Kabarettist Hagen Rether: Charmanter Plauderton mit tieferem Sinn

Von: Christoph Hahn
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Charmanter Plauderer: Kabarett
Charmanter Plauderer: Kabarettist Hagen Rether fesselte seine Zuhörer mehr als drei Stunden lang. Foto: Hahn

Düren. Erst nach anderthalb Stunden greift Hagen Rether erstmals in die Tasten des Klaviers - und nach wenigen Akkorden wird die Welt im Haus der Stadt zu Düren ganz anders.

Binnen weniger Takte hat der Kabarettist aus Essen das Publikum in dem ausverkauften Saal verzaubert - mit seiner Version eines Liebesgedichts von Shakespeare, dem berühmten Sonett „Shall I compare thee to a summers day”. Es hat also etwas auf sich mit dem Titel seines aktuellen Programms, das da „Liebe” heißt. Doch bis Rether, 1969 als Kind von Eltern aus Siebenbürgen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest geboren und in Freiburg/Breisgau aufgewachsen, in die Tasten greift und mit voller Stimme singt, vergeht einige Zeit. Und während das so ist, ist - alles anders.

Aus Prinzip keine Interviews

Denn Rether, der aus Prinzip keine Interviews gibt und sich - so der örtliche Veranstalter, Thomas Lüttgens vom Kulturzentrum Komm, - für kein Geld der Welt in eine Talkshow einladen lässt, ist ein Chamäleon. Darum plaudert er erst mal ganz freundlich vor sich hin und lehnt sich wie ein gemütlicher Gast in den großen Sessel, der da im rechten Winkel zum Flügel auf der Bühne steht.

Nach und nach kommen die mehr oder minder großen Themen dran: FDP im Sinkflug oder die (Nicht-)Zukunft der Atomkraft nach der Katastrophe von Fukushima zum Beispiel. Dann fällt einer der Sätze, die bezeugen, was dem Mann mit dem Pferdeschwanz wirklich wichtig ist. Und wie dieser Satz fällt, ja nachgerade ins Auditorium tropft, ist ganz bezeichnend für Hagen Rethers große Kleinkunst.

„Wir können tausend Mal aus der Atomkraft aussteigen, wenn wir nicht aus unserer Mentalität aussteigen.” Wenn Hagen Rether etwas zu sagen hat, dann schreit er es nicht heraus - er spricht die Kernsätze wie beiläufig, scheint sie fast zu raunen.

So gesehen hat sein charmanter Plauderton einen tieferen Sinn: Wer leise redet, fährt damit automatisch den Aufmerksamkeitsgrad der Zuhörer hoch. Kontraste gibt es trotzdem nicht zu knapp, und abgewatscht wird bei Rethers insgesamt - mit Pause - stolze dreieinhalbstündigem Akt öffentlichen Sinnierens auch nicht zu knapp.

Aber das Wesentliche sind die wie im Vorübergehen ausgeteilten Pointen und Rethers flinker Witz, seine in Charme verpackte geistreiche Art. 2009 war er das letzte Mal vor seinem aktuellen Auftritt in der Kreisstadt. Das nächste Gastspiel kann wohl nach dem Geschmack des Publikums, das immer wieder hingerissen applaudierte, nun nicht rasch genug folgen.
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