Jeder Skandal kostet das DRK potenzielle Spender

Von: Nicola Gottfroh
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Cordula Lober geht regelmäßi
Cordula Lober geht regelmäßig zur Blutspende. Für sie ist das selbstverständlich. Foto: Gottfroh

Düren. Vampire hätten an diesem Anblick sicherlich ihre helle Freude: Überall im Raum liegen Menschen mit Nadeln und Schläuchen in den Armen, aus denen das Blut aus ihren Körpern in ein kleines Plastiksäckchen geleitet wird. 48 vollgelaufene Plastikbeutel stapeln sich schon sicher verpackt in den Kisten des Blutspendedienstes West. Es ist Tag der Blutspende im Kreishaus.

Nicht nur Vampiren dürfte diese „blutige Angelegenheit” gefallen. Auch Elfriede Kempkes hat an dem Anblick der vielen vollen Blutbeutel ihre Freude. Sie organisiert für den DRK-Kreisverband Düren die rund 140 Blutspenden im Jahr. Auch den Termin im Kreishaus, der im Gegensatz zu vielen anderen gut besucht ist. „Gerade in den Ferien und in den Sommermonaten werden die Reserven knapp. Und leider geht der Trend zur Blutspende insgesamt zurück”, sagt Kempkes.

2011 zählte der Kreisverband noch 9000 Spenden. „Wenn wir diese Zahl in diesem Jahr noch erreichen würden, wäre das ein guter Schnitt”, sagt sie. Denn die langjährigen Blutspender werden immer älter und fallen irgendwann aus gesundheitlichen Gründen ganz weg. Das durchschnittliche Alter der Spender liegt zwischen 40 und 50 Jahren. „Und es ist schwer, Nachwuchs zu mobilisieren - trotz der vielen Kampagnen und Aufrufe, die wir starten”, erklärt sie. Das DRK veranstaltet zur Spenderneugewinnung Termine in Schulen, bei denen Hunderte junge Menschen Blut lassen.

Aber oft blieben Erstspender nicht hängen. „Die wenigsten der jungen Spender sieht man wieder”, bedauert Kempkes. Bei den jungen Leuten sei es einfach die Zeit, die fehle. Oder Angst vor dem kleinen Piks. „Und dann kommen immer wieder Medizin-Skandale hinzu, die die Menschen abschrecken”, sagt die DRK-Mitarbeiterin. So wie jüngst der Transplantationsskandal. „Das hat zwar alles nichts mit der Blutspende zu tun - trotzdem werden solche Themen zum Anlass genommen, verhalten zu reagieren”, sagt sie.

Verunsichern lässt sich Cordula Lober nicht. Sie ist Blutspenderin „aus Überzeugung”, wie sie sagt. „Ich arbeite selbst im Gesundheitswesen. Und ich weiß, dass jeder Mensch einmal in die Situation kommen kann, Blut zu benötigen. Beispielsweise nach einer Operation”, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. „Blut kann man nicht künstlich herstellen - ich sehe es deshalb als Humandienst, dass man Blut spendet.”

„Vielen Menschen ist die Bedeutung, die hinter dem Blutspenden steht, nicht klar. Es kommt meist erst zu einem Umdenken, wenn jemand aus der eigenen Familie selbst einmal Blut benötigt hat”, weiß auch Kempkes.

Und es muss nicht immer nur der Dienst am Menschen sein, der die Spender in die Spendenlokale führt. „Blutspenden kann gesund sein. In früherer Zeit wurden die Menschen ja schließlich auch zur Ader gelassen”, sagt Elfriede Klempkes. Frank Denk etwa kommt an diesem Tag zur Blutspende, weil ihm sein Hausarzt das Blutspenden aus gesundheitlichen Gründen empfohlen hatte. „Und wenn ich damit etwas Gutes tun kann, dann ist es umso besser”, sagt der 45-Jährige.

Elfriede Kempkes freut sich über jeden, der kommt - aus welchem Grund auch immer: „Mit jedem Beutel Blut kann Menschenleben gerettet werden.”
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