Kabarettist Waghubinger: „Echten Müll findet man nur noch im Urlaub“

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Mit ungläubigen Blick philosophiert Stefan Waghubinger über Steuern und das Leben. Foto: Hendrik Buch

Düren. Kabarettist Stefan Waghubinger philosophiert im voll besetzten Komm-Zentrum über die „außergewöhnlichen Belastungen“ des Lebens.

Irgendwo beim Thema Weltall fällt zwischen Witzen über die Ladefläche des Großen Wagens und einem Hundehaufen des russischen Weltraumhundes Laika auf dem Mond dieser Satz über Sternbilder: „Man sieht ein paar Punkte und macht sich ein ganzes Bild; So ist der Mensch eben.“ Ein Beispielhafer Moment für das Kabarett „Außergewöhnliche Belastungen“ von Stefan Waghubinger am Donnerstagabend im voll besuchten Keller des Komm-Zentrums.

Inmitten langer Monologe und bewusst lapidarer Pointen versteckte der Österreicher immer wieder „Aha-Momente“, die dem Programm seinen wesentlichen Tiefgang verliehen. Immer wieder warf der Komiker andere Blickwinkel auf Themen wie Freiheit oder Technik, mit viel Ironie aber ohne altkluge Schlussfolgerungen. Politisch war sein Kabarett dabei, zumindest vordergründig, nicht. Vielmehr philosophierte Waghubinger über den allgemeinen Sinn und Unsinn in jedermanns Leben.

Besonders treffsicher zeigte er sich auch mit seinem niveauvollen Wortwitz: „Wir wollen uns laufend verbessern und wiegen uns am Ende doch in falscher Hoffnung“, philosophierte er beim Thema Jogging, um sich abschließend zu ärgern, dass man Sport leider nicht nach Asien outsourcen kann.

Seinen Blick auf Leben und Fortschritt zeichnete er eher dunkel: Beim Thema Umweltschutz wünschte er sich so statt Mülltrennung den alten stinkenden Müll zurück, haderte: „Echten Müll findet man heute eben nur noch im Urlaub“. Das Thema „Political Correctness“ erklärt er wiederum mit Barbiepuppen. Als er berichtete wie er seine Tochter unfreiwillig dazu gebracht hat, eine schwarze Puppe zum Kofferträger zu machen, kringeln sich im Publikum die Bäuche.

Insgesamt ist Waghubingers Programm clever konstruiert. Das gewählte Thema, die Steuererklärung, behandelt er einerseits eher stiefmütterlich, greift nur hier und da den Papierberg auf seinem Arbeitstisch auf. Andererseits ist genau dieses verzetteln in Geschichten wieder ein kluges Leitthema mit Blick die unbeliebte Arbeit an der Steuer und die Frage nach Sinn und Weg im Leben. Um zum Punkt zu kommen, braucht man eben etwas Zeit, genau wie der Kabarettist in seinen Monologen.

An der Steuererklärung arbeitet der Österreicher schließlich keine Sekunde. Nicht weiter schlimm. Diese wünscht er sich stattdessen, sollte er einmal zum Tode verurteilt werden, anstelle einer Henkersmahlzeit: „Wenn ich vor der Steuer sitze denke ich mir schließlich jedes Mal: Lieber sterb ich!“

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