Jürgen Otto übt Kritik an der Unterbringung von 74 Flüchtlingen

Von: Sandra Kinkel
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Müddersheim. „Unsere Möglichkeiten sind erschöpft. Müddersheim ist absolut am Limit.“ Ortsvorsteher Jürgen Otto (SPD) bringt seine Sicht der Dinge auf den Punkt: 74 Asylbewerber aus neun Nationen leben derzeit in den acht Räumen der ehemaligen Grundschule Müddersheim.

„Zum Teil müssen sich zwölf Personen oder zwei Familien ein Zimmer teilen. Eine Privatsphäre gibt es da nicht. Das sind unhaltbare und aus meiner Sicht auch menschenunwürdige Zustände.“ Derzeit leben rund 160 Asylbewerber in der Gemeinde Vettweiß. Jürgen Otto: „Es kann nicht sein, dass Müddersheim mit 750 Einwohnern die Hauptlast trägt.“

Keine Duschen in der Schule

Otto, der sich auch bei der Vettweißer Flüchtlingshilfe engagiert, benennt konkrete Probleme: „Dass es Konflikte gibt, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen auf so engem Raum miteinander leben müssen, ist ganz normal. Aber es haben sich auch schon Anwohner beschwert, weil es rund um die alte Grundschule wirklich sehr laut ist.“

Außerdem gäbe es in der Schule keine Duschen. „Die Flüchtlinge müssen die Duschen der kleinen Sporthalle nutzen, in der auch noch Vereinssport stattfindet. Und sie müssen immer über den Hof, um zu den Duschen zu kommen. Das wird besonders jetzt in der kalten Jahreszeit schwierig“, betont der Ortsvorsteher. Problematisch sei darüber hinaus die schlechte Anbindung Müddersheims an den öffentlichen Personennahverkehr.

Sprechstunden anbieten

„Es gibt keine direkte Busverbindung nach Vettweiß“, beklagt Otto. „Wir brauchen dringend Fahrräder für die Asylbewerber.“ Um größere Konflikte zu vermeiden, wollen Jürgen Otto und seine Mitstreiter ab sofort in der Schule zweimal in der Woche feste Sprechzeiten für die Flüchtlinge anbieten. „Eigentlich müssten hier ein Sozialarbeiter und ein Hausmeister eingesetzt werden.“

Im Vettweißer Rathaus ist das Problem bekannt. „Der Ort ist an seiner Kapazitätsgrenze“, bestätigt Bürgermeister Joachim Kunth. „Wir versuchen, eine andere Lösung zu finden. Mir wäre es am liebsten, wir könnten ganz auf die Schule als Flüchtlingsunterkunft verzichten.“ Die Gemeinde suche händeringend nach privatem Wohnraum für Asylbewerber, außerdem gäbe es erste Überlegungen, ein Haus für die Unterbringung von Flüchtlingen zu bauen. Kunth: „Dafür gibt es aber noch keinen politischen Beschluss.“

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