Düren - Johannes Moser und Andrei Korobeinikov begeistern im Haus der Stadt

Johannes Moser und Andrei Korobeinikov begeistern im Haus der Stadt

Von: Bruno Elberfeld
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Johannes Moser (Cello) und Andrei Korobeinikov (Klavier) präsentierten im Haus der Stadt ein unglaublich gutes Konzert. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Schon das Beobachten der beiden Musiker auf der Bühne im Haus der Stadt hätte bei den Gästen im gut gefüllten Konzertsaal Verwirrung auslösen können. Denn was Johannes Moser mit und an seinem Violoncello machte, war unglaublich.

Sein Kollege Andrei Korobeinikov vor den schwarz-weißen Tasten konnte beim Konzert der Vereinigten Industrieverbände Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung (VIV) nicht ganz so spektakuläre Bewegungen in Angriff nehmen, alldieweil ein Flügel ob seines Gewichts einen festen Platz einnimmt.

Dass die Saiten des Tasteninstruments in der Pause nachgestimmt werden mussten, könnte allerdings ein Zeichen dafür sein, dass der Spieler die Vorgaben Rachmaninows und Prokofjews ernst genommen hat, Instrumente nicht nur zu spielen, sondern sie – wenn nötig – „gewalttätig“ in die Komposition einzubauen.

Auf dem Programm standen jeweils zwei Werke von Sergei Prokofjew (1891–1953) und Sergei Rachmaninow (1873 –1943). Das „Adagio“ aus „Cinderella“, von Prokofjew selbst für Violoncello und Klavier arrangiert, zeigte zunächst nur wenig Bedrohliches auf. Leise und langsam tasteten sich Klavier und Cello aneinander heran.

Doch überfallartige Crescendi ließen ahnen, dass die Beschaulichkeit bald der Vergangenheit angehören würde. Bei dieser ersten – im Vergleich zu den folgenden Kompositionen – nahezu anmutigen Komposition, verwandelte Cellist Moser sein Instrument zu einem Teil seiner selbst. Gestik und Mimik nahmen an Fahrt auf, schauspielerisches Talent schimmerte durch, wenn Moser sein Instrument bewegte, er sich selbst entsprechend seiner Gefühle zu dem Instrument verhielt und mit ihm in ein permanentes Gespräch trat.

Das alles war nur ein Vorgeschmack. Die „Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll“ von Rachmaninow bot so ziemlich alles, was Musik bieten kann. Mit hoher Empathie, sichtbar in einer furiosen Körpersprache, legten die Künstler die slawisch-russische Seele des Komponisten frei. Schnelle, überraschende Wechsel, laute und leise Passagen, besinnliche Vibrati auf dem Cello, die sich im Gesicht Mosers fortsetzten, ruhige Läufe auf dem Flügel, bis der Dämon wieder zuschlug und Lautstärke, Akrobatik und eine unglaubliche Virtuosität von beiden Künstlern forderte.

Punktgenaue Wechsel

Punktgenaue Wechsel von singendem Cello und perlendem Klavier. Die Versuche harmonischer Dialoge zwischen den Instrumenten schlugen oft fehl. Der Cellist zupfte, bearbeitete mit dem Bogen den Cellokörper, geriet „aus dem Häuschen“. Die Musik Rachmaninows schien sich der Menschen auf der Bühne zu bemächtigen. Stimmungswechsel, dramatische Einlagen, drohende Katastrophen. Und was machte das Publikum? Es hörte nicht nur zu, sondern horchte atemlos, war fasziniert.

Mit Sergei Rachmaninow begann auch der zweite Teil des Konzerts. Der Komponist hatte „Vocalise für Violoncello und Klavier“ 1915/1916 geschrieben, mitten im ersten großen Krieg. Bei intensivem Hinhören konnten die aufmerksamen Besucher die Weite der russischen Steppe wahrnehmen, die Sehnsüchte und die einsamen Momente spüren, die Menschen in diesem Niemandsland immer wieder ergreifen.

Die Musiker malten diese Momente mit einer gekonnten Zartheit, mit manchmal nur gehauchten Tönen. Sergei Prokofjews „Sonate für Violoncello und Klavier, C-Dur“ setzte den Schlussakkord dieses außergewöhnlichen Konzerts: Töne aus der Dunkelkammer der Musik, schwerfälliges Agieren und dann der verblüffende Wechsel zur leichten Melodie. Klavier und Cello verbreiteten Ruhe.

Doch dann schlug das Schicksal wieder zu. Der Kampf mit den Instrumenten ging weiter, Das Cello erfuhr musikalisches Durchrütteln und Durchschütteln, denn Johannes Moser auf seinem Hocker ist „in Fahrt“ mit einer Akrobatik, bei der die linke Hand kaum zu wissen schien, was die rechte tat. Herabhängende Fäden am Cellobogen waren sichtbare Ergebnisse einer kräftigen Virtuosität.

Viele Gästen waren erstaunt, was man nicht alles mit einem Klavier, besonders aber mit einem Violoncello anfangen kann.

Mit diesem Konzert verabschiedeten sich die VIV und die Organisatorin der Konzerte, Ilona Schmitz, in die Sommerpause. Mitte Oktober soll es ein Wiedersehen geben.

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