John von Düffel stößt im Wasser „auf den Kern der Dinge“

Von: Bruno Elberfeld
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Zur Einstimmung in die „Wassererzählungen“ wurde Schriftsteller John von Düffel (rechts) von Michael Braun zu Lebenslauf und Werdegang im Literaturbetrieb befragt. Foto: Bruno Elberfeld

Niederau. John von Düffel ist nicht der Schriftstellertyp Marke Hemingway. Rank und schlank kann der promovierte Erkenntnistheoretiker und Poetikprofessor seine Liebe zum Sport nicht verleugnen. „Die Zeit der Rotweinfraktion unter den Schriftstellern ist vorbei“, offenbart er, „immer mehr Autoren werden zu Wassertrinkern“.

Das Wasser ist von Düffels Element. Es ist flüssig, schafft Leben, kann gefährlich werden, könne, so von Düffel, süchtig machen.

John von Düffel ist Langstreckenschwimmer, sein bevorzugtes Gewässer ist die Ostsee, die er immer wieder aufsucht, um Blockaden abzubauen, die sich körperlich und geistig-seelisch am Schreibtisch aufgebaut haben. Ansonsten müssen Gewässer in und um Berlin aushelfen.

Existenzfragen

„Im Wasser stoße ich auf den Kern der Dinge“, erläutert von Düffel, „denn ich bin mit mir allein und nähere mich der Ausschließlichkeit.“ Ohne Schwimmen geht bei John von Düffel nichts, ohne Schreiben aber auch nicht. Gemeinsam sei beiden, so der Schriftsteller im Vortragssaal von Schloss Burgau, die Ausschließlichkeit. Beide Tätigkeiten seien von Angst begleitet, könnten zum Scheitern oder gar zum Tode führen. „Komme ich am Ufer an, schaffe ich den Text?“ Fragen über Fragen, die den Schwimmer und den Schriftsteller gleichermaßen bewegen.

John von Düffels Themen lassen den Leser Existenzfragen stellen, Tod, Trauer, Einsamkeit. Seine Erzählungen und Romane enden oft traurig, wobei der Schriftsteller, und darauf verwies von Düffels Gesprächspartner, Professor Dr. Michael Braun, Leiter des Arbeitskreises Literatur im Kunstförderverein des Kreises Düren, immer auch Hoffnung aufkeimen lässt. Das Leben geht weiter, irgendwie, irgendwo, „auf einer anderen Ebene“, ansonsten würde alles in Sinnlosigkeit enden.

Die beiden Kostproben, die der Schriftsteller vortrug, sind exemplarisch für die detailgetreue Sprache, die die Welt erlebt, durchlebt, erfährt, empfindet und versteht. In „Ostsee“ erzählt er über das verrückte Schwimmen des Protagonisten im eiskalten Wasser.

Die Kioskbetreiberin Rosi, blond und mit beiden Füßen auf der Erde verankert, fragt den Heimkehrer, der gerade dem winterlichen Gewässer entstiegen ist, ob er das freiwillig mache oder ob es um eine Wette ginge? Der Schwimmer geht in der Ostsee ans Limit, hat Angst, weiß nicht, ob der alte Mann, der immer am Strand steht und gräbt, Realität oder Fiktion ist.

In „Der Fetzenfisch“ geht es um ein Gespräch im Aquarium des Berliner Zoos zwischen einer aufgetakelten Geschäftsfrau und ihrem jüngeren Liebhaber. In der Familie der Frau gibt es die üblichen Probleme mit Tochter und Sohn.

Immer wieder Wasserzeichen

Das Gespräch im Aquarium wird von einem wunderschönen Fetzenfisch betrachtet. Alltagsprobleme werden durchleuchtet, psychologisch untersucht und literarisch gedeutet. Und immer wieder sind da Wasserzeichen: das christliche Fischzeichen an einem Auto und in der Kirche, entdeckt an Heiligabend.

Begrüßt worden waren die Gäste der Lesung, die von der Literaturabteilung des Kunstfördervereins für den Kreis Düren organisiert wurde, von Dürens Bürgermeister Paul Larue, der als gelernter Historiker und Theologe auf die Bedeutung des Wassers im ersten Buch des Alten Testaments hinwies.

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