Jugendarbeit: Mitmachen und Dabeisein sind das A und O

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
hürtgenjugend3_140
Beste Stimmung auf der Skateanlage in Gey. Ehrenamtliche Helfer kümmern sich unter anderem dort um die Kinder und Jugendlichen der Gegend. Foto: Tobias Röber

Hürtgenwald. Der Schrecken steht ihm ein klein wenig ins Gesicht geschrieben. Als Florian die kleine Rampe hinunterfährt, gerät er ordentlich ins Schlingern und stürzt schließlich. Einen kurzen Moment zögert er, dann weicht der ängstliche Blick einem schelmischen Grinsen. „Gut, dass ich die Schoner trage”, sagt der Achtjährige, rappelt sich auf und saust auf dem Skateboard wieder davon. Sara Jungherz und Sonja Kersting betrachten das Geschehen entspannt - weil Florian nicht verletzt und einsichtig ist.

Florian ist eines von 1200 Kindern und Jugendlichen, die die beiden Jugendbetreuerinnen pro Jahr in der Gemeinde Hürtgenwald erreichen. Ein großes Gebiet, das einen großen Berg Arbeit erfordert. Viel ist schon geschehen, aber Jungherz und Kersting haben noch viel mehr vor.

„Jobsharing”-Modell

Die Arbeit teilt sich das Duo seit rund zwei Jahren in einem sogenannten „Jobsharing”-Modell. Sara Jungherz betreut in 25 Wochenstunden den Nachwuchs in Brandenberg, Kleinhau, Bergstein und Straß, Sonja Kersting in 13,5 Stunden Vossenack und Hürtgen. Die Orte Gey und Großhau teilt sich das Team. Sieben Jugend- und drei Kindertreffs betreuen sie. Geht es nach den Jugendbetreuerinnen, kommen weitere hinzu, etwa in Zerkall. Dort erreichen sie bislang nur sehr wenige Kinder und Jugendliche. Das soll sich ändern. Sara Jungherz weiß auch wie: „Partizipation ist ein entscheidendes Kriterium. Die Kinder werden immer wieder in Entscheidungen für die verschiedenen Aktionen einbezogen.”

Die Wochenarbeitszeit reicht natürlich bei weitem nicht aus. Deshalb binden sie Jugendliche in sogenannten Jugendvorständen in die Arbeit ein. Dezentraler Ansatz nennen Kersting und Jungherz die Beteiligung möglichst vieler Jugendlicher als ehrenamtliche Helfer. „Uns hauptamtlichen Fachkräften ist es wichtig, dass die Jugendlichen sich untereinander kennen, Ideen austauschen, Anregungen über andere Einrichtungen erfahren und lernen, dass viele Probleme eines Jugendtreffs identisch mit denen einer anderen Einrichtung sein können. Oft tragen solche Treffen auch zu einer Art sozialer Kontrolle innerhalb der Jugendtreffs bei”, erklärt Jungherz. So profitieren alle Seiten.

Ehrenamtliche Helfer sind unersetzlich. Helfer wie Patrick Klein, der in den Osterferien Kinder in Gey in die Skatekünste einweiht. „Ich habe hier schon ganz viele Tricks gelernt”, sagt Besian und lacht. Zum Beweis setzt der Zwölfjährige zu einem Sprung an und meistert das kleine Kunststück. Sekunden später steht er dann wieder beinah andächtig am Rand und schaut Patrick Heinen zu. Der offene Mund Besians bei den Sprüngen des 19-Jährigen zeugt von Bewunderung.

Aber deswegen ist Patrick Klein keineswegs als Helfer dabei. Der 19-Jährige ist in Gey großgeworden, mittlerweile lebt er in Düren. Er kommt immer gerne zurück. Vor allem auf die örtliche Skateanlage. „Vor einigen Jahren haben wir die Rampen bekommen und konnten auf dem Platz viel üben. Jetzt will ich etwas zurückgeben”, sagt er.

Stephan Schlepütz wohnt in Gey und hilf ebenfalls gerne. „Wir dürfen die Kinder nicht allein lassen, wir müssen sie von der Straße holen, damit sie etwas Sinnvolles machen”, betont der 35-Jährige. Mit Skaten und Graffiti hat er bei den Jugendlichen gute Karten.

Florian, Besian und all die anderen werden noch viele Stunden üben müssen, bis sie auch so gut skaten wie Patrick Klein. Sara Jungherz und Sonja Kersting würde es schon reichen, wenn sie Besian und seine Freunde noch möglichst lange erreichen. Und wenn die Kinder dann später vielleicht auch ein Ehrenamt in der Gemeinde übernehmen, um die Jugendarbeiterinnen noch weiter zu entlasten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert