Junge Japaner träumen in Düren vom Profifußball

Von: Jörg Abels, Thorsten Pracht und Franz Sistemich
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Spielt seit der Rückrunde der Saison 2014/2015 bei Sportfreunde Düren: Kohei Meguro. Foto: Abels
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Gert Engels will jungen Japanern in Düren den Traum vom Profifußball verwirklichen. Foto: Jörg Abels

Düren. Sie heißen Tamura, Takizawa, Ishikawa und Abé – junge Japaner, die von einer Karriere als Fußball-Profi träumen. Mit seiner Fußballschule „Soccer Life“ bietet ihnen der Dürener Ex-Fußball-Profi und Trainer Gert Engels die Chance, bei einem Fußballclub in der Region Fuß zu fassen und sich damit höherklassigen Vereinen zu empfehlen.

Im Idealfall schaffen sie den Sprung in die 3. oder 4. Liga. Paradebeispiel ist der 21-jährige Taku Ito, der 2014 zunächst für Sportfreunde Düren kickte, dann aber den Talentspähern von Alemannia Aachen auffiel und einen Vertrag für die Regionalliga erhielt.

So kommt es, dass in diesen Tagen wieder vermehrt junge Japaner als Gastspieler das Trikot eines Dürener Clubs überstreifen und versuchen, den Trainer von ihren spielerischen Qualitäten zu überzeugen – zum Beispiel während der Stadtmeisterschaft vor wenigen Tagen in Arnoldsweiler. Bernd Lennartz, Trainer des FC Düren-Niederau, gab gleich mehreren Japanern die Chance, sich zu empfehlen. Nicht alle schaffen auf Anhieb den Sprung in eine Landes- oder Mittelrheinliga-Elf. Auch der FCN hat bislang Abstand von einer Verpflichtung der Testkandidaten genommen.

Zwei Spieler aber haben auch in dieser Saisonvorbereitung bereits bei Germania Burgwart einen Vertrag erhalten, „vielleicht auch noch ein Dritter“, einer kickt in der kommenden Saison für den GFC Düren 99, andere beim FC Inde Hahn und SV Rott.

„In Japan ist es durchaus üblich, in die berufliche Zukunft zu investieren“, erklärt Engels, der von 1990 bis 2008 als Trainer in Japan tätig war und im Land der aufgehenden Sonne immer noch einen guten Ruf genießt. Also wird auch in den Traum einer Fußballkarriere investiert. Seit etlichen Jahren ist Brasilien bereits das Ziel ambitionierter Jungkicker, andere haben auch über Mund-zu-Mund-Propaganda von Engels und seiner Fußballschule gehört und kommen neuerdings nach Düren. „Deutschland ist für die jungen Japaner etwas Besonderes“, weiß Engels.

Er nimmt die 18- bis 22-Jährigen in zwei Häusern gegen eine moderate Gebühr, wie er betont, bis zu drei Monate in seiner Fußballschule auf, Kost und Logis inklusive. Er kümmert sich mit Unterstützung des Merzenicher Ehepaars Harry und Ute Neumann um Visafragen und Behördengänge, bringt den jungen Japanern die deutsche Sprache und Kultur näher, vor allem aber trainiert er mit den ambitionierten Kickern und organisiert für sie Probetrainings bei Vereinen. Auf eines legt der 58-Jährige dabei großen Wert: „Ich bin kein Spielervermittler und bekomme kein Geld von den Vereinen.“

Spätestens nach drei Monaten muss klar sein, wohin die Reise geht. Dann müssen die jungen Japaner die Fußballschule verlassen und auf eigenen Füßen stehen, auch wenn sie Gert Engels weiterhin um Rat fragen können. Mit Unterstützung der Eltern, eventuell einer Arbeitsstelle und der finanziellen Zuwendung oder einer Wohnung des Vereins aber müssen sie ihr Leben in Deutschland selbst organisieren. Spätestens nach einem Jahr sollte dann klar sein, ob sie den Sprung zu einem höherklassigen Verein schaffen oder am besten wieder nach Hause zurückkehren, betont Engels. „Da bin ich auch ehrlich zu den Jungs und sage, wenn es keinen Sinn mehr macht.“ Die Auslandserfahrung kann ihnen keiner mehr nehmen und sie kann bei der Berufswahl von Vorteil sein. Auf der anderen Seite, weiß Engels, „haben Jungs, die bei uns in Deutschland vielleicht nur Landesliga gespielt haben, durchaus die Chance, in Japan Profi zu werden“.

Gert Engels betreut aber nicht nur junge Erwachsene. Auch Jugendspieler unter 18 Jahren nimmt er in seiner Fußballschule auf. Sie verbringen dann ein Auslandsjahr in Deutschland, leben in Gastfamilien, gehen neben dem Fußballtraining ganz normal zur Schule, lernen die deutschen Sprache und Kultur kennen. Insgesamt hat Engels 23 Plätze. Bevor er einen Schützling aufnimmt, informiert er sich ganz genau über ihn. „Meistens zeigt mir ein Blick auf seine bisherigen fußballerischen Stationen, ob er in Deutschland eine Chance hat oder nicht.“ Sein größter Wunsch wäre natürlich, wenn einer seiner Schützlinge einmal den Sprung nach ganz oben schafft. Das wäre für das Renommee wichtig. Talentiert sind viele.

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