Düren - Jugendamt benötigt zwei Millionen Euro mehr im Jahr

Jugendamt benötigt zwei Millionen Euro mehr im Jahr

Von: Stephan Johnen
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Ansgar Kieven ist Leiter des Dürener Jugendamtes. Foto: Johnen

Düren. Die Kosten für die Jugendhilfe in der Stadt Düren steigen weiter. Im Entwurf des Doppelhaushalts 2014/15 rechnet das städtische Amt für Kinder, Jugend und Familien mit jeweils etwa zwei Millionen Euro Bedarf mehr als noch im Jahr 2013. Etwa 20,3 Millionen Euro wird die Stadt damit jährlich aufwenden. „Wir können eine Dämpfung der Kosten erreichen“, prognostizierte Bürgermeister Paul Larue, „aber eine Reduzierung werden wir nicht erreichen.“

Zwei Hauptpunkte seien für die steigenden Ausgaben verantwortlich, bilanzierte Larue. Der Ausbau der U3-Betreuung, der auch die Betriebskosten „erheblich in die Höhe gehen lässt“, sei politisch gewollt. Nicht gewollt seien hingegen die steigenden Kosten bei der Hilfe zur Erziehung in der Jugendhilfe. „Wir sind eine Mittelstadt mit der Sozialstruktur einer Großstadt im Ruhrgebiet. Das schlägt sich auch in der Budgetplanung nieder“, sagte Larue. Dass die Kosten für Erziehungshilfen und Heimunterbringungen landes- und bundesweit erheblich gestiegen sind, sei dabei „kein Trost“.

„Unsere Gegensteuerungsmaßnahmen zeigen eine gewisse Wirkung“, ging Jugendamtsleiter Ansgar Kieven auf das in der Vergangenheit zusätzlich eingestellte Personal und einen Ausbau der sogenannten frühen Hilfen ein. Die generelle Fallzahlenentwicklung sei in der Stadt relativ stabil, die Zahl der Heimunterbringungen sei von 200 Fällen im Jahr 2009 auf 131 Fälle im Jahr 2013 gesunken. Bei Kosten für eine Heimunterbringung von etwa 300 Euro pro Tag und Kind sei eine Entlastung des Budgets möglich gewesen. Steigende Kosten für Hilfsangebote würden die Einsparungen aber übertreffen.

Ein weiteres Problem sei der hohe Krankenstand gewesen, bilanziert Kieven. „Wir haben zwar zwölf neue Mitarbeiter, aber im Schnitt 16 Mitarbeiter waren krankgeschrieben“, rechnete er vor. „Unter dem Strich hatten wir vier Mitarbeiter weniger.“ Die krankheitsbedingte Abwesenheit von zwei Mitarbeitern im Pflegekinderdienst habe seit Juni zu verstärkten Heimunterbringungen geführt. Kostenpunkt: 320.000 Euro. Kieven schlägt der Politik vor, zwei zusätzliche Fachkräfte einzustellen, um die Unterbringung von Kindern in geeigneten Pflegefamilien ausbauen zu können.

Mehrausgaben von etwa 90.000 Euro setzt er Einsparungen von etwa 650.000 Euro entgegen. „Da viele Krankmeldungen nur für zwei oder drei Wochen ausgestellt worden sind und immer verlängert wurden, haben wir keine Vertretungen einstellen können“, erklärt Kieven, wie sich der hohe Krankheitsstand aufgebaut hat. Angesichts des akuten Fachkräftemangels sei es generell schwer, Mitarbeiter für zeitlich befristete Vertretungen zu finden.

Der Jugendamtsleiter ist überzeugt, dass die Stadt Düren mit ihrem Modell auf dem richtigen Weg ist. „Es muss unser Ziel sein, die Fallzahlen zu reduzieren“, sagte er. Mit 2600 Beratungen und 2200 Hilfen zur Erziehung liege die Arbeitsbelastung des Jugendamtes deutlich über dem Durchschnitt einer Mittelstadt. Die Sicherung des sozialen Friedens schlage zu Buche. „90 Prozent der Aufwendungen sind allerdings fremdbestimmte Mittel, auf die Eltern einen Rechtsanspruch haben“, stellte er klar.

Eine deutliche Entspannung der Lage sieht Ansgar Kieven nicht. Die Budgetplanung seines Amtes sei auf Kante genäht. „Wir erwarten erhebliche Kosten bei der Inklusion“, wagte er einen Ausblick. Auch der ab Januar erwartete Zuzug von neuen EU-Bürgern könne das Jugendamt fordern.

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