Jazztage: Die ganze Welt zu Gast auf einer Bühne

Von: Stephan Johnen
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Abwechslungsreiches Programm: Saxofonist David Murray begeisterte in der Christuskirche. Foto: Stephan Johnen
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Alina Amuri ließ sich von Regen und Kälte nicht von ihrer Weltreise abbringen. Foto: Stephan Johnen
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In der Marienkirche erklang die „Ragtime Mass“. Foto: Stephan Johnen
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Von der meditativen „Saite“ zeigte sich die Gruppe „Orioxy“ im Leopold-Hoesch-Museum.
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In vielen Kneipen wurde am Samstag ab 22 Uhr musiziert. Im „Café Extrablatt“ rockten die „Shakers“.
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Mit „Funk Force 5“ standen Samstag auch junge Musiker aus dem Kreis Düren auf der großen Bühne.

Düren. Geht nicht gibt es nicht. So lässt sich simpel zusammenfassen, was David Murray Außergewöhnliches kann. Der Saxofonist beherrscht nicht nur in Perfektion alle Spielarten des Jazz, er sprengt zudem den Tonumfang seines Instrumentes.

Mit seinem Spiel zog er am Sonntagabend 550 Zuhörer beim Abschlusskonzert der 25. Jazztage in der Christuskirche in seinen Bann. „Jazz sollte wie eine Kirche sein: Jeder ist eingeladen“, lautet das Credo des Musikers von Weltruhm, den die Initiative „Planet Jazz“ nach Düren geholt hat. Die Christuskirche hätte ein Vielfaches größer sein können – so groß war im Vorfeld das Interesse, der Einladung zu folgen.

Begleitet von den kubanischen Musikern Pepe Rivero (Klavier), Reinier Elizarde (Kontrabass) und der Schlagzeuglegende John Betsch zelebrierte Murray mit dem von der Sparda-Bank gesponsorten Konzert eine Messe der Lebensfreude.

Bereits am Sonntagvormittag hatte die Marienkirche ihre Pforten für eine Premiere geöffnet: Der Chor der „Cappella Villa Duria“ und eine Dixieland-Combo mit den Musikschullehrern Klaus Luft, Joachim Locker, Renold Quade, Dietmar Krüger, Wolfgang Pieters, Uli Winz und Andreas Griefingholt führten unter Leitung von Johannes Esser die „Ragtime Mass“ von Johann Simon Kreuzpointner auf. Die Verbindung zwischen Musik und Evangelium unterstrich Pfarrer Toni Straeten: „Beides berührt unsere Herzen.“

Das Außergewöhnliche an der „Ragtime Mass“ war das Wechselspiel zwischen der rhythmisch frisch aufspielenden Dixieland-Combo und dem vom Chor vorgetragenen lateinischen Messetext. Das Interesse war so groß, dass auch viele zusätzlich aufgestellte Stühle nicht reichten, dem Ansturm Herr zu werden. Im Anschluss hieß es „Jazz in the City“, wobei nicht nur in den Cafés aufgespielt wurde, sondern beispielsweise auch an der Dürener Westkampfbahn.

Pech mit dem Wetter hatten Organisatoren, Sponsoren und Besucher am Samstag beim Stadtwerkeabend. Der Aufritt von Alina Amuri und dem „Global Music Orchestra“ ging im Dauerregen beinahe unter. War der Kaiserplatz zu Beginn des Konzertes noch gut gefüllt, hatten viele Zuhörer bis 21 Uhr kapituliert. Es blieben nur die tapfersten Regenschirm-Nutzer, die für ihre Ausdauer mit einem fantastischen Konzert belohnt wurden.

Musiker aller fünf Kontinente standen auf der Bühne; auf sehr hohem Niveau gab es eine Mischung aus traditionellen afrikanischen Klängen, Soul, Funk, Gospel, Hip-Hop und Reggae zu hören. Es war ein Konzert, das deutlich mehr Zuhörer verdient und bei besserem Wetter sicher auch bekommen hätte.

„Mehr als Dixieland-Musik“

„Auf der Bühne erleben wir die Geschichte des Jazz, der von Afrika nach Nordamerika kam und dann nach Europa gelangte. Künstler aller Kontinente spielen heute in Düren zusammen, das ist für mich sinnbildlich“, konterte Jazzclub-Vize Bernd Ohlemeyer die Kritik, die Jazztage hätten sich in 25 Jahren kaum weiterentwickelt und um Jazz gehe es nur am Rande. „Jazz ist mehr als Dixieland-Musik“, findet Ohlemeyer. Es gehe um „handgemachte Musik“ und die Kunst der Improvisation.

Was Toleranz und Zusammenspiel angehe, könnten übrigens auch Politik und Gesellschaft von der Musik lernen. Das „Global Music Orchestra“ sei ein gutes Beispiel dafür, wie verschiedene Stile und Menschen aus unterschiedlichen Kulturen harmonisieren, unterstrich Ohlemeyer. „In der Musik spielen Herkunft und Religion keine Rolle. Da funktioniert das friedliche Miteinander längst. Daran müssen wir uns ein Beispiel nehmen.“

Herzstück der Jazztage war auch im Jubiläumsjahr die Kneipentour ab 22 Uhr. Viele Künstler wie „Bernie aus Liverpool“ oder „Acoustic Five“ waren alte Bekannte. Neue, beinahe meditative Klänge steuerte die Formation „Orioxy“ im Leopold-Hoesch-Museum hinzu. Sängerin Ina Hagenau und Gitarrist David Mirche waren als Duo „Honey and Wood“ im „Komm“-Zentrum erstmals unplugged zu hören.

Der Termin für die 26. Dürener Jazztage steht übrigens schon fest: Gefeiert wird von Mittwoch, 17., bis Sonntag, 21. August.

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