Vettweiß - Josef Kranz geht nach 41 Jahren in den Ruhestand

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Josef Kranz geht nach 41 Jahren in den Ruhestand

Von: Stephan Johnen
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Seit 1992 ist der in Kelz lebende Josef Kranz Chef der Vettweißer Gemeindeverwaltung. Nach seinem Abschied aus dem Rathaus möchte er sich weiter in Vereinen einbringen. Foto: Stephan Johnen

Vettweiß. Die Verwaltungsmitarbeiter frustriert, der Rat zerstritten – und die Bürger mussten angesichts einer rigorosen Entschuldungspolitik bluten. „Bei meinem Start war Zoff in der Bude, hier ging es wüst zu“, blickt Josef Kranz auf das Jahr 1992 zurück. In politisch und finanziell turbulenten Zeiten trat er seinen Dienst als Gemeindedirektor an.

1999 wurde der Parteilose zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Vettweiß gewählt, regelmäßig schenkten ihm die Bürger bei Wahlen ihr Vertrauen. Zuletzt bekam er 87,5 Prozent der Stimmen, im Jahr 2009 war das. „Ich habe mir die Entscheidung, 2015 nicht erneut zu kandidieren, nicht leicht gemacht. Und es fällt mir schwer, Abschied zu nehmen“, sagt der 64-Jährige, der seit 1974 in der Gemeindeverwaltung arbeitet. In seinen Aktenschränken hat er beim Aufräumen seine Antrittsrede aus dem Jahr 1992 gefunden. „Ich habe Mitarbeitern und Politik damals versprochen, dass wir eine vertrauensvolle und konstruktive Basis für eine Zusammenarbeit finden“, blickt Kranz zurück. Ein Versprechen, das ihn stets geleitet habe. Und ein Versprechen, von dem er glaubt, dass er es stets gehalten habe.

In Vettweiß geht mit dem Abschied von Josef Kranz eine Ära zu Ende. Nach fast einem Vierteljahrhundert in verantwortlicher Position lässt sich das sicher sagen. Mit Joachim Kunth von der CDU zieht nach vielen Jahren auch wieder ein Bürgermeister mit Parteibuch ins Rathaus ein. „Ich war immer parteilos. Es hat mir widerstrebt, für ein Amt einer Partei beizutreten“, erklärt der scheidende Bürgermeister, warum er sich auch später nie für einen Eintritt in eine Partei entschlossen hat. Kranz: „Ich habe es stets als sehr angenehm empfunden, auch mit wechselnden Mehrheiten arbeiten zu können.“ Nüchtern und sachlich; politisch, aber nicht parteigebunden: So lasse sich sein Ansatz beschreiben. Dass der Rat 90 Prozent aller Entscheidungen einstimmig trifft, sei ein guter Gradmesser dafür, welch hohe Rolle die an der Sache orientierte Politik in der Gemeinde Vettweiß spiele.

Beizeiten gönnte sich Josef Kranz auch einmal einen eruptiven Ausbruch, meist bei Fragen der Haushaltspolitik. „Wenn man eine Kette sachlicher Argumente aufreiht und am Ende völlig widersprüchlich abgestimmt wird, kann ich emotional werden“, räumt Kranz ein. „Jeder Politiker will wiedergewählt werden und möchte Wohltaten verteilen“, weiß der Bürgermeister. Er sei aber froh, dass die Vettweißer Politik in den vergangenen Jahren „doch eher sachorientiert“ war.

Während seiner Amtszeit ist die Gemeinde von 7500 auf 9100 Einwohner gewachsen, das Gewerbegebiet im Zentralort Vettweiß wurde geschaffen, die Nahversorgung verbessert, zahlreiche Baugebiete ausgewiesen und die zum Teil marode Infrastruktur modernisiert. Die Frage nach den markantesten Punkten seiner Amtszeit beantwortet er ganz anders: „Ich wollte immer die größtmögliche Unterstützung für das Ehrenamt ermöglichen. Etwas für die Menschen und Vereine tun, die etwas bewegen wollen“, sagt er.

Auf die Frage, ob er es als Bürgermeister verschlafen habe, in der Schulpolitik die Weichen zu stellen, um eine weiterführende Schule in Vettweiß halten zu können, schüttelt Kranz mit dem Kopf. „Schulpolitik war schon immer ein Thema – und es ist viel kaputtgeredet worden“, sagt Kranz. Für eine Flächengemeinde wie Vettweiß mit 9100 Einwohnern sei es „illusorisch“, eine Sekundarschule zu errichten. „Das Potenzial ist gar nicht da.“ Es gelte, sich der Realität zu stellen und auch unliebsame Entscheidungen zu fällen. Kranz: „Wahrheit und Klarheit gehören zum Geschäft.“

Mit Blick auf die täglichen Anforderungen ist Kranz überzeugt, dass ein Bürgermeister heute mehr denn je Verwaltungserfahrung haben muss. „80 Prozent der Aufgaben sind Verwaltung. Da ist Fachwissen gefordert, wenn ein Bürgermeister wissen möchte, was los ist.“ Er habe stets alle Themen „von der Pike auf“ erarbeitet, bezeichnet sich selbst als „Ersten Sachbearbeiter“.

Künftig möchte er sich vor allem mehr Zeit nehmen, um seinen Hobbys zu frönen, die Natur zu genießen und Zeit mit seiner Familie zu verbringen. „Die Welt ist groß“, sagt Josef Kranz. Seinem Nachfolger wünscht er, dass dieser Unterstützung „von Verwaltung und Rat“ erfährt und schnell Fuß fasst, „um erfolgreich arbeiten zu können“.

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