Junge Musiker spielen in der Remise mit Feuer

Von: Bruno Elberfeld
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Auf der erweiterten Bühne der Remise von Burg Langendorf spielte das Landesjugendorchester NRW ein furioses Konzert. Foto: Bruno Elberfeld

Langendorf. Auf Burg Langendorf bestimmten für mehrere Stunden Jugendliche das Leben in und außerhalb der Remise. Denn das Landesjugendorchester (LJO) NRW gab unter der Leitung von Sebastian Tewinkel ein beeindruckendes Konzert, das den vielen Gästen in der Remise noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Die Frage nach dem Warum könnten die Besucher mit Leichtigkeit beantworten: Die jungen Leute zwischen 14 und 21 Jahren präsentierten sich und die Musik authentisch und selbstbewusst. Viele würden den Worten von Maestro Jukka-Pekka Saraste, dem Chefdirigenten des Sinfonieorchesters des Westdeutschen Rundfunks, folgen wollen, der über das LJO gesagt hat: „Sie sind gut. Sie spielen mit Feuer.“

Dirigent Tewinkel konnte solche Worte mit sichtlicher Freude bejahen. „Die Arbeit mit den jungen Menschen macht mir trotz aller Verantwortung große Freude“, sinnierte er. Und er nannte Gründe: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wollten Neues ausprobieren und ihre Grenzen ausloten. Immer seien da Neugier und Lust vorhanden, etwas zu machen. Technisch – so Tewinkel – seien sie schon auf einem hohen Niveau. „Das Einzige, was ihnen fehlt, ist die Erfahrung“, schloss der Mann mit dem Dirigentenstab.

In der ersten Hälfte des Konzerts nahm das Orchester die Menschen in der Remise mit auf eine Weltraumreise. Die Komposition „Die Planeten“ stammt aus der Feder des Komponisten Gustav Holst (1874 – 1934). Holst lädt die Hörer zu einem Trip zu den Planeten unseres Sonnensystems ein.

Dirigent Tewinkel hat dieses 60-minütige Mammutwerk bewusst gewählt, weil es – wie auch die beiden folgenden Werke – einer großen Besetzung bedarf. Somit kann er viele Jugendliche einsetzen. In den städtischen Jugendorchestern besteht da ob der begrenzten Besetzung kaum eine Möglichkeit, so ausladende Partituren zu realisieren.

Der Planet Mars, Namensgeber für den römischen Kriegsgott, kommt bedrohlich daher. Der Satz gestaltet sich wild und kämpferisch. Dissonanzen verwirren den Hörer. Planet Venus, der Göttin der Liebe und des Friedens geweiht, lässt in der bedrohlichen Dunkelheit etwas Helligkeit durchscheinen. Merkur ist die nächste Station. Leise tändelnd scheint Götterbote Merkur das Leben zu genießen.

Jupiter dominiert die Welt. Unbekümmert und laut ziehen die Instrumente ihre Jupiter-Bahn. Planet Saturn rät zum Nachdenken. Das Leben – so seine Botschaft – ist vergänglich. Tod und Alter sind nicht aufzuhalten. Monotone Melodien erinnern an die Endlichkeit des Lebens. Uranus hinwieder verzaubert mit seinen magischen Momenten. Hüpfende Clownerien sind aus dem Getöse der Trommeln und großen Blechblasinstrumente zu vernehmen.

Der Neptun wird durch lange, anhaltende Melodien verdeckt. Für den Hörer bleibt vieles im Verborgenen. Mystisches verbirgt die Wahrheit. Und zum Schluss ist da eine leise Bandeinspielung: ein Frauenchor, der nur summt, ohne Worte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung herrschte Krieg, „Star Wars“, der Krieg der Sterne. Das LJO brachte die Filmmusik von John Williams (1932) mit den Themen „Main Title“, „Prinzessin Leia“, „The Imperial March“, „Yoda“ und „Throne Room“. Für Kinogänger sind das keine unbekannten Melodien. Die Musiker agierten mit Akribie, furios und wild, kaum vergesslich für empfindlichere Ohren.

Zwischen die beiden großen Werke hatte Sebastian Tewinkel eine Komposition von Charles Ives (1874-1954) gepackt. „The Unanswered Question“ (Die unbeantwortete Frage) ist ein leises Werk, das Ives Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben hat. Es gehört in die Reihe der Kompositionen der „Klassischen Moderne“.

Langgezogene, technisch anspruchsvolle, choralartige Streicherakkorde erzeugen ein geheimnisvolles Klangbild. Eine Solotrompete stellt hinter dem Publikum eine Frage. Sechs Bläser schräg gegenüber geben dissonante Antworten. Fragen und Antworten werden lauter, aggressiver – ein Abbild der Gesellschaft, die Fragen hat, aber keine oder nur unverständliche Antworten bekommt.

95 Musiker haben unter der Leitung von Sebastian Tewinkel ein Konzert inszeniert, das mit einigen Passagen unter die Haut ging. Die Konzerte in der Remise auf Burg Langendorf werden ermöglicht durch die „Manfred Vetter-Stiftung für Kunst und Kultur“.

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