschrieben (da lebte er übrigens noch nicht in Müddersheim). Damals wollte Hubert vom Venn mit dem Song unbedingt am Eurovison Song Contest teilnehmen, das scheiterte allerdings. Genau so lange – nämlich 35 Jahre – kennen sich die beiden Kabarettisten nun auch schon,. Konejung: „Wir waren einfach immer getrennt unterwegs. Im Mai werden sie nun erstmals mit dem Programm „Letzte Ausfahrt Eifel“ auf der Bühne stehen.

Am Stück wird noch gefeilt. Viele Dialoge sollen sich spontan ergeben, wie in einem Bauerntheater. Konejung: „Wer probt ist feige!“ Dennoch wird es natürlich einen Handlungsstrang geben, feste Nummern, denn, so Konejung weiter: „Den Satz mit der Pointe muss man natürlich drauf haben.“ Drauf haben werden es die Kabarettisten dann auch, mit Parodien und Musik-Nummern das Publikum zu unterhalten. Ob Konejungs Asylantrag genehmigt wird, das darf das Publikum an dem Abend entscheiden. Konejung: „Wenn ich abgelehnt werde, müssen wir halt noch mal da hin. Anders als Frau Schavan werde ich gegen die Entscheidung jedenfalls nicht klagen.“

Premiere ist am 4. Mai um 20 Uhr im Atelierhaus Götze, Zülpicher Straße 12, in Nideggen. Danach gibt es Auftritte in Aachen, Hürtgenwald, Boich und Heimbach. „Nach Düren werden wir auch kommen“, verspricht Hubert vom Venn. „Mir war als Kind schon klar, dass man als Eifeler irgendwann nach Düren kommt. Wenn man sich etwas länger nicht gesehen hatte, begrüßte man sich immer mit dem Satz ‚Weißte schon, wer in Düren gelandet ist?‘“ Bleibt nur noch ein Punkt offen: Roetgen. „Roetgen wie Brötchen“ verrät Hubert vom Venn dem Asylbewerber Konejung für den zu absolvierenden Sprachkurs.

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