Jubiläum: Amtsgericht seit 75 Jahren auf dem Hoeschplatz

Von: Axel Keldenich
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Bis auf die Straßenführung und die Grünanlagen hat sich in 75 Jahren am Amtsgericht wenig geändert. Äußerlich sichtbar ist nur der Ausbau des Dachgeschosses. Recht gesprochen wird hier aber erst seit dem Ende der Nazi-Diktatur. Foto: Abels/privat

Düren. Der 7. Mai 1942 war ein Donnerstag. An diesem Tag war der Umzug der Justiz in Düren in das neue Gebäude am Hoeschplatz beendet. Die letzten Beamten bezogen ihre neuen Arbeitsplätze. Wenn ihre Nachfolger, die 142 Mitarbeiter des Amtsgerichts Düren, nun, 75 Jahre später, dieses Jubiläum feiern, können sie das nicht exakt auf den Tag tun, denn der 7. Mai 2017 ist ein Sonntag.

Das hindert die Verantwortlichen nicht, einen Blick zurück auf zum Teil sehr bewegte Jahrzehnte zu werfen. Im ersten Stock des Gerichts hat Direktor Ulrich Conzen, der in der Historie der regionalen Justiz sehr bewandert ist, mit Justizamtsinspektor Heinz-Peter Müller eine Schautafel aufgestellt, auf der auch Besucher des Gerichts ein wenig über die Geschichte des Hauses erfahren. Unter anderem, dass Conzen der siebte Leiter des Gerichts seit 1942 ist.

Heinz-Peter Müller, der seit über 40 Jahren in Diensten der Justizverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen steht und seit 36 Jahren als Mitarbeiter beim Amtsgericht Düren beschäftigt ist, hat seit 2014 vier Bücher über die Dürener Justizbehörde verfasst. Er weiß auch, dass die Suche nach einem Ersatz der zu klein gewordenen Gerichtsräume in der Jesuitengasse schon in den 1930er Jahren begann.

Am 9. November 1934 erzielten der damalige Bürgermeister der Stadt Düren, Peter Josef Schmitz, und Amtsgerichtsdirektor Arthur Schmitz für die Justizverwaltung im Büro des Dürener Vermessungsrates Julius Gerhardt die lang ersehnte Einigung über einen Grundstückstausch.

Die Stadt übernahm mehrere Grundstücke an der Dürener Jesuitengasse von der Justizverwaltung. Im Gegenzug übergab die Stadt Düren ein 8040 Quadratmeter großes Grundstück am Hoeschplatz an die Justizverwaltung. Dieser Tauschvertrag wurde am 18. Dezember 1934 geschlossen und beurkundet.

Auf dem Grundstück am Hoeschplatz stand zu jener Zeit noch die „Villa Hermann Schoeller“, die seit 1919 als städtisches Wöchnerinnen- und Säuglingsheim genutzt wurde. Nach ihrem Abriss 1936 wurde schließlich 1937 zunächst mit dem Neubau des Gefängnisses begonnen und am 9. Mai 1938 wurde feierlich der Grundstein für das neue Amtsgerichtsgebäude gelegt. Bereits am 25. Februar 1939 fand das Richtfest statt.

Weltkrieg verzögert Neubau

Das Gefängnis – für eine Kapazität von 40 männlichen und zehn weiblichen Strafgefangenen erbaut – konnte bereits 1940 bezogen werden. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erklärt Heinz-Peter Müller, verzögerte sich die Fertigstellung des restlichen Gebäudekomplexes erheblich. Aber schließlich konnten am 1. November 1941 zunächst einige Abteilungen in das neue Gerichtsgebäude umziehen. Der Personalbestand lag im Kriegsjahr 1941 bei weniger als 50 Personen, da viele Justizbeamte zum Kriegsdienst eingezogen waren.

Das neue Amtsgerichtsgebäude, im Stil des Traditionalismus mit neoklassizistischen Zügen erbaut, galt zu seiner Zeit als hochmodernes Behördenhaus und war eines der prachtvollsten Dienstgebäude der Stadt. Als dann am 7. Mai 1942 die letzten Beamten dort einzogen, fand auf Veranlassung des Bürgermeisters im benachbarten Theater am Hoeschplatz eine Sondervorstellung für die Bediensteten und ihre Angehörigen statt.

Heinz-Peter Müller weiß sogar, was dort aufgeführt wurde: „Elektra“ von Sophokles in einer Übertragung von Roman Woerner. Wer die Dürener Stadtgeschichte kennt, weiß, dass nur gut zwei Jahre später der verheerende Luftangriff große Teile der Stadt in Schutt und Asche legte. Nicht so das Gerichtsgebäude: Es blieb fast völlig unversehrt und diente deshalb in der Folge

vielen städtischen Behörden und Einrichtungen als vorübergehender Zufluchtsort. Während das Gefängnis längst nicht mehr als solches genutzt wird und inzwischen als Akten-Archiv dient, sind die Abteilungen des Amtsgerichtes bis heute im historischen Gebäude untergebracht.

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