Jubiläum der Reformation: „Wir kennen alle die Gottessprache nicht“

Von: Bruno Elberfeld
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Pfarrer Dirk Siedler, Weihbischof Johannes Bündgens und der stellvertretende Leiter des Bildungsforums, Bernhard Rietfort (v.r.), sind die Verantwortlichen der veranstaltenden Institutionen. Foto: bel

Düren. Bohrende und intelligente Fragen und Statements konnten der Referent des Abends, Weihbischof Johannes Bündgens, Pfarrer Dirk Siedler, Evangelische Gemeinde zu Düren sowie der stellvertretende Leiter des Katholischen Bildungsforums, Bernhard Rietfort, bei der dritten Veranstaltung des „Gemeinsamen Glaubensseminars – 500 Jahre Reformation in Deutschland“ am Schluss der Veranstaltung hören.

Eine Besucherin sagte, einer der entscheidenden Zerwürfnisse zwischen katholischen und evangelischen Christen bestehe darin, dass alle die Gottessprache nicht kennen.

Johannes Bündgens blickte in seinem Vortrag auf 500 Jahre Martin Luther und seine Reformation vonseiten der römischen Kirche. Dabei nannte er die wichtigsten Eckdaten. So war 1617 der Vorabend des grausamen Dreißigjährigen Krieges, in dem Protestanten gegen Katholiken antraten, Abspaltungen verschiedener Couleur mischten kräftig mit. Vielen Fürsten aber, so steht es in den Geschichtsbüchern, ging es gar nicht mehr um den „Wahren Glauben“, sondern um die Macht.

Das Jahr 1817 sah viele europäische Staaten nach den Befreiungskriegen vom Napoleonischen Joch. 1917 stand der Erste Weltkrieg kurz vor seinem Ende. 2017 nun sei das Jahr der Annäherung zwischen Katholischer und Evangelischer Kirche. Der Fortschritt wäre heute noch größer, hätten nicht Papst Johannes Paul II. und viele seiner Berater um das Jahr 2000 auf die Bremse getreten. Andere christliche Glaubensgemeinschaften seien in den letzten Jahrzehnten schon Bündnisse eingegangen, aber, so Bündgens, „die Katholiken waren schon immer so etwas wie Spätzünder“.

Luther wollte keine eigene Kirche

Lutherstudien bewiesen, dass Martin Luther, der Augustinermönch aus Wittenberg, keine neue Kirche gründen wollte, sondern die Kirche reformieren wollte. Ablasshandel und viele andere Missstände ließen die Kirche im schlechten Licht erscheinen. „Luther war damals noch ein guter Katholik“, stellte der Referent fest, „doch die Reaktionäre in der Kirche und die herrschenden Fürsten wollten nichts Neues.“ Die Diffamierung des Reformators vonseiten der Kirche bedauern die Katholiken heute.

Aus der allumfassenden Kirche entstand nach dem Festklopfen der Trennung der evangelischen Christen eine Teilkirche.

Bündgens erinnerte daran, dass schon immer reformatorische Kräfte besonders im Bereich der Orden gewirkt hatten.

Luther war der Vordenker neuer Ideen in der Kirche. Vergeblich. So brauchte er nur noch die Lunte an die angespannte Lage zu legen. Die ersten katholischen Gesprächspartner des Reformators taten das Ganze als „Mönchsgezänk“ ab.

1523 kam es zur Exkommunikation Luthers. Darauf erklärten Luther und seine Mitstreiter den Papst zum „Antichristen“. Vermittlungsversuche scheiterten, die Reformation verbreitete sich wie ein Feuer. Verfolgung und Inquisition waren die Folgen. Eine Gegenreformation zur Erneuerung der Katholischen Kirche entstand.

Deutschland war gespalten. Papst Benedikt XVI. und sein Nachfolger Franziskus I. betonen heute zwischen Evangelischer und Katholischer Kirche das Verbindende, das stark genug sein könne, das Trennende bald zu überwinden. Aus Sicht der römischen Kirche ist die eigene Erneuerung noch nicht gelungen.

„Die römische Kirchenleitung trägt an der Spaltung eine große Schuld“, sagte der Aachener Weihbischof. Das Klima für eine gelingende Ökumene sei aber im Jahr 2017, 500 Jahre nach dem Anschlag der 95 Thesen in Wittenberg, sehr günstig.

Gegenseitige Besuche auf allen Ebenen seien an der Tagesordnung. Konfessionsübergreifend Treffen und ein Diskurs auf Augenhöhe verspreche Fortschritte, so der Referent. Eine Einheit, in welcher Form auch immer, sei möglich geworden.

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