Kabarettist Norbert Alich: Parforceritt durch die rheinische Geschichte

Von: gkli
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Norbert Alich begeisterte die Besucher mit seinem flotten Bühnenprogramm „Der Rhein, die arme Sau“. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. „So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergehen!“ Norbert Alich schmetterte die vom Mainzer Sänger und Komponisten Ernst Neger geschaffene Hymne im Saal der Fabrik für Kultur und Stadtteil aus voller Kehle. Und die Gäste stimmten mit ein.

Mit diesen Takten waren alle Anwesenden ruckzuck da angekommen, wo sie gedanklich hinreisen sollten: an den Rhein. Den Vater der Republik, der sich in seinem Bett dahinfließend gegen Okkupation von diversen Seiten gar nicht wehren könne. „Der Rhein, die arme Sau“ lautete folglich der Titel des Programms, das der Kabarettist und Sänger Norbert Alich, begleitet von Stephan Ohm am Klavier, dem Dürener Publikum präsentierte.

Alich, bekannt geworden als die Figur Hermann Schwaderlappen, bemerkte: „Immer wieder kümmern sich Leute um den Rhein, die gar nicht von dort kommen.“ So zum Beispiel der Südtiroler Konrad Beikircher. Alich: „Der lebt seit 40 Jahren davon, über den Rhein und die Rheinländer zu sprechen.“

Rheinspezialisten wissen: Es gibt eine „richtige“ Seite (auf der der Kölner Dom steht) und eine nicht richtige Seite. „Dort drüben ist die slawische Steppe, da wollen wir noch nicht drüber sprechen“, raunzte Alich ins Mikrofon. Auch am Essen könne die Rheinseite erkannt werden. Alich: „Forelle in der Eifel ist köstlich. Aber haben Sie die mal im Bergischen Land probiert?“

In einem Parforceritt stob der Kabarettist quer durch die rheinische Geschichte. Und siehe da: Das Rheinland, für Offenheit, Toleranz, vielseitige Kultur und Genügsamkeit bekannt, war bei den Herrschern gar nicht so besonders beliebt. Die Preußen wollten laut Alich diesen Streifen gar nicht besetzen, gaben sich kaum Mühe. Sie hätten zunächst ein paar Zettel an die Bäume geklemmt. „Das lief ab wie die Suche nach einem Hund“, blickte Alich zurück.

Gestenreich steigerte sich der Wort- und Tonkünstler in diese von markanten Figuren und Landschaft geprägte rheinische Welt hinein. Mit passendem Liedgut wie „Einmal am Rhein“ von Willi Ostermann zog er das Publikum mit in den Strudel hinein; in den Sog der Faszination, die den Rhein mit all seiner verklärten und nicht verklärten Romantik auszeichnet. Die Engländer lieben ihn, die Japaner können nicht genug Fotos anfertigen, und selbst auf der Kirmes in Bogotá erklingt laut Norbert Alich „Viva Colonia“.

„Unglaublich, dabei schafft der Rhein eigentlich nur das Wasser von der Schweiz in die Nordsee“, bilanzierte der Kabarettist trocken. Napoleon, Kaiser Wilhelm, diverse Kurfürsten, „pfuschende Katholiken und rechtschaffene Protestanten“: Am Rhein sind sie irgendwie alle schon einmal gewesen. Den Zuschauern gefiel das Porträt der „armen Sau“, die in der ganzen Welt berühmt und beliebt ist, bestens.

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