Kabarettist Robert Griess: Pflegen wir den Biedermeier-Buddhismus?

Von: Bruno Elberfeld
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Robert Griess gastierte im Rahmen der SWD-Kommedy-Abende auf der Bühne des „Komm“ mit seinem Programm „Ich glaub‘ es hackt.“ Foto: bel

Düren. Das Sälchen im „Komm“ war nicht ganz gefüllt an diesem SWD-Kommedy-Abend und nicht allein das Wetter konnte daran schuld sein. Kabarettist Robert Griess aus Köln hatte wenige Tage nach der Wahl Donald Trumps zum 45. amerikanischen Präsidenten eine Erklärung: „Das politische Kabarett wird von der Realität übertroffen!“

In Deutschland und Europa hätten die meisten Politiker wohl eine bessere Ausbildung und mehr Erfahrung in den einzelnen Ressorts, als der kommende US-Präsident. Verwunderlich sei es aber schon, dass Frauen und Männer ihre Ministerposten wechselten wie die Hemden.

Besonders Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bekam da ihr Fett weg. Von der Familien- zur Verteidigungsministerin – wie geht das? „Das G 36, ein hochgelobtes Gewehr, kann man nur im Kalten Krieg benutzen“, sagte Griess, „wird es doch bei Wärme zu heiß.“ Ganz zu schweigen von den nicht einsatzfähigen Tornados und anderen Flugobjekten, die nicht über offenes Wasser fliegen könnten. „Die Bundeswehr“, glaubte der Mann auf der Bühne, „wird als erste Armee auf der Welt den Friedensnobelpreis bekommen.“

Und im Übrigen hätte Kanzlerin Angela Merkel kein Handy zum Twittern in den Händen, sondern das sei die Fernsteuerung, mit der sie Innenminister Thomas de Maizière, der schon viele Posten in der Regierung bekleidet habe, steuere. Weitere Regierungsmitglieder wurden durch den berühmten Kakao gezogen: Finanzminister Wolfgang Schäuble, der sich vor vielen Jahren nicht mehr daran erinnern konnte, wo die 100.000 Euro Bestechungsgeld hingekommen waren.

Hätte Griechenland die Software von VW, wäre es in dem Land niemals zu einer Schuldenkrise gekommen. Andrea Nahles in der Gestalt einer russischen Kugelstoßerin, Sozialministerin, SPD, bittet Geringverdiener, sich mehr um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Es sind beißende Vergleiche, die Griess präsentiert, ein Körnchen Wahrheit ist jedoch immer zu entdecken. Die Kompetenz der Ministerinnen und Minister lässt dem Kabarettisten keine Ruhe.

„Wenn Sie Probleme mit der Nase haben“, stellt er in den Raum, „wenden Sie sich dann an den Urologen?“ In einem Kabinett sei der Tausch der Aufgabengebiete offenbar möglich. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach Griess das Phänomen an der Spitze der Bundesregierung. Nach jeder Krise sitze sie fester im Sattel, offenbar, weil sie den „Biedermeier-Buddhismus“ pflege. „Angela Merkel ist die späte Rache Erich Honeckers an der alten Bundesrepublik“, meinte Griess zu wissen.

Dass sie sich mit Wladimir Putin so gut verstehe, sei nicht verwunderlich, hätten beide doch im selben Ausbildungsjahrgang gesessen. Merkel müsse sich, so die Forderung des Wortakrobaten, enger an Frankreich anschließen. Doch auch hier sei Vorsicht geboten, sei Frankreich doch für seine Morde an Königen bekannt.

Keine Angriffsfläche

Dies vor Augen seien die französischen Präsidenten der letzten Jahre darauf bedacht, nicht größer als 148 Zentimeter zu werden, um dem Schwert keine Angriffsfläche zu bieten. Robert Griess‘ Programm „Ich glaub‘ es hackt!“ war gespickt mit intelligenten und witzigen Vergleichen. Die Sätze, oft sehr lang und kompliziert, waren für die Gäste im „Komm“ eine Herausforderung. Griess hatte ein informiertes Publikum vor sich, das seine Ausführungen teils direkt kommentierte. Dem Kabarettisten gelang dabei ein humoriges Spiegelbild der aktuellen Weltlage.

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