Kabarett bei Dürener Selbsthilfegruppe für Muskelerkrankte

Von: kin
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Eine muntere Truppe: der Dürener „Kontakt- und Gesprächskreis für Muskelerkrankte“ trifft sich regelmäßig im Thomas-Morus-Haus. In der Regel nehmen rund zehn Betroffene an den Treffen teil. Foto: kin

Düren. „Wir lachen gerne – auch über uns!“ Wenn man Birgit Kalwitz (43) ansieht, glaubt man ihr diesen Satz sofort. Die 43-Jährige hat spinale Muskelatrophie Typ II, eine seltene Art von Muskelerkrankung. Die Sachbearbeiterin des städtischen Jugendamtes ist eine von nur zehn Frauen mit dieser Erkrankung weltweit, die ein Kind zur Welt gebracht haben.

 Und sie ist Sprecherin des Dürener „Kontakt- und Gesprächskreises für Muskelerkrankte“. Schon lange engagiert Birgit Kalwitz sich bei der „Deutschen Gesellschaft für Muskelerkrankte“ (DGM), vor anderthalb Jahren hat sie den Dürener Kontaktkreis gegründet. „Meine Selbsthilfegruppe ist für mich eine große Sache. Gerade als ich schwanger war, wurde mir da viel geholfen.

Und deswegen war es mir auch ein Anliegen, in Düren ebenfalls eine Gruppe zu etablieren.“ Der Kontaktkreis ist offen für Betroffene, aber selbstverständlich auch für deren Angehörige. Bei manchen ist die Krankheit schon ziemlich weit fortgeschritten, anderen haben gerade erst die Diagnose erhalten. Birgit Kalwitz: „Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: ‚Wer über sein Leid spricht, tröstet sich selbst.‘ Und das stimmt auch. Und genau das tun wir auch in unserer Selbsthilfegruppe.“

Damit möchte Birgit Kalwitz nicht sagen. dass sie und ihre Mitstreiter pausenlos jammern. Im Gegenteil. Die Menschen, die sich im Thomas-Morus-Haus versammelt haben, machen alle einen fröhlichen Eindruck. „Erfahrungsaustausch ist das Entscheidende“, sagt Birgit Kalwitz. „Hier bei uns hört man sehr oft den Satz: ‚Wie machst du das? Wie war das bei dir?‘ Und dann reden wir.“

Menschen mit Muskelerkrankungen sind häufig auf einen Rollstuhl und andere Hilfsmittel angewiesen. Birgit Kalwitz: „Ich berate die Mitglieder auch, wenn Anträge, zum Beispiel für einen Badewannenlift oder eine Kur, nicht bewilligt werden. Und solche Ablehnungen gibt es ganz oft. In der Gruppe bekommen die Leute Tipps für die Widersprüche und auch für mögliche Klagen.“ Und sie bekommen Mut zu kämpfen. „Es ist einfach gut zu sehen, dass es Menschen gibt, die die gleichen Schwierigkeiten haben. Ich sage immer, dass es sich auf jeden Fall lohnt zu kämpfen. Auch wenn es ein langer und sehr schwerer Weg ist.“

Manchmal gibt es im Rahmen der Gruppentreffen aber auch besonderes Programm, zuletzt war der einarmige Kabarettist Martin Fromme bei der Gruppe zu Besuch. Birgit Kalwitz: „Ich bin ja davon überzeugt, dass durch Humor Berührungsängste abgebaut und Tabus gebrochen werden. Aber den Humor von Martin Fromme muss man mögen.“ Der Kabarettist scherzte abgrundtief böse über Blinde, Gehörlose und „Unvollständige“. „Der Abend hat uns allen besonders gut getan“, so Birgit Kalwitz. „Weil wir wieder erfahren konnten, dass auch ein Leben mit Muskelerkrankung lustig und eben auch verdammt schön sein kann.“

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