Kreis Düren - Job-com Sanktionen erreichen Rekordhoch

Job-com Sanktionen erreichen Rekordhoch

Von: Stephan Johnen
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Karl-Josef Cranen ist Leiter der Job-com. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Mehr als eine Millionen Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger haben die Jobcenter bundesweit 2012 verhängt – ein Rekordhoch. Experten warnten aber vor einer vorschnellen Interpretation der Zahlen. Gemessen an der Gesamtzahl der Leistungsempfänger sei die Zahl gering – und meist habe es sich um Meldeversäumnisse gehandelt.

„Im vergangenen Jahr haben wir 4075 Sanktionen aussprechen müssen. Das ist sehr wenig“, betont Karl-Josef-Cranen, Leiter der Job-com des Kreises Düren auf Nachfrage. Von einem „Rekordhoch“ könne im Kreis nicht gesprochen werden. Die Tendenz sei sogar rückläufig. „Die Bereitschaft unserer Kunden, sich um einen Arbeitsplatz zu bemühen, ist sehr hoch“, sagt Cranen.

Das „klischeehafte Bild des Hartz-IV-Empfängers, der sich mit seiner Situation arrangiert hat“, stimme nur in wenigen Fällen mit der Realität überein. Cranen: „Die Menschen wollen aus dieser Lage heraus, sie wollen über ein eigenes Einkommen verfügen.“ Im vergangenen Jahr seien 15.000 erwerbsfähige Leistungsempfänger zu knapp 31.000 Terminen gebeten worden. „Da sind 4075 Sanktionen nicht besorgniserregend“, sagte Cranen.

Wie im Bundesdurchschnitt erfolgte auch im Kreis Düren ein Großteil der Sanktionen nach Meldeversäumnissen. 1814 Menschen hatten unentschuldigt Termine mit der Job-com oder dem Gesundheitsamt platzen lassen. An zweiter Stelle lagen mit 939 Fällen die Pflichtverletzungen aus Eingliederungsvereinbarungen. Hier hatten sich die Kunden der Job-com nicht an Absprachen gehalten.

So kann es eine Auflage sein, eine gewisse Anzahl von Bewerbungen pro Monat zu schreiben. Auf Platz 3 folgt mit 429 Fällen eine Sanktion wegen einer nicht angetretenen oder abgebrochenen Eingliederungsmaßnahme. Das kann beispielsweise eine Fortbildung sein. Sanktioniert wurden auch Weigerungen, einen Brückenjob anzunehmen (99 Fälle), und eine Arbeit aufzunehmen oder fortzuführen (138).

Bei Menschen unter 25 Jahren bedeutet eine erste Pflichtverletzung den Wegfall jeglicher Geldleistung, bei Menschen über 25 Jahren wird die Regelleistung um 30 Prozent gekürzt. In allen Fällen der ersten Pflichtverletzung werden Miete und Heizung weiter gezahlt, und bei Bedarf gibt es Lebensmittelgutscheine.

Die Dauer der Kürzung beträgt drei Monate, erklärt Cranen. Bei „Wohlverhalten“ sei bei den Menschen unter 25 eine Verkürzung auf sechs Wochen möglich. „Der Kunde soll aus dem Fehlverhalten lernen“, sagt Cranen. Die Job-com fördere beispielsweise mit Qualifizierungsmaßnahmen und der Übernahme von Bewerbungskosten, sie fordere aber auch gewisse Leistungen ein.

Eine Sanktion erfolge nicht der Sanktion wegen. „Jeder, der eine Maßnahme oder einen Kurs abbricht, schadet anderen Kunden, die darauf warten“, ruft Cranen in Erinnerung, dass angesichts der Budgetkürzungen für die Wiedereingliederung die Ressourcen nicht üppig bemessen seien.

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