Kabarettist Chin Meyer beweist ordentliches Improvisationstalent

Von: km
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Chin Meyer auf der Bühne im „Komm“-Zentrum. Foto: km

Düren. Wer beim Kabarett in der ersten Reihe sitzt, der muss damit rechnen, angesprochenen zu werden. Bei Chin Meyers Programm „Macht! Geld! Sexy?“ ist dann auch noch eine mehr oder weniger realistische Selbsteinschätzung gefragt.

 Demnach waren am Donnerstagabend im „Komm“-Kulturzentrum einflussreiche Gäste zugegen. So zum Beispiel Ute, Angestellte im Einzelhandel, die sich auf der Machtskala von eins bis zehn definitiv als neun sah oder Manfred, eigentlich Schwabe, der ganz dem Klischee getreu sein Einkommen nur mit einer Drei auf der Geldskala bezifferte.

Gleich zu Beginn bestach Meyers Programm durch diese Nähe zum Publikum. Er schaffte es durchweg alles, was die Zuschauer ihm erzählten, für den einen oder anderen Witz in seine Performance einzubauen. So bemängelte er zum Beispiel, dass sein iPhone ihm seit neustem ja immer mehr Informationen mitteilen würde. Zum Beispiel, dass er heute schon wieder zu wenig Schritte gelaufen sei. Das wäre doch für alle, außer natürlich der anwesenden Walkinggruppe aus Düren, nur deprimierend.

Aber auch vor den großen Themen aus der Politik und Finanzwelt schreckte der Kabarettist nicht zurück. Zur anstehenden Bundestagswahl mussten Parteien und Politiker gehörig einstecken. Mit Schärfe, Biss und Humor, der immer genau ins Schwarze traf, schaffte Meyer es auch heiklen Themen einen Lacher zu entlocken. So setzte er sich vehement für die „Befreiung“ der USA ein. „Die Amerikaner helfen ja auch immer gerne anderen Ländern mit schlechten Regierungen“, sagt er. „Jetzt müssten wir ja eigentlich auch mal was zurückgeben.“

Kein Blatt vor den Mund

Außerdem ging es zurück zu Meyers musikalischen Wurzeln, zwischenzeitlich war er nämlich auch mal Musicaldarsteller und „Unternehmer“ mit seiner menschlichen Juke-Box. Zum Thema Brexit präsentierte er somit kurzerhand ein Medley bekannter britischer Hits wie „Tell me why I don’t like Brexit“ oder „Don’t go Brexit my Life“. Auch zum Thema Flüchtlinge nahm Meyer kein Blatt vor den Mund. Schließlich seien ja alle irgendwie mal von irgendwo geflohen. „Die Sachsen zum Beispiel“, sagt er. „Die waren mal niederländische Piraten. Also wenn mein Holländisch mit der Zeit so schlecht geworden wäre, dass es jetzt wie Sächsisch klingt, wäre ich mal ganz leise.“

Chin Meyer brillierte mit Schlagfertigkeit, Wortgewandtheit und Spontanität. Er traf immer den Nagel auf den Kopf und sorgte so für enthusiastische Lacher. Und auch wenn der Humor zeitweise etwas schwarz wurde, oder vielleicht gerade deshalb, schaffte Meyer einen durchweg unterhaltsamen Abend.

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