Kabarettist Hagen Rether: Ein „linksliberaler Öko-Spinner“

Von: Hendrik Buch
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Hagen Rether begeisterte mit viel Witz und Bissigkeit im Haus der Stadt. Foto: Buch

Düren. „Weil sie vor zweieinhalb Jahren Maria und Josef den Stall angeboten hat, wird sie jetzt gesteinigt“, karikierte Hagen Rether den Streit der „sich christlich nennenden“ Schwesterparteien in der Flüchtlingsfrage. Es ist diese deutlich zugespitzte Bildsprache, die Rether auszeichnet.

Immer wieder gelingt es ihm, Probleme unserer Zeit mit Vergleichen und Metaphern treffend auf den Punkt zu bringen. Geschlagene zweieinhalb Stunden philosophierte er im Haus der Stadt in Düren über Politik und Gesellschaft.

Beinahe erstaunlich ist es, dass ihm sein Publikum über einen solch langen Zeitraum an den Lippen hängt. Denn kaum ein anderer erfolgreicher Kabarettist monologisiert derart trocken. Zurückgelehnt im Schreibtischstuhl ist er nicht einmal mit Mimik und Gestik um sonderlichen Kontakt mit dem Publikum bemüht, seinen Flügel nutzt er kaum. Sein wichtigste Requisite ist seine Wasserflasche. Am Ende sind es eben seine Inhalte, die ihm die verdiente Aufmerksamkeit sichern.

Diese sind politisch und konkret, enthalten wenig Unsinn, dafür aber viel Sarkasmus. An seiner Position lässt er keinen Zweifel, nennt sich selbst im positivsten Sinn einen „linksliberalen Multikulti-Ökospinner“ – eine Gattung, die den Politikbetrieb im Stillen bestimmen würde. Energiewende, Tierhaltung, Integration: „Am Ende macht die Politik immer kleinlaut das, was Grüne und Linke schon seit mindestens zehn Jahren fordern“, konstatiert Rether und fragt: „Warum muss es immer erst zur Katastrophe kommen?“

Auch zum Thema Konsum hat der Veganer eine klare Meinung. „Bio muss doch eigentlich normal sein und auf alles andere ein dicker Totenkopf“, beklagt er, dass das Perverse heute Normalität sei. Ausreden lässt er nicht gelten: „Ich kann nicht den Krieg in Syrien ändern, aber wenigstens meinen Konsum.“

So ist sein Kabarett über weite Strecken kein Humor, sondern für Rether bitterer Ernst. Mit kleinen Witzchen und eben den überspitzten sprachlichen Karikaturen erntet er nichtsdestotrotz viele Lacher. Auch liebt er es, kleine zweideutige Sätze immer wieder einzubauen und so zumindest den Anschein eines roten Fadens zu erwecken.

Die Zusammenfassung über den Kabarett-Abend: Wenn ein „linksliberaler Ökospinner“ sein Publikum fragt: „Erwischen sie sich manchmal auch dabei, dass sie froh sind, dass wir Angela Merkel haben?“, sagt das doch schon Einiges aus.

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