Junge Musiker meistern die schwierigen Passagen

Von: Bruno Elberfeld
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Heribert Koch (oben) freute sich mit den Kursteilnehmern über das gelungene Abschlusskonzert. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. „Wo soll das noch hingehen?“ Der ältere Herr ist sich wohl bewusst, dass auch Experte Johannes Esser, Chef der Cappella Villa Duria und damit – zusammen mit der Evangelischen Gemeinde zu Düren – zum vierten Mal Kooperationspartner des „Internationalen Klavier-Meisterkurses“ unter der Leitung von Professor Heribert Koch, nicht beantworten kann.

Heribert Koch hatte wieder einmal ein Programm gestrickt, das das Publikum mit spontaner Begeisterung aufnahm. Koch moderierte das Konzert, gab zu jedem Werk eine wortgewandte Einführung, stellte die Pianisten vor und fädelte auflockernde Anekdoten ein. „Ich bin zwar der Meister“, stellte der Langerweher Musikprofessor sich selbst vor, „aber ich kann nichts dafür.“

Er agiere als „Erster unter Gleichen“. Alle Teilnehmer des Kurses lernten voneinander, ergänzte Koch. Ein hervorragendes Beispiel dafür sei seine Kollegin, Musik-Professorin Danica Stojanova aus Mazedonien, die als Schülerin an dem einwöchigen Kurs teilnahm.

Danica Stojanova eröffnete das Abschlusskonzert mit Sergej Rachmaninows „Etudes-tableaux“. Mit weichem, gefühlvollen Anschlag brachte die Pianistin die Hörer zum Träumen, bevor sie schnell und virtuos, langsam und zurückhaltend, Emotionen weckte, wie es überragende Pianisten als Interpreten hervorstechender Kompositionen weltweit machen.

Selbstbewusster Zugriff

Nikol Tuka, ein Dreizehnjähriger aus Albanien, lenkte die Abschlussveranstaltung mit Beethovens „Sonate d-Moll“ mit schon reifer Leistung und selbstbewusstem Zugriff auf die schwarz-weißen Tasten in ruhigere Gewässer. Orenc Graca, ebenfalls aus Albanien, folgte mit Rachmaninows „Elegie op. 3 Nr. 1“ gekonnt und mit einer der Komposition angemessenen Gestik. Virtuos spielte Graca von Peci „Der junge Reiter“, ein Gegenentwurf zum düsteren Rachmaninow, mit starken Wechseln von Laut zu Leise, von schnell zu langsam.

Nicht fehlen durfte im Reigen der Tondichtungen Frederic Chopin. Danica Mae Antazo (Philippinen) malte mit der „Nocturne cis-Moll op. 27“ ein Bild, das meditativ Fragen nach dem Sinn des Lebens stellte. Robert Schumanns „Sonate Nr. 2 g-Moll“ bildete wiederum den Kontrast zu Chopin. Iva Zurbo aus Albanien legte in ihre Darbietung alle Leidenschaft, die Schumann für sein Werk gefordert hatte. Crescendi und Decrescendi, fantastische Tempi-Wechsel ließen Erstaunliches erleben.

Arda Mustafaoglou (Mazedonien) interpretierte technisch brillant und einfühlsam mit Prokofjews „Sonate Nr. 2 g-Moll“ (1. Satz) die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Dumpfe, schwere Melodien erzählten von Leid und Gewalt.

Tetiana Grabovska (Ukraine)setzte sich mit Brahms „Sonate C-Dur op. 1 (Allegro) auseinander. Sie setzte deutsches Liedgut perfekt in Szene, meisterte virtuos die schwierigen Passagen mit viel Gefühl für den Spannungsbogen von Freude bis hin zur Schwermut.

„Ondine“ aus „Gaspard de la nuit“ von Maurice Ravel: Fatjona Maliqi aus dem Kosovo wurde dem von Märchenhaftem durchdrungenen Stück mehr als gerecht. Die Pianistin lenkte von der unglaublich schwierigen Technik mit anmutigen, grazilen Bewegungen ab und ließ so die Komposition als leicht erscheinen.

Die Welt des Orients

Armen-Levon Manaseryan aus Armenien bot Schumanns „Arabeske op. 18“. Der Hörer sah vor sich arabeskenhafte Ornamente aus der Welt des Orients. Es fand ein dauernder Wechsel zwischen beruhigenden Melodien und ausschweifenden, nahezu überfallartigen Ausdrucksformen statt. Heribert Koch und seine Schüler hatten an das Ende des Konzerts wieder zwei Gegensätze gesetzt. Das „Intermezzo h-Moll op. 119 Nr. 1“ von Johannes Brahms und Maurice Ravels „La Valse“. Diese Schlussakkorde zauberte Rhythmie Wong aus China auf den Flügel. Brahms Intermezzo berichtete von der Leichtigkeit des Seins, stellte Fragen, oft zart und gehaucht.

„La Valse“ oder auch „Der Walzer“, eine Tanznummer? Nicht nur, denn Ravel lässt die Habsburgische Monarchie mit den Erinnerungen an den Untergang Österreichs aufleben. Heribert Koch verwies darauf, dass „La Valse“ ursprünglich ein Werk für Orchester ist. Deshalb auch die groteske Anmerkung des Komponisten in seinem Arrangement für Klavier: „Werk für drei Hände.“

Warum nur Studierende außerhalb Deutschlands in seinen Meisterkursen auftauchen? Antwort des Meisters: „Je schwieriger die Lebensbedingungen in einem Land sind, desto größer ist oft der Leistungswille.“

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