„Jonas und der Engel“: Aufführung bietet mehr als nur Kasperletheater

Von: mvb
Letzte Aktualisierung:

Düren. „Man wird schon einmal schnell in die Ecke Kinderbelustigung gestellt“, beschreibt Marc Schnittger Vorurteile, die ihm mit seinem Puppenspiel für Kinder begegnen. Der Puppenspieler, Schauspieler und Figurenbildner, gastierte für zwei Vorstellungen mit seinem Stück „Jonas und der Engel“ im Dürener Kulturzentrum Komm.

Darin erzählt er die Geschichte des alten Mönches Bonifatius, der allein im verfallenden Kloster St. Polterstein lebt, und durch das marode Gemäuer immer mehr in Gefahr gerät. Sein alarmierter Schutzengel Minetti hat arge Schwierigkeiten, den Mönch zum Auszug aus seinem geliebten Kloster zu bringen, da dieser ihn weder sehen noch hören kann. Dies gilt jedoch nicht für den zufällig ins Kloster geratenen Jungen Jonas, und so suchen „Jonas und der Engel“ nach der einzigen Möglichkeit, das Gebäude wieder aufbauen zu können: Dem verschollenen Schatz der Mönche.

Dass es sich bei Schnittgers Aufführung jedoch eindeutig um viel mehr als Kasperletheater handelt, wird bereits bei einem Blick auf die Kulisse klar: Das uralte Kloster, das Schnittger selbst entworfen und gebaut hat, präsentiert sich mit vielen liebevollen Details, und die Steine, Dachschindeln und Regenrinnen, die im Verlauf der Handlung auf den armen Bonifatius herunterpurzeln, belegen die Bauzeit von einem halben Jahr, die Schnittger für die Konstruktion des ramponierten Schmuckstücks angibt.

Der Kieler, der seit fast 30 Jahren Puppenspiele und Figurentheater konzipiert und inszeniert, erklärt seinen besonderen Fokus auf das Bühnenbild mit seinem familiären Hintergrund: „Mein Vater und mein Großvater waren Architekten, und mich hat die Architektur schon immer fasziniert.“ Auch die Figuren des Stücks müssen vor dem glücklichen Ende erst einmal ihre ganz verschiedenen Schwächen und Probleme überwinden. Damit fügt Schnittger dem für Kinder ab fünf Jahren konzipierten Stück Bedeutungsebenen hinzu, auf denen fast beiläufig Selbstvertrauen, Freundschaft und Glaube thematisiert werden.

Schnittger, der bereits im Alter von 16 Jahren erste Seminare zum Puppenbau belegte, studierte zunächst Puppentheater in Stuttgart, ehe er sich in Hamburg zum Schauspieler ausbilden ließ. Dieses Handwerk kommt ihn in seinen Aufführungen spürbar zugute, denn vor allem stimmlich schafft er es, die Charaktere und Emotionen der Figuren zu transportieren. Ihr Übriges tun dann die vielen kleinen Effekte der liebevoll gestalteten Klein- und Kleinstrequisiten.

„Gut gemachtes Theater für Kinder ist ein ganz wichtiger Baustein für die sinnlich-kulturelle Entwicklung von jungen Menschen. Ich sehe es deshalb auch ein bisschen als Aufgabe an, über gute Arbeit Kinder neben den ganzen anderen Medien ans Theater heranzuführen“, fasst Schnittger seine Motivation zusammen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert