Jahrelanges Engagement für Belange der Mitschüler

Von: Sarah Maria Berners
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Immer im Einsatz für die Schu
Immer im Einsatz für die Schule und die Klassenkameraden: Khalifa-Hadi Chaa wird dank seines Engagements als Schülersprecher und Landesdelegierter für zwei Jahre mit einem Stipendium Foto: Berners

Düren. Khalifa-Hadi Chaa hat was. Was er hat, weiß der 16-Jährige auch nicht so genau. Aber irgendetwas muss es sein. In der fünften Klasse - die Schüler kannten sich gerade mal zwei Wochen - wurde er zum Klassensprecher gewählt.

In der Neunten wurde er zum stellvertretenden Schülersprecher der Realschule Düren-Nord, in der Zehnten fiel das „stellvertretend” weg. Und jetzt - neue Schule, neue Leute an der kaufmännischen Schule - haben die anderen ihn schon wieder zu ihrem Sprecher ernannt. Hadi - so nennen ihn alle - füllt diese Ämter und seine Funktion als Landesdelegierter der Bezirksschülerkonferenz gerne mit Leben, hat Freude daran, Verantwortung zu übernehmen, sich für seine Mitschüler einzusetzen.

Hadi will sehen, was man ohne Erwachsene erreichen kann. Und stößt dabei immer wieder an Grenzen. „An der Schule selbst kann man mit viel Mühe etwas bewegen. Aber schon wenn es auf kommunaler Ebene um Schulpolitik geht, können Schülersprecher nichts mehr reißen. Es bleibt dann nur noch der Titel”, sagt Hadi verärgert.

Schüler müssen gehört werden

Dabei seien es doch gerade die Schüler, deren Sichtweise, Meinung und Einschätzung gehört werden müsste. „Das Bildungssystem ist doch für die Schüler da - und es gibt viele Kleinigkeiten zu verändern.” Daneben stehen große Projekte, wie die Veränderung der Schullandschaft an. Auch da würde Hadi gerne mehr Mitspracherecht haben.

Weil Hadi nicht nur engagiert ist, sondern auch Migrationshintergrund hat, gilt er als Vorbild und Vorzeigebeispiel für gelungene Integration. Sein familiärer Hintergrund und sein persönlicher Einsatz haben ihm zu einem Stipendium verholfen. Sinn des Stipendiums ist es, Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Weg zum Abitur zu ebnen. Es gibt finanzielle Unterstützung für die Anschaffung zum Beispiel von Büchern oder einem Musikinstrument. Außerdem kann Hadi an unterschiedlichen Fortbildungen teilnehmen - Rede- und Präsentationstraining zum Beispiel. Das Stipendium der Hertie-Stiftung, des NRW-Schulministeriums und diverser Verbände soll Jugendlichen wie Hadi helfen, das eigene Potenzial auszuschöpfen. Sie sollen mit einem guten Bildungsabschluss in der Gesellschaft Fuß fassen.

Hadi hat diesen Halt eigentlich schon. „Integration kann immer gelingen, wenn auch nicht immer ganz reibungslos”, sagt er überzeugt. „Es müssen nur beide Seiten wollen und ohne Vorbehalte aufeinander zu gehen.” Hadi selbst hat überwiegend positive Erfahrungen gemacht. „Nur wenige”, sagt er, „haben es nicht gut mit mir gemeint.”

Für die Familie sorgen

Für Hadi ist sein Einsatz selbstverständlich. Aber es gibt wohl nicht so viele junge Menschen, die auf Landesschülerkonferenzen über Sarrazins Thesen oder Schulpolitik diskutieren, ihre Freizeit für die Sache nutzen. Unter den Start-Stipendiaten, so hatte Hadi gehofft, würde er wohl endlich nicht mehr auffallen - weder durch sein Engagement, noch durch seine Hautfarbe. Wieder nichts: Er wurde ausgewählt, um bei der Auftaktveranstaltung eine Ansprache zu halten. Mal wieder er. „Manchmal nervt es, obwohl es natürlich schön ist, dass die Menschen mir dieses Vertrauen schenken.”

Parteipolitisch aktiv werden will Hadi aber nicht. Nachgedacht hat er darüber schon, nur: „Es gibt keine Partei, hinter der ich 100-prozentig stehen könnte.” Hadi ist, wie er ist. Interessiert, neugierig, selbstbewusst, charismatisch. Den Willen, es zu schaffen, hat er von seinem Vater mit auf den Lebensweg bekommen.

Seine Eltern sind 1990 aus politischen Gründen aus Togo nach Deutschland gezogen. Hadis Vater hatte in der Heimat Abitur gemacht, wollte dort Jura studieren. In Deutschland wurden seine Abschlüsse aber nicht anerkannt. Jetzt arbeitet er als Gebäudereiniger. Hadi ärgert das, gleichwohl ist er froh, dass seine Eltern damals diese Entscheidung getroffen haben. „Sonst hätte ich nicht die Möglichkeiten, die mir heute offenstehen.”

Seinen Vater bewundert er, weil er jeden Tag für seine Familie , die in Birkesdorf lebt, kämpft. Das will Hadi auch tun - später, wenn er einen guten Job hat. Vorher aber heißt es Abi machen und studieren. Internationales Management. „Mein Glück ist, dass mir das Lernen ziemlich leicht fällt”, sagt Hadi. So schafft er sich den Raum für sein Engagement, und er hofft, dass das auch künftig so bleibt.
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