Japanische Studenten lernen das deutsche Sozialsystem kennen

Von: Stephan Johnen
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Die Studenten schauten sich beim SkF unter anderem den Neubau einer Kita an und ließen sich die Ideen hinter dem Raumkonzept erklären. Auch Bürgermeister Paul Larue stand Rede und Antwort. Foto: Stephan Johnen

Düren. Wer wissen möchte, wie soziale Arbeit in Deutschland funktioniert und finanziert wird, kommt an einem wichtigen, aber sperrigen Fremdwort nicht vorbei: Subsidiaritätsprinzip. So hatte es sich Dürens Bürgermeister Paul Larue zur Aufgabe gemacht, einer Gruppe japanischer Studenten in der Geschäftsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) genau diese Mechanismen zu erklären.

„Vieles kann vor Ort besser organisiert werden“, erläuterte Larue, der das deutsche System als „Hilfe zur Selbsthilfe“ beschrieb. Spätestens als der Bürgermeister den japanischen Gästen anbot, Fragen an ihn zu richten, zeichnete sich ab, dass es nicht nur im Sozialsystem (kulturelle) Unterschiede gibt. „Es ist eigentlich nicht üblich, dass Studenten einem Bürgermeister Fragen stellen“, erklärte eine deutsche Begleiterin der Delegation aus Hiroshima. Doch dieser Unterschied erwies sich als nicht unüberbrückbar.

Im Rahmen einer internationalen Kooperation zwischen der Katholischen Hochschule Aachen und den Universitäten Hiroshima und Osaka besuchte erneut eine Studentengruppe unter der Leitung von Professor Hiromitsu Mihara die Geschäftsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Düren. In Japan studieren die jungen Menschen den Beruf der „Wohlfahrtspflege“, was dem deutschen Studium der Sozialen Arbeit am nächsten kommt. Zwischen den beiden Ländern und ihrem Sozial- und Gesundheitswesen gibt es große Unterschiede. „In Japan spielen die Familien eine sehr wichtige Rolle“, erklärte Hiromitsu Mihara. Die „Familie fange viel ab“. Den Menschen werde zudem eine sehr hohe Eigenständigkeit abverlangt, der Staat greife erst sehr spät ein, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Dass kirchliche Organisationen und Vereine Aufgaben der Wohlfahrtspflege wahrnehmen, sei in Japan kein Alltag.

So besuchten die Gäste vor allem soziale Einrichtungen, weil sie vom deutschen Know-how, insbesondere in der Jugendhilfe, lernen möchten. Die Strukturen in Japan und Deutschland sind zwar recht unterschiedlich, aber beide Länder stehen vor vergleichbaren demografischen Herausforderungen wie einer drohenden Überalterung der Bevölkerung. Die Fachleute des SkF stellten die verschiedenen Dienste des sozialen Vereins vor, der seit mehr als 100 Jahren in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Familien, Frauen und Migranten aktiv ist. Besonders viele Nachfragen kamen zum Thema Migration. Die Tatsache, dass in der Stadt Düren etwa ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, war für die japanischen Gäste eine Überraschung. SkF-Geschäftsführer Uli Lennartz ging daraufhin auf Integrationsprojekte ein und skizzierte die damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen. Bürgermeister Paul Larue unterstrich, wie wichtig die Zuwanderung von Fachkräften sei und warb für eine „Willkommenskultur“.

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