Düren - Kabarettist Thilo Seibel bietet satirischen Jahresrückblick

Kabarettist Thilo Seibel bietet satirischen Jahresrückblick

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Applaus im „Komm“-Zentrum: Kabarettist Thilo Seibel blickte auf das Jahr 2016 zurück.

Düren. Einen satirischen Jahresabschuss bot der Kölner Kabarettist Thilo Seibel in der Studiobühne des „Komm“-Zentrums. „Ich bin als politischer Kabarettist auf die Welt gekommen“, erklärte er sich kurz vor der Aufführung hinter der Bühne. Und das spürte man auch in jedem Satz seines kabarettistischen Jahresrückblicks.

Bereits seit 1994 steht er auf den Brettern der deutschen Kabarettbühnen, bis 2007 zusammen mit seinem Kollegen Rüdiger Wohlenberg, seitdem meistens solo und nur noch gelegentlich im Ensemble. In seinem satirischen Jahresrückblick erinnerte er in dieser extrem schnelllebigen Zeit an die Themen, die die Menschen im Jahr 2016 bewegten: Flüchtlinge und die Zukunft der EU, Donald Trump und Donald Tusk, die Beförderung von Günther Öttinger oder die „zentrale Geste von unserem Jogi“ spielten in seinem Programm eine zentrale Rolle.

Mit einem Gedicht im Gewand eines Rap reimte er sich zum Warmwerden zunächst einmal rasant durch das politische Jahr und heizte dem anfangs noch etwas zurückhaltenden Publikum ein. Und dann ging es in einem atemberaubendem Sprech- und Denktempo durch alle Bosheiten und Peinlichkeiten, die Politik, Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben zu bieten hatten.

Der „sexistische Wischmopp Donald Trump“ stellte sich ein Kabinett zusammen, das bald schwarz ist vor Schmutz, weil er alle die Migranten hinauswerfen will, die ansonsten fürs Wäschewaschen und andere niedere Reinigungstätigkeiten der Finanzeliten zuständig sind, meinte Seibel.

Aber auch das „blondgeföhnte Verteidigungsgrauen Flinten-Uschi“ oder Frank Walter Steinmeier, der so „leidenschaftlich ist wie ein Radiergummi im Finanzamt“, bekamen gnadenlos ihr Fett weg.

Benötigt die Bundesbahn Drohnen, um nach dem Verbleib ihrer verspäteten Züge zu forschen? Wenn ein Lobbyist einem Staatsorgan Geld spendet, ist das dann eine Organspende? Und blitzschnell ist auch mal der Zusammenhang zwischen Atomlobby und EU hergestellt: „EU-Kommissare sind abgebrannte Elemente aus den Landesregierungen“, sagte der Kabarettist.

Besonders zynisch beurteilte Seibel die Haltung der europäischen Mitgliedsstaaten, wie Frankreich und Polen, in Bezug auf die Flüchtlingskrise, welche sich auch aus Angst vor einem Erstarken der Rechten Parteien nicht an ihre Verträge halten. Außerdem kritisierte er, dass man als deutscher Staat zwar die christlich abendländischen Werte immer wieder hochhalten würde, sich selbst aber nicht daran störe, sondern sich dafür lieber auf einen Flüchtlingspakt mit der Türkei einlasse und so erpressbar werde.

Doch er fand zu den schlimmsten politischen Entwicklungen immer noch eine Pointe. „Was ist das für ein Europa, das sich darüber begeistert, dass die europäische Marssonde auf dem Mars zerschellt ist?! Und was wollen die Europäer auf dem Mars, auch wenn dort mehr Leben ist, als auf der anderen Rheinseite von Köln?“, fragte er.

Im Mitmachteil seines Programms las und kommentierte er die persönlichen Positiv- oder Negativ-Jahreshighlights, die von den Zuschauern in der Pause auf Karteikärtchen geschrieben wurden. Diese reichten vom Glück über diverse sportliche Ereignisse bis zum Tod des Motörhead-Gründers Lemmy (der allerdings schon Ende 2015 verstarb). Und schließlich sollten die Zitate des Jahres per Applaus bestimmt werden.

Weit vorne lag der Ausspruch eines Schweizer Nationalspielers zu den sich selbst auflösenden Trikots bei der Fußball-EM: „Ich hoffe, dass Puma keine Pariser macht“. Aber auch Donald Trumps: „Ich werde das Wahlergebnis akzeptieren, wenn ich gewinne“, erntete große Zustimmung.

In den intensiven Schlussapplaus verabschiedete sich der kleine denk- und wortgewandte Kölner Kabarettist mit einem Zitat, das sich eigentlich auf die Bekämpfung der Borkenkäfer bezieht: „Nichtstun gehört zu den effektivsten Methoden“, meinte er. In dieser hektischen Vorweihnachtszeit sei das wohl der sinnvollste Ratschlag nicht nur für Freunde des politischen Kabaretts.

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