Düren - Jeder, wie er mag - nur bitte nicht textilfrei

Jeder, wie er mag - nur bitte nicht textilfrei

Von: Jonas Grass und Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Schwimmmeister Günther Weißkirchen hat stets ein wachsames Auge. Hygiene ist im Heimbacher Freibad oberstes Gebot.

Düren. Wie ist es eigentlich um die Hygiene bestellt, wenn Badeshorts mit Wasser in Berührung kommen? Diese Frage hat im städtischen Freibad von Übach-Palenberg jüngst hohe Wellen geschlagen.

Und mehr noch: Nach Prüfungen der Wasserqualität durch das Kreisgesundheitsamt kam man dort zu dem Schluss, dass das Tragen der Shorts aus hygienischen Erwägungen untersagt werden müsse. Gesagt, getan. Ursache dafür ist nach Ansicht der Stadtverwaltung die gängige Praxis vieler Jugendlicher, ihre Alltagskleidung auch fürs Schwimmen zu nutzen. Schmutz lass´ nach. In Düren und Umgebung sehen die Badbetreiber bislang von einer so strikten Reglementierung ab.

Mehr als ein halber Liter weg

Im Freibad Vossenack steht Schwimmmeisterin Dina Günther einem Badeshorts-Verbot skeptisch gegenüber. Obwohl sie weiß, dass durch die saugfähigen Textilien beim Verlassen des Beckens mehr als ein halber Liter Wasser verloren gehen kann, hält sie dies dennoch für das kleinere Übel. Denn es sei unbedingt zu vermeiden, diesen Teil der Kundschaft zu verlieren. Ein großes Verbotsschild über dem Eingang des Freibads könnte vor allem Jugendlichen den Spaß vermiesen.

Außerdem liegt Schwimmmeisterin Dina Günther ein weiterer Punkt am Herzen: Wenn Badeshorts verboten wären, dann würde man bald gezwungen sein, auch T-Shirts und andere Kleidungsstücke zu verbieten, schließlich saugen diese ebenfalls Unmengen an Wasser auf. Da es Menschen gibt, die starke Sonneneinwirkung nicht gut vertragen können und deshalb nicht mit freiem Oberkörper ins Wasser dürfen, würden diese als Besucher zusätzlich fernbleiben. Das finanzielle Defizit wäre ungleich größer als der durch den Wasserverlust entstehende Schaden.

Günther fühlt sich stellenweise an die 70er Jahre erinnert: Damals war auch grundsätzlich alles verboten, was über eine simple Badehose hinaus ging, und in diese Zeit möchte sich die Schwimmmeisterin nicht gerne zurückversetzt sehen.

Nachvollziehbar für Dina Günther ist jedoch die Frage nach der Hygiene in deutschen Freibädern. Wenn sich im Freibad Vossenack jemand mit der gleichen Badehose im Schwimmbecken erfrischen möchte, mit der er gekommen ist, wird ihm ganz schnell eine Ansage erteilt: Entweder muss die Badehose in der Dusche mit Seife gewaschen werden, oder er muss eine andere anziehen, sonst kommt er eben nicht ins Wasser.

Helmut Weißkirchen, seit 30 Jahren Schwimmmeister im Freibad Heimbach, hält ein Verbot ebenfalls für überflüssig und verweist auf die „sehr, sehr schnell arbeitende” Umwälzanlage. „Alle Eineinviertel-Stunde wird das Becken komplett gereinigt.” Den sich wandelnden Modetrends steht Weißkirchen daher gelassen gegenüber: „Es ist eben so, dass die Jugendlichen längere Shorts anziehen. Wenn jemand eine abgeschnittene Jeans als Badehose trägt, die schmuddelig ist, sieht die Sache natürlich anders aus.” Auch das schwindende Wasser bei Hochbetrieb sei eine einkalkulierbare Größe, findet der Schwimmmeister. Pro Tag und pro Badegast 30 Liter Frischwasser - so lautet seine Rechnung.

Auch im Gürzenicher Badesee besteht nach Auskunft von Leiter Klaus Schüller kein Handlungsbedarf. „Wir haben hier eine ausgezeichnete Wasserqualität, so dass wir keinen Anlass sehen, hier irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen.” Alle vier Wochen werde das 35 Hektar große Naturgewässer auf seine Keimbelastung hin untersucht. Grund zur Beanstandung, sagt Schüller, habe es bisher nie gegeben. Dass sich manche Bäder gezwungen sehen, der Sauberkeit auf die Sprünge zu helfen, kann er allerdings verstehen. Sein Fazit: „Jeder kann bei uns die Badesachen anziehen, die er mag, nur FKK ist verboten.”

Und noch etwas: Die Verbannung von schlabberigen Badeshorts würde manchen Badbesucher vor arge Probleme stellen. Zum Beispiel den 15-jährigen Max: „Ich habe gar keine anderen Badesachen”, gesteht er: „Die müsste ich mir dann erst noch kaufen, wenn es gar nicht anders geht.”
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