Düren - Kabarett: Mit Lavendel gegen den Verwesungsgeruch

Kabarett: Mit Lavendel gegen den Verwesungsgeruch

Von: Stephan Johnen
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Die Ruhe bewahren? Das ist nicht sein Ding. Wilfried Schmickler regt sich gerne und gekonnt auf. Zur Freude seines Publikums. Foto: Johnen

Düren. Von der Zukunft erwartet Wilfried Schmickler nicht allzu viel. „Das neue Jahr ist drei Tage alt, da geht es einem schon auf die Eier”, polterte der Kabarettist am Mittwochabend im ausverkauften Dürener Haus der Stadt.

Genussvoll zerschlug er gleich zur Begrüßung ein Dutzend Eierköpfe aus Politik, Landwirtschaft und Industrie, um ein toxisches, aber mit Tiefpreisgarantie versehenes Dioxin-Omelette zuzubereiten. Was für sogenannte Lebensmittel gelte, könne auch auf das gesamte Leben überragen werden: Solange alles ums Verrecken billig ist, und es anderen Menschen noch schlechter geht als einem selbst, ist das Leben - individuell betrachtet - doch lebenswert.

Hauptsache Wachstum

Herzlich willkommen im Land der Weggucker, Nicht-Hinterfrager und Ruhe-Bewahrer. Hand aufs Herz, fragte Schmickler sein Publikum, warum denn Missstände anprangern und ernsthaft etwas ändern wollen? Leiharbeit, Kurzarbeit, Hartz-IV, Bildungsnotstand: „Es läuft doch! Weiter, immer weiter!”, sang Schmickler. „Wir pfeifen aus dem letzten Loch, doch solange wir pfeifen, geht es doch noch.”

Lieber denen weniger geben, bei denen ohnehin nichts mehr zu holen ist. Aufmucken werde schon niemand. „Hauptsache Wachstum”, gab er die Direktive aus. Und die stärksten Wachstumsmotoren seien nicht Fleiß, Bildung oder Glauben, sondern Neid, maßlose Gefräßigkeit und Habgier. Wohl bekommt´s.

Wer sich ernsthaft Gedanken über die Lage der Nation mache, dem empfahl Schmickler ein Angela-Merkel-Mantra: „Mutti wird´s schon richten!” Das Prinzip Aussitzen habe sich im Zusammenleben der Menschen bewährt: Wenn irgendwo ein unbekannter Nachbar im Mehrfamilienhaus hinter seiner verstärkten Tür verwest, bewirke großzügig verteilter Lavendel-Raumduft im Flur schließlich auch Wunder. Problem gelöst.

Rhetorisch beherrscht Wilfried Schmickler den Holzhammer ebenso wie das Skalpell. Polemisch, hintergründig, anklagend, hinterfragend: Manchmal müssen Schwarz und Weiß wohl so sehr betont werden, damit die Graustufen sichtbar werden. Die geistreiche Sentenz und der platte Witz gehören ebenso zum Repertoire wie die stahlharte Randnotiz, die Schmicklers Zuhörer zusammenzucken lässt.

„Warum denn so verkrampft?”, fragte er dann ins Publikum. „Machen Sie es wie die Kinder dieses Landes. Nehmen sie eine Hand voll Ritalin.” So läuft es schließlich in der Welt. Weiter, immer weiter! Bis der Karren gegen die Wand gefahren ist.
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