Kreis Düren - Job-com: Dienststellen nur noch in Düren und Jülich

Job-com: Dienststellen nur noch in Düren und Jülich

Von: Stephan Johnen
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Mit dem Wegfall der Außenstellen, werden Leistungsempfänger ab 2014 für alle Belange die Jobcenter in Düren und Jülich ansteuern müssen. 2,5 Stunden Pendelzeit sind laut Gesetzgeber zumutbar. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. „Dezentral und damit bürgernah“ bezeichnete sich die Job-com des Kreises Düren selbst. Die Dezentralität ist Ende des Jahres Geschichte: Der Kreis hat zum 31. Dezember alle angemieteten Räume gekündigt und wird die Außenstellen der Job-com in den Kommunen schließen.

„Künftig soll es keine Kleinstdienststellen mehr geben“, heißt es in einer Mitteilung. Mit der Konzentration der Dienststellen auf Düren und Jülich folge der Kreis dem Vorbild anderer Jobcenter in NRW und ziehe Konsequenzen aus einem Vorfall im vergangenen Jahr: Im Heimbacher Rathaus ist ein Mitarbeiter der Job-com von einem Kunden mit einem Messer bedroht worden.

Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch bestätigte als Sprecher der Konferenz der Bürgermeister, dass Kündigungsschreiben in die Rathäuser geflattert sind. Gründe wurden nicht genannt. „Es wundert mich, dass eine solche Entscheidung getroffen worden ist, ohne die Kommunen im Vorfeld einzubeziehen“, sagte Buch unserer Zeitung. Die Kommunen seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Der Kreis habe damals bei der Übernahme der Aufgaben der Grundsicherung damit geworben, Hartz-IV-Empfänger dezentral zu betreuen. Auch die Mitarbeiter hatten die Wahl, ob sie weiter vor Ort arbeiten möchten. „Auf den ersten Blick scheint diese Entscheidung ein Widerspruch zu sein“, sagte Buch. „Vielleicht sind wir nächste Woche ja schlauer.“ Dann wird es eine Besprechung der Bürgermeister mit dem Landrat geben. „Wir hätten dann gerne Antworten“, sagte Buch. Ob die Schließung der Außenstellen eine Retourkutsche des Kreises auf die Forderung der Bürgermeister ist, der Kreis möge „ernsthaften Sparwillen“ zeigen (wir berichteten)? Axel Buch: „Kein Kommentar.“

„Solche Entschlüsse bringen Unstimmigkeiten in die Politik und in die Kommunen“, bilanziert Verena Schloemer, Vorsitzende der Grünen-Kreistagsfraktion. Die Verwaltung könne diese organisatorische Frage zwar entscheiden, die Politikerin hätte sich aber einen breiteren Beteiligungsprozess gewünscht. In einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Kreistags am 9. Juli soll schließlich das Gutachten eines Wirtschaftsberatungsunternehmens vorgestellt und diskutiert werden.

Inhalt sei unter anderem eine Personaluntersuchung für die Job-com. Bei einem interfraktionellen Gespräch habe sich „die Marschrichtung zwar im Vorfeld abgezeichnet“, eine Diskussion im Kreistag hätte nicht geschadet. „Das System mit den Ansprechpartnern vor Ort war nicht besonders effektiv, gleichzeitig mangelt es an Fallmanagern in den Jobcentern. Eine Umstrukturierung kann Vorteile für die Kunden der Job-com bringen“, findet Schloemer, die zugleich fordert, vor Ort weiterhin Beratungen anzubieten.

„Wir haben das Thema in der Fraktion noch nicht besprochen“, sagte SPD-Fraktionschef Johann Josef Schmitz. Mit Blick auf Kündigungsfristen zum 30. Juni sei die Option, die Außenstellen zu schließen, interfraktionell diskutiert worden. Um die Frist nicht verstreichen zu lassen, wurden die Kündigungsschreiben verschickt. Es sei allerdings eine Option, betont Schmitz. Die Verträge könnten auch wieder verlängert werden. „Das Ergebnis ist da“, kommentiert der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl Schavier den Entschluss. Es handele sich um einen „nachvollziehbaren Ansatz“.

Auf die zum Teil „erheblichen Probleme im sozialen Verhalten“ der Job-com-Kunden müsse reagiert werden, der Sicherheitsgedanke stehe im Vordergrund. Gleichzeitig sei dieser Entschluss aber auch eine Umsetzung der Sparbeschlüsse. „Ich kann nicht immer fordern, der Kreis soll Standards abbauen und dann Beschwerde einlegen, wenn er es tut“, sagte er in Richtung der Bürgermeister. Als „deutlichen Verlust von Kundennähe“ schätzt Klaus Pentzlin vom Arbeitslosenzentrum Düren die Entscheidung ein. In der jüngsten Sitzung des Arbeitsmarktpolitischen Beirats im März sei diese Schließung noch kein Thema gewesen. Um den Entschluss zu kommentieren, brauche er aber mehr Informationen.

„Sparen keine Stellen ein“

„Wir sparen keine Stellen ein, es werden keine Mitarbeiter entlassen. Wir setzen das Personal nur effizienter ein“, sagte Job-com-Leiter Karl-Josef Cranen auf Nachfrage. Nach der Umstrukturierung könnten mehr Mitarbeiter den Kunden helfen, einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden. Ein Großteil der Aufgaben sei ohnehin schon in Düren und Jülich erledigt worden, zudem sind 67 Prozent der Bedarfsgemeinschaften in Düren und Jülich gemeldet. Die Einführung des Sozialtickets ermögliche es allen Kunden, die Jobcenter zu erreichen, viele Dinge könnten per E-Mail, Fax oder Telefon geregelt werden. Auch die Beratungszeiten würden verlängert.

„Es werden mehrere Themen vermischt“, bedauerte Landrat Wolfgang Spelthahn. Eine Schließung der Außenstellen sei zwar im Gutachten als Option erwähnt, aber nicht der Grund für die Entscheidung. Der Sicherheitsstandard, der in Düren und Jülich und anderen Jobcentern des Landes herrsche, könne in vielen Außenstellen nicht erreicht werden. Der Kreis habe auch eine Schutzpflicht seinen Mitarbeitern gegenüber.

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