„Jugend stärken im Quartier“: Projekt will jungen Leuten helfen

Von: kin
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Karina Umlauf, Peter Junker und Vera Schellberg (v.l.). Foto: kin

Düren. Jessica (15 Jahre, Name geändert) ist fast ein Jahr nicht mehr zur Schule gegangen. Drogenkonsum und der falsche Freundeskreis haben sie auf die schiefe Bahn gebracht, ihre Mutter hat sie auf die Straße gesetzt. Mittlerweile geht es Jessica wieder besser. Sie macht eine Drogentherapie, geht wieder zur Schule.

Ihre Mutter hat Jessica wieder bei sich aufgenommen. Hilfe hat das junge Mädchen bei „Just Nord“ bekommen, einer neuen Anlaufstelle für Jugendliche an der Josef-Schreigel-Straße. „Jugend stärken im Quartier“ heißt das Modellprogramm des Bundesfamilienministeriums und der Europäischen Union, in dessen Rahmen auch die Stadt Düren Fördermittel bekommt – und zwar 650.000 Euro in vier Jahren.

Insgesamt beteiligen sich 170 Kommunen in ganz NRW an dem Projekt. Peter Junker vom Jugendamt koordiniert das Projekt, Kooperationspartner sind das Sozialwerk Dürener Christen (für Düren-Nord) und die Evangelische Gemeinde (für Düren-Ost). Junker: „Die gleiche Summe, also ebenfalls 650.000 Euro, müssen die Stadt und unsere Projektpartner bereitstellen, so dass insgesamt 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stehen.“ Unter anderem arbeiten sechs Sozialarbeiter und -pädagogen für das Projekt.

Ziel von „Jugend stärken im Quartier“ ist es einerseits, Jugendliche und junge Erwachsene wieder in Schule oder Beruf zu integrieren. Gleichzeitig sollen aber auch Projekte in den Stadtteilen, umgesetzt werden. Ein großer Vorteil, betont Junker, sei die lange Projektdauer. „Das gibt uns Planungssicherheit.“

Vera Schellberg, Pfarrerin bei der Evangelischen Gemeinde, betont: „Wir können Jugendliche im Rahmen dieses Projektes langfristig begleiten. Für Menschen, die keinen Zugang mehr zu Schule haben, ist es ein sehr langer Weg, wieder in unserem System Fuß zu fassen. Dabei können wir ihnen im Rahmen von ‚Jugend im Quartier‘ helfen.“

Es sei wichtig, dass das Angebot sehr niederschwellig sei. Schellberg: „Wir möchten junge Leute erreichen, die sonst keine Beratungsangebote annehmen. Wir wollen dort hingehen, wo sich die Jugendlichen aufhalten. Es soll keine Berührungsängste geben.“

Die Mitarbeiter des Sozialwerks Dürener Christen haben in Nord-Düren mit „Just Nord“ ein neues Büro eingerichtet, in Düren-Ost finden Beratungsgespräche im Bürgerhaus an der Nörvenicher Straße statt. Peter Junker: „Das Projekt macht uns sehr konkrete Zielvorgaben. In vier Jahren müssen wir 330 Jugendliche betreut haben, mehr als die Hälfte von ihnen soll auch wirklich in einem der beiden Stadtteile wohnen.“ Einerseits würde das schon einen gewissen Druck bedeuten, andererseits haben wir die Zeit und den Raum, die Zielvorgaben zu erreichen.

Im Rahmen des Projekts bekommen die Jugendlichen Hilfe bei der Praktikumssuche, bei Bewerbungen, Ausbildungs- und Wohnungssuche. Auch bei Sucht- und Schuldenproblemen und Schwierigkeiten mit der Familie helfen die Sozialarbeiter. Oberste Priorität, erklärt Umlauf, sei es, Vertrauen aufzubauen. „Beziehungsarbeit ist sehr wichtig. Wir überlegen sehr genau, was die Jugendlichen brauchen. Und genau da setzt unsere Hilfe an.“ Schellberg ergänzt: „Viele der jungen Leute, die Hilfe suchen, haben ein ganz schlechtes Selbstbewusstsein. Bei uns erfahren sie, dass sie sehr wohl etwas leisten können.“

Solche „positiven Erfahrungsfelder“, wie es im Fachjargon heißt, bekommen die Jugendlichen unter anderem bei Projekten in ihrem Stadtteil. Vera Schellberg: „Wir haben mit den Jugendlichen den Discoraum im Jugendtreff St. Bonifatius erneuert. Außerdem treffen wir uns regelmäßig zum Müllsammeln, damit der Stadtteil schöner wird.“

Solche Maßnahmen würden Vertrauen schaffen und auch für Motivation sorgen. Karina Umlauf: „Mit solchen Dingen kann es gelingen, den jungen Menschen einen leichteren Einstieg in berufsvorbereitende Maßnahmen oder in Ausbildung beziehungsweise Arbeit zu ermöglichen.“

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