Jugendhilfe Rheinland eröffnet traumapädagogische Intensivgruppe

Von: Sarah Maria Berners
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Ein klar strukturierter Alltag ist für die Kinder der traumapädagogischen Intensivgruppe sehr wichtig. Foto: Sarah Maria Berners

Obermaubach. „Je früher traumatisierte Kinder in einem geschützten Raum leben, desto besser ist das für die Heilung ihrer Seele“, sagt Thomas Klütsch von der Jugendhilfe Rheinland. Klütsch leitet eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche in Euskirchen, die am Freitag eine traumapädagogische Intensivgruppe in Obermaubach eröffnet hat.

Dort werden in Zukunft bis zu sieben Kinder wohnen, denen schon früh in ihrem Leben Schlimmes wiederfahren ist – Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung. „Es sind Kinder, deren erste Bezugspersonen sie nicht schützen konnten“, beschreibt Klütsch. Kinder, bei denen die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sei, dass sie ohne Hilfe in einem Alter von 14, 15 Jahren „massiv auffällig“ würden. „In der traumapädagogischen Intensivgruppe geht es um Stabilisierung. Die Kinder sollen die Angst verlieren, neue Bindungen einzugehen“ erklärt Henriette Münch von der Jugendhilfe. Sie sollen wieder lernen, anderen Menschen zu vertrauen. Drei Kinder leben schon in Obermaubach.

In Gey wurde bereits vor drei Jahren eine solche Wohngruppe im alten Amt eingerichtet. Dort sind auch Kindergartenkinder untergebracht. „Anfangs gab es leichte Skepsis in der Nachbarschaft“, erinnert sich Klütsch. Die Einrichtung war schließlich etwas Neues, etwas Unbekanntes. Aber die Gruppe sei schnell im Dorf angekommen. Es gebe viel Unterstützung, zum Beispiel vom Team des Bergsteiner Weihnachtsmarktes, das in diesem Jahr Spenden für die neue Gruppe sammelt. In Obermaubach hätten die Mitarbeiter schon Kontakte geknüpft: Als der Herd kaputt war, hat eine Nachbarin kurzerhand für die Kinder gekocht.

Schritt für Schritt soll das Gebäude in Obermaubach belegt werden. Unter anderem ist es als Nachfolgeeinrichtung für die älteren Kinder aus Gey gedacht. Während die Einrichtung in Gey noch etwas abgeschotteter ist, geht es laut Klütsch in Obermaubach auch darum, dass die Kinder, die so weit sind, zum Beispiel Kontakte zu Vereinen suchen. „Freundliche Nachbarn sind ein gutes Umfeld für die Kinder. Es ist wichtig, dass sie in einem angstfreien Umfeld leben. Da ist eine dörfliche Gemeinschaft von Vorteil“, erklärt Klütsch. Ohne Erlaubnis darf aber niemand das Gebäude der Wohngruppe betreten. Es gibt Schutz im zweifachen Sinne: nach innen und nach außen.

„Alles, was getan werden soll, ist es wert, gut getan zu werden“, lautet eine Maxime von Aristoteles, an der sich auch die Jugendhilfe orientiert: Auf sieben betreute Kinder kommen sechs Mitarbeiter, die traumapädagogisch ausgebildet worden sind oder werden. Eine Hauswirtschafterin zaubert das Essen auf den Tisch, „denn vieles geht ja auch durch den Magen“, erklärt Klütsch. Von dem Haus, dem ehemaligen „Naturfreundehaus“, ist das Team begeistert.

Der Alltag dort ist klar geregelt, es wird gemeinsam gefrühstückt, danach steht der Schulbesuch an. Dafür hat die Jugendhilfe Kontakte zu Schulen gesucht und dort auch Fortbildungen angeboten. Nach dem Mittagessen und den Hausaufgaben gibt es ein täglich wechselndes, aber im Kern wöchentlich wiederkehrendes Angebot vom Kreativtag bis zum Gartentag und dem Tag der Sinneswahrnehmung. „Wenig Leerlauf und ein strukturierter Alltag sind sehr wichtig. Sie sollen den Kindern Sicherheit geben“, erklärt Bereichsleiterin Sarah Eichhorst.

Außerdem stehen Therapien auf dem Plan, von Einzelberatungen über Bewegungs- und Musiktherapie bis hin zu Meditation. Ein Gebäude mit 400 bis 500 Quadratmetern Wohnfläche brauche man für diese Betreuungsform. Sie soll den Kindern helfen, wieder an das Gute im Leben zu glauben. Denn ihnen wurde das Vertrauen früh geraubt.

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